Projekt Skyhook Boeing plant Lastenluftschiff

Ein Lasten-Luftschiff kann Schweres tragen, schont die Umwelt und sieht sexy aus. Trotzdem sind schon mehrere Firmen damit phänomenal gescheitert - unter anderem das deutsche Unternehmen CargoLifter. Jetzt unternimmt der US-Konzern Boeing einen neuen Versuch.


St. Louis/New York - Der US-Konzern Boeing plant nach eigenen Angaben ein Luftschiff. Es soll bis zu 40 Tonnen schwere Lasten bis zu 320 Kilometer weit transportieren, ohne Auftanken zu müssen. Der Start sei für etwa 2012 geplant, teilte der US-Konzern am Dienstag in St. Louis mit, ohne Entwicklungskosten zu beziffern.

Die Amerikaner planen nach eigenen Angaben einen 92 Meter langen, mit Helium-Gas gefüllten Transporter. Vier Rotoren mit Helikoptertechnik sollen das Luftschiff antreiben. Die Fracht hängt an Seilen. Boeing will zunächst zwei der Luftschiffe vom Typ JHL-40 (Jess Heavy Lifter) bauen und entwickeln. Partner ist die private kanadische Firma SkyHook International, die das Patent besitzt.

Der Schwebetransporter sei vor allem für entlegene Regionen ohne ausgebautes Straßennetz - etwa Kanada und Alaska - ein ideales Transportmittel. Tatsächlich gebe es schon zahlreiche Interessenten, sagte Pete Jess, Präsident von SkyHook mit Sitz im kanadischen Calgary.

Böse Erinnerungen an den CargoLifter-Flop

Das Projekt SkyHook versprüht Luftfahrerromantik - es weckt aber auch böse Erinnerungen: In Deutschland waren erst 2002 die Pläne des Unternehmens CargoLifter für ein Frachtluftschiff unter großem Aufsehen geplatzt. Das Projekt scheiterte damals an Geldmangel - die Gesellschaft musste im Juni 2002 Insolvenz anmelden und verbrannte das Geld Zehntausender Kleinaktionäre.

Allerdings war das Projekt CargoLifter auch wesentlich ambitionierter. Das damalige Luftschiff sollte mit 260 Metern Länge und einer Nutzlast von bis zu 160 Tonnen mehr als dreimal so groß werden wie der SkyHook.

Boeing interessierte sich schon damals auch für das CargoLifter-Konzept. 2002 unterzeichnete der US-Konzern sogar eine Absichtserklärung über eine Zusammenarbeit, lehnte aber Investitionen in die börsennotierte Gesellschaft ab.

Außer dem CargoLifter-Flop gab es weltweit immer wieder Ankündigungen und spektakuläre Visionen für neue Luftschiffprogramme. Umgesetzt wurden nur die wenigsten.

Das größte Luftschiff, das sich derzeit im regulären Einsatz befindet, ist der Zeppelin NT, den die Zeppelin Luftschifftechnik GmbH in Friedrichshafen baut. Erst kürzlich verkaufte das Unternehmen sein viertes Luftschiff in die USA für Touristenflüge und Werbeaktionen über San Francisco.

ssu/dpa-AFX



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