Wirtschaft


Prozess um Millionen-Erbstück: Gericht bleibt auf dem Teppich

Um 7,1991 Millionen Euro verschätzte sich ein Auktionator bei der Bewertung eines alten Perserteppichs - und muss trotzdem nicht haften. Die ehemalige Besitzerin scheiterte vor dem Landgericht Augsburg mit ihrer Klage.

Teuerster Teppich der Welt (Ausschnitt): Schludrig geprüft oder nicht?Zur Großansicht
DPA/ Christies

Teuerster Teppich der Welt (Ausschnitt): Schludrig geprüft oder nicht?

Augsburg - Die Teppicherbin aus dem Raum Starnberg hätte inzwischen vielleicht Millionärin sein können, mit einer Finca in Spanien und einem schicken Sportwagen in der Auffahrt. Doch aus dem Traum wird wohl nichts mehr. Das Landgericht Augsburg wies am Freitag die Klage der ehemaligen Besitzerin des teuersten Teppichs der Welt zurück: Sie kann einen Auktionator nicht dafür haftbar machen, dass er sich bei der Bewertung ihres Erbstücks um 7,1991 Millionen Euro verschätzt hatte.

Der Auktionator hatte den Teppich aus dem 17. Jahrhundert auf 900 Euro taxiert. Bei einer Versteigerung in Augsburg im Oktober 2009 brachte er der damaligen Besitzerin immerhin 19.000 Euro ein. Nach der Auktion wechselte der Teppich Monate später erneut den Besitzer: Ein anonymer Bieter zahlte bei einer Auktion bei Christie's in London 7,2 Millionen Euro dafür. Seither gilt das Prachtstück als teuerster Teppich der Welt.

Die Frau aus dem Raum Starnberg hatte dem Mann vorgeworfen, den Teppich schludrig geprüft zu haben. Dadurch sei ihr ein hoher Gewinn entgangen. Der Vorsitzende Richter Andreas Dumberger sagte jedoch bei der Urteilsbegründung, der Auktionator habe bei der Begutachtung des Teppichs weder vorsätzlich noch fahrlässig seine Pflichten verletzt. Der Mann sei nicht auf Teppiche spezialisiert, sondern ein "Universalversteigerer".

Die Klägerin, die das Objekt von einem Münchner Teppichhändler geerbt hatte, hatte vor Gericht zunächst 350.000 Euro verlangt. Das ist in etwa der Betrag, den die Christie's-Experten vor der Millionenauktion angesetzt hatten. In den Vergleichsverhandlungen verlangte die Teppich-Erbin zuletzt noch 100.000 Euro. Der Auktionator lehnte das ab. Die Summe würde ihn in den Ruin treiben, sagte er.

"Das wäre eine richtige Welle geworden"

Der sogenannte Vasenteppich, in der persischen Provinz Kerman geknüpft, ist 3,39 mal 1,53 Meter groß. Darauf zu sehen sind schlichte Blatt- und Blumenmuster. Einst befand er sich im Besitz der Comtesse de Béhague (1870-1939), die eine große Sammlung iranischer Kunst besaß. Diese Herkunft sei aber für das regionale Augsburger Auktionshaus nicht erkennbar gewesen, sagte Richter Dumberger weiter.

Der Bundesverband deutscher Auktionatoren reagierte erleichtert auf das Urteil. "Ich bin froh, dass es der Augsburger Kollege geschafft hat", sagte Verbandspräsident Heinrich Arens. Wäre der Mann verurteilt worden, hätte dies zahlreiche andere Schadenersatzklagen gegen Auktionatoren zur Folge gehabt: "Das wäre eine richtige Welle geworden."

Dennoch könnte der Rechtsstreit womöglich vor dem Oberlandesgericht München weitergehen. "Wir werden das schriftliche Urteil genauestens analysieren und höchstwahrscheinlich in Berufung gehen", sagte Hannes Hartung, der Anwalt der einstigen Teppich-Besitzerin. Das Gericht habe einen wesentlichen Punkt in der mündlichen Urteilsbegründung nicht bedacht. "Der Auktionator hätte seine Mandantin darüber aufklären müssen, dass er sich mit diesem Teppich gar nicht auskennt." Wenn dazu in der schriftlichen Begründung keine schlüssigen Ausführungen gemacht würden, sei die Berufung unumgänglich.

yes/dapd

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insgesamt 149 Beiträge
janne2109 27.01.2012
unglaublich, und wer sitzt jetzt auf den Millionen?? Ich fasse es nicht.
Zitat von sysopUm 7,1991 Millionen Euro verschätzte sich ein Auktionator bei der Bewertung eines alten Perserteppichs - und muss trotzdem nicht haften. Die ehemalige Besitzerin scheiterte vor dem Landgericht Augsburg mit ihrer Klage. Prozess um Millionen-Erbstück: Gericht bleibt auf dem Teppich - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,811760,00.html)
unglaublich, und wer sitzt jetzt auf den Millionen?? Ich fasse es nicht.
boeseHelene 27.01.2012
da hat der Auktionator aber echt Mist gebaut, auch wenn ich das schöne Stück nicht verkauft hätte, wäre ich aber gesetzt dem Fall ich hätte es doch tun müssen zu einem unabhängigem Experten gegangen und hätte mir von ihm [...]
da hat der Auktionator aber echt Mist gebaut, auch wenn ich das schöne Stück nicht verkauft hätte, wäre ich aber gesetzt dem Fall ich hätte es doch tun müssen zu einem unabhängigem Experten gegangen und hätte mir von ihm Wertgutachten machen lassen. Der Teppich ist wunderschön und ich möchte gar nicht wissen wie lange daran geknüpft wurde, iranische Teppiche werden nicht von Kindern geknüpft.
alexbln 27.01.2012
derjenige der ihn für 19.000euro ersteigert hat. spätestens da wäre ich als besitzerin unruhig geworden- schätzwert 900,- und dann diese gebote. die frage ist natürlich, inwieweit sind gutachter haftbar. und was [...]
Zitat von janne2109unglaublich, und wer sitzt jetzt auf den Millionen?? Ich fasse es nicht.
derjenige der ihn für 19.000euro ersteigert hat. spätestens da wäre ich als besitzerin unruhig geworden- schätzwert 900,- und dann diese gebote. die frage ist natürlich, inwieweit sind gutachter haftbar. und was ist, wenn da eh nichts zu holen ist, bei dem auktuionshaus. menschlich anständig wäre es , wenn der neue teppichverkäufer ein paar hunderttausend abgibt von seinem gewinn. aber wo gibt es heute noch anstand.
champagnero 27.01.2012
Na ist doch nicht so schwer. Am wahrscheinlichsten derjenige, der den Teppich weiterverkauft hat... ;-)
Zitat von janne2109unglaublich, und wer sitzt jetzt auf den Millionen?? Ich fasse es nicht.
Na ist doch nicht so schwer. Am wahrscheinlichsten derjenige, der den Teppich weiterverkauft hat... ;-)
cassandros 27.01.2012
Alte Teppich in al(t)en Ehren, aber: Ich fasse nicht, daß jemand für einen Flatschen gewebte Wolle Millionen hinzublättern bereit ist.
Zitat von janne2109unglaublich, und wer sitzt jetzt auf den Millionen?? Ich fasse es nicht.
Alte Teppich in al(t)en Ehren, aber: Ich fasse nicht, daß jemand für einen Flatschen gewebte Wolle Millionen hinzublättern bereit ist.
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  • Freitag, 27.01.2012 – 12:09 Uhr
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