Prora auf Rügen Ein Denkmal wird verkauft

Jahrzehntelang stand die von den Nazis errichtete Urlaubsfabrik Prora auf Rügen leer, dann wurde sie zum Spekulationsobjekt. Investoren haben Luxuswohnungen eingerichtet: Jetzt soll auch der letzte Block verkauft werden.

Nazi-Urlaubsfabrik Prora
DPA

Nazi-Urlaubsfabrik Prora


20.000 Menschen gleichzeitig sollten nach Vorstellung der Nazis in der "Kraft-durch-Freude"-Urlaubsfabrik Prora auf Rügen Ferien machen - fertiggestellt wurde der Mammutbau jedoch nie. Jahrzehntelang gammelte die fast fünf Kilometer lange Betonburg vor sich hin, bis Investoren die Chance witterten, viel Geld zu verdienen.

Unterstützt vom Staat, der für Eigentumswohnungen in dem Denkmal großzügige Steuerabschreibungen erlaubt, entstehen seit ein paar Jahren Block für Block Hunderte teils luxuriöse Apartments mit Quadratmeterpreisen von bis zu 10.000 Euro, dazu Ferienanlagen und ein Hotel.

Die Übernahme durch gut betuchte Anleger stößt allerdings auf Widerstand auf Rügen. Bis auf den nördlichsten Block 5 (von Block 6 und 7 sind im Wesentlichen nur noch Trümmer geblieben) sind alle Teile von Prora an Privatinvestoren verkauft. Über diesen letzten Block wird auf der Insel jetzt gestritten. Jüngst ebnete der Kreistag von Vorpommern-Rügen den Weg für den Verkauf des letzten in öffentlicher Hand befindlichen Teils - gegen die Stimmen von Grünen, der Linken und 15.000 Unterzeichnern einer Online-Petition.

Die Gegner fordern, dass Block 5 in öffentlicher Hand bleibt - für die künftige Nutzung gibt es unterschiedliche Ideen. Die Jugendherberge mit mehr als 400 Betten, die vor fünf Jahren im sanierten Teil eröffnete, soll bleiben. Einziehen soll zudem das Dokumentationszentrum über die Geschichte Proras - das bald aus dem verkauften Block 3 ausziehen muss. Gewünscht ist zudem der Ausbau zu einem Ort der Begegnung, Kultur und Bildung.

Für all das fehlt dem Landkreis das Geld - und auch der Bund und das Land Mecklenburg-Vorpommern haben abgewinkt. Die Zukunft von Block 5 in der Nachbarschaft von Luxusurlaubern ist - wieder einmal - ungewiss.

Mobilnutzer finden die Fotos hier in einer Bilderstrecke.

nck



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insgesamt 117 Beiträge
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Seite 1
danido 06.06.2016
1.
Dass die Linke mal wieder ein Problem mit Investoren hat war klar, die finden Ruinen besser als Einnahmen durch Touristen.
j.w.pepper 06.06.2016
2. Die öffentliche Hand sollte froh sein...
...das Objekt an Leute loszuwerden, die ihr die Unterhaltungskosten abnehmen. Es denkt doch wohl keiner, dass heute noch Urlauber bereit sind, in den handtuchschmalen Zimmern mit "Kalkutta-WC" (am Ende des Ganges) ihre Ferien zu verbringen. Ohne Investoren würde in der teils Bau-, teils Kriegsruine auch weiterhin nichts passieren. Besser, ein Denkmal wird durch den Einbau von Luxusappartements unterhalten als überhaupt nicht. Ach, ich vergaß...mit Immobilien Geld zu verdienen ist politisch unkorrekt.
Ichbines2 06.06.2016
3. Wem genau
wurde der Komplex denn (höchstwahrscheinlich billigst) zugeschustert und wer genau greift die tollen Steuermodelle ab und vermietet demnächst zu Wucherpreisen? Warum wurden dort denn nicht Erholungsappartement für Menschen erstellt, die sich nicht so schnell einen Urlaub leisten können?
global player 06.06.2016
4. Ideologen und Kapitalisten
---Zitat--- Einziehen soll zudem das Dokumentationszentrum über die Geschichte Proras - das bald aus dem verkauften Block 3 ausziehen muss. Gewünscht ist zudem der Ausbau zu einem Ort der Begegnung, Kultur und Bildung. ---Zitatende--- In Prora zeigt sich was passiert, wenn Ideologen und Kapitalisten aufeinandertreffen. Es macht ja viel Sinn, dass die Jugendherberge bleiben soll, aber warum fordern die Linke und Grünen ausgerechnet, dass die oben genannten Einrichtungen, die nur enorm viel Geld kosten, aber kaum genutzt würden, auch einziehen sollen? Das sind typische Forderungen von Ideologen, die nie auf die finanzielle Seite blicken sondern nur die Touristen mit ihrer Ideologie indoktrinieren wollen, sogar noch am Urlaubsstrand. Die Anlage wurde als Urlaubsunterkunft für die Massen gebaut, nicht als KZ, also gibt es keinen Grund der geschichtlichen Aufarbeitung mit Dokumentationszentrum etc. Ebenso lächerlich sind die Quadratmeterpreise, die die profitgierigen Investoren für die umgebaute Ruine verlangen - 10 000 Euro ist ja doppelt so viel wie in bester Lage in Berlin.
realpress 06.06.2016
5. Speiübel
wird es einem beim lesen der Schlagzeilen : Kraft-durch-Freude"-Urlaubsfabrik Prora oder die "Nazi-Urlaubsfabrik" Es handelt sich hier um eine Immobilie im Jahr 2016, hallo, 71 (einundsiebzig) Jahre nach dato. Kein Wunder liebe Nachbarn wenn ihr euere Vergangenheit beim Lesen dieser aufreisserischen Schlagzeilen nicht beiseite legen in der Lage seid. Wobei zu bemerken ist, wer denn wer der heutigen Generation hat denn überhaupt eine Ahnung worum es sich hier handelt. Nö, zum Kotzen diese Schlagzeilen ! Gruss aus Amsterdam
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