Prognose für 2010 Deutsche Bank erwartet fünf Millionen Arbeitslose

Die weltweite Wirtschaftskrise wird den deutschen Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten deutlich härter treffen als bisher: Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank rechnet schon im Winter mit fünf Millionen Arbeitslosen. "Das Schlimmste liegt noch vor uns."


Berlin - Es ist eine düstere Prognose, die so gar nicht zum sonstigen Optimismus passen will: Nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Deutschen Bank Chart zeigen, Norbert Walter, wird die weltweite Wirtschaftskrise den deutschen Arbeitsmarkt in den kommenden Monate deutlich härter treffen als bisher. "Das Schlimmste auf dem Arbeitsmarkt liegt ganz klar noch vor uns. Von Entwarnung kann keine Rede sein", sagte der Ökonom der "Bild"-Zeitung.

Arbeitsagentur in Gladbeck:"Die Arbeitslosigkeit wird steigen"
DDP

Arbeitsagentur in Gladbeck:"Die Arbeitslosigkeit wird steigen"

Stattdessen sei mit deutlich mehr Jobsuchenden zu rechnen: "Die Arbeitslosenzahl wird im Winter 2010 über fünf Millionen steigen." Zu einer Wende wird es nach Ansicht Walters erst im Frühjahr 2011 kommen, wenn die für den Arbeitsmarkt traditionell schlechten Wintermonate überstanden sind.

Die Lage der Wirtschaft insgesamt beurteilt der Wirtschaftswissenschaftler etwas optimistischer: "Beim Konjunktureinbruch haben wir den Tiefpunkt hinter uns, wenn man dies an Exporten und Industrieproduktion misst. Ich bleibe bei meiner Prognose von einem Minus zwischen fünf und sechs Prozent für dieses Jahr." Auch für das kommende Jahr erwartet Walter kein positives Wirtschaftswachstum, vielmehr drohe Deutschland in 2010 eine "schwarze Null" beim Wachstum.

"Kein Licht am Ende des Tunnels"

Eine Einschätzung, die auch von EU-Industriekommissar Günter Verheugen (SPD) geteilt wird: "Ich bin nicht der Meinung, dass in der Wirtschaftskrise das Schlimmste schon hinter uns liegt. Ich sehe jedenfalls noch kein Licht am Ende des Tunnels", sagte Verheugen der Zeitung "Die Welt". So werde die Kreditbeschaffung für Unternehmen immer problematischer. "Die Kreditklemme ist immer noch ein Problem, und je länger sie dauert, desto schwieriger wird es für die Unternehmen", sagte Verheugen. Vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen bereiteten ihm Sorgen. Schon heute sei "jeder dritte Automobilzulieferer von Zahlungsschwierigkeiten bedroht".

Der EU-Kommissar forderte schnelle Gegenmaßnahmen: "Es ist sehr wichtig, dass jetzt schnellstmöglich eine Lösung für die hochriskanten Wertpapiere gefunden wird und die Unternehmen wieder Geld für ihre Investitionen erhalten." Ohne eine Lösung für die riskanten Wertpapiere sei die Wirtschaftskrise nicht zu überwinden. Die Banken würden erst dann wieder Kredite vergeben, wenn ihre Bilanzen bereinigt seien und die Kreditinstitute mehr Sicherheit hätten. "Wir brauchen dabei eine europäisch abgestimmte Lösung, damit ein fairer Wettbewerb im Bankensektor gesichert ist", sagte Verheugen.

Auch die Wirtschaft hat an die Bundesregierung appelliert, den Banken weiter zu helfen, damit die Unternehmen besser mit Liquidität ausgestattet werden können. "Wenn wir den gesamten Restrukturierungsbedarf der Banken sehen, fürchten wir schon, dass es in den nächsten Wochen mit der Kreditversorgung der Wirtschaft eher noch schwieriger wird", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, dem "Handelsblatt". Sorgen mache er sich vor allem um die internationale Entwicklung. "Ich fürchte, dass auf den globalen Finanzmärkten das Casino schon wieder eröffnet wird", sagte der BDI-Präsident. "Kurzfristiges Denken und Risikobereitschaft nehmen wieder zu."

