Proteste wegen Finanzkrise Isländer stürmen Zentralbank

Die Folgen der Finanzkrise sind massiv, die Proteste werden militanter: Mehr als hundert Demonstranten haben in Reykjavik die isländische Zentralbank gestürmt - weniger als ein Drittel der Bevölkerung traut der Regierung noch zu, die Krise zu meistern.


Reykjavik - Die Wut ist grenzenlos, die Ohnmacht auch: Die Bürgerproteste auf Island gegen die Folgen der Finanzkrise werden immer offensiver. Wie die Polizei in Reykjavik am Dienstag bestätigte, waren am Vorabend erstmals Demonstranten in das Gebäude der Zentralbank eingedrungen. Die mehr als hundert Protestteilnehmer zogen sich erst nach Drohungen der Polizei, das Gebäude gewaltsam zu räumen, zurück. Sie verlangten lautstark den Rücktritt von Nationalbankchef David Oddsson.

Ministerpräsident Geir Haarde nannte die finanzielle und wirtschaftliche Lage Islands in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung "sehr ernst". Nach dem Zusammenbruch der drei größten Banken leidet das Land mit 320.000 Einwohnern unter anderem unter akuter Devisenknappheit. Die Inflationsrate nähert sich bei dramatisch steigenden Arbeitslosenzahlen derzeit der 20-Prozent-Marke.

Island hatte im Oktober die drei größten Banken des Landes verstaatlicht, um dadurch einen Staatsbankrott abzuwenden. Die Kreditinstitute hatten daraufhin die Einlagen der Sparer eingefroren. In Deutschland waren von diesem Schritt insbesondere die mehr als 30.000 Kunden der Kaupthing-Bank betroffen.

Die früher größte isländische Bank Kaupthing beantragte am Montag Zahlungsaufschub bei den US-Behörden für Schulden in den USA. Kaupthings Gesamtschulden über 26 Milliarden Dollar sind mehr als doppelt so hoch wie der gesamte Staatshaushalt.

Gigantische Schuldenlast

Am Wochenende hatten bereits Tausende Demonstranten vor dem Parlament auch den Rücktritt von Ministerpräsident Haarde sowie der Regierung gefordert. Sie wird dafür mitverantwortlich gemacht, dass die zusammengebrochene Bank den 320.000 Bürgern der Atlantikinsel eine gigantische Schuldenlast aufbürden konnte.

Bei einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage erklärten nur noch 32 Prozent der Befragten, dass sie Vertrauen zur Regierung haben. Mit 33 Prozent wurden die oppositionellen Linksgrünen bei der Umfrage stärkste Partei. Haardes konservative Selbständigkeitspartei als traditionell dominierende politische Kraft auf Island kam nur noch auf 21 Prozent gegenüber 36,6 Prozent bei den Wahlen 2007.

sam/dpa



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