Mit Blick auf die Krise verlangte Keitel von der Politik den Mut zu Strukturreformen insbesondere bei den Steuern. Zwar müsse man bei der Entlastung realistisch sein. Er "wehre sich aber gegen eine rein statische Betrachtungsweise, dass wir erst Schulden abtragen und erst dann entlasten können", betonte Keitel. Dann sei es viel zu spät. "Jetzt entscheidet sich, wie wir uns für die Zeit nach der Krise aufstellen - und das ist mein dringender Appell an die Politik."

sam/ddp/AFP



Forum - Trifft die Wirtschaftskrise die junge Generation am schlimmsten?
insgesamt 804 Beiträge
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Seite 1
Adran, 13.06.2009
1.
Zitat von sysopDie Wirtschaftskrise hält derzeit Deutschland fest im Griff. Trotz aller Vernetzung und Kommunikations-Kompetenz haben besonders die 25- bis 35-jährigen Menschen heftig mit der Krise zu kämpfen. Trifft die Jüngeren die internationale Wirtschaftskrise härter als den Rest der Gesellschaft? Diskutieren Sie mit!
Ist das nicht logisch? Man wollte doch den Arbeitsmarkt "Flexibiler" gestalten... Das ist es nur logisch, dass diese Arbeitsverhältnise ehr abgebaut werden. Dann die Sozialpläne, die vorallem die schnell feuern, die schnell wieder Arbeit finden, was nun mal ebenso diese Generation trifft.. Jung, mobile, flexibel, und Tschüß! Wozu dazu also ein extra tread gebraucht wird, ist mir rätselhaft..
Maxom 13.06.2009
2.
Zitat von sysopDie Wirtschaftskrise hält derzeit Deutschland fest im Griff. Trotz aller Vernetzung und Kommunikations-Kompetenz haben besonders die 25- bis 35-jährigen Menschen heftig mit der Krise zu kämpfen. Trifft die Jüngeren die internationale Wirtschaftskrise härter als den Rest der Gesellschaft? Diskutieren Sie mit!
Die Wirtschaftskrise trifft doch gerade die Älteren zuerst. Da die Alten in den meisten Betrieben zuerst dran glauben müssen wenn wieder mal Stellen abgebaut werden.
Frosty127 13.06.2009
3.
Zitat von MaxomDie Wirtschaftskrise trifft doch gerade die Älteren zuerst. Da die Alten in den meisten Betrieben zuerst dran glauben müssen wenn wieder mal Stellen abgebaut werden.
Unsinn. Da Sie bei Kündigungen normalerweise soziale Gesichtspunkte berücksichtigen müssen, sind die jungen Mitarbeiter sehr viel leichter zu entlassen als ein 40-jähriger Vater von zwei Kindern. Dazu vergessen Sie den Kündigungsschutz. Die Älternen werden normalerweise über Altersteilzeit oder Abfindungen aus dem Betrieb entlassen und gehen danach oftmals in Rente.
MarkH, 13.06.2009
4.
Zitat von sysopDie Wirtschaftskrise hält derzeit Deutschland fest im Griff. Trotz aller Vernetzung und Kommunikations-Kompetenz haben besonders die 25- bis 35-jährigen Menschen heftig mit der Krise zu kämpfen. Trifft die Jüngeren die internationale Wirtschaftskrise härter als den Rest der Gesellschaft? Diskutieren Sie mit!
Kompletter Quatsch.. die Geburtenraten zeigen, dass schon die 40+ Generation neben der Spur lief. Wie soll das Ganze auch funktionieren ? Jede Logik versagt hier
khcdm 13.06.2009
5. Bitte richtig hinterfragen!
Zitat von sysopDie Wirtschaftskrise hält derzeit Deutschland fest im Griff. Trotz aller Vernetzung und Kommunikations-Kompetenz haben besonders die 25- bis 35-jährigen Menschen heftig mit der Krise zu kämpfen. Trifft die Jüngeren die internationale Wirtschaftskrise härter als den Rest der Gesellschaft? Diskutieren Sie mit!
Wieso gerade _diese_ Krise? Spätestens seit dem unaufhaltsamen Anstieg der Arbeitslosenzahlen unter der Kohl-Administration haben Alte wie Junge unter der in Schlangenlinien absemmelnden Wirtschaft zu leiden! Wenn mal jemand ehrlich wäre und würde die Prognosen über vermutlich benötigte Stellen, ausscheidende Mitarbeiter, Arbeitslose und bald in den Markt eintretende Azubis bzw. Absolventen aufzeichnen, vielleicht noch angereichert nach Gehalt und Qualifikation (erworbene/ausgeübte!!), _das_ gäbe erst einen Titel! Dieser Titel jedenfalls ist leider bloss Mainstream, zur Zeit. Und dass Deutsche angepasst sind und nicht rebellieren ist doch eine Trivialität.
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