Zocker-Skandal UBS-Banker plädiert auf nicht schuldig

Es ist einer der größten Zockerskandale der vergangenen Jahre: Der Ex-Banker Kweku Adoboli soll mehr als zwei Milliarden Dollar der Schweizer UBS verspielt haben. Jetzt hat der Prozess gegen den Milliarden-Jongleur in London begonnen. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Ex-UBS-Händler Adoboli auf dem Weg ins Gericht: Im drohen bis zu zehn Jahre Haft
AFP

Ex-UBS-Händler Adoboli auf dem Weg ins Gericht: Im drohen bis zu zehn Jahre Haft


London - Nicht schuldig: Mit dieser Strategie geht der Ex-Banker Kweku Adoboli in den Prozess um seine Milliarden-Zockerei. Ihm wird vorgeworfen, 2,3 Milliarden Dollar der Schweizer UBS-Bank verspielt zu haben. Am Montag erschien in London der Ex-Händler vor dem Southwark Crown Court, an dem zunächst Verfahrensfragen geklärt wurden. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.

Dem 32-Jährigen werden in zwei Anklagepunkten Betrug und in zwei weiteren Bilanzfälschung vorgeworfen. Der Staatsanwalt wird voraussichtlich im Laufe der Woche seine Schrift verlesen. Seine Anwälte sehen die UBS in der Verantwortung.

Adoboli hatte bankintern im September 2011 zugegeben, die internen Richtlinien überschritten zu haben. Der Fall hatte eine Milliardenlücke in die Bilanz der UBS gerissen und Vorstandschef Oswald Grübel den Job gekostet. Adoboli erklärte sich für nicht schuldig und wurde erst im Juni aus der Untersuchungshaft entlassen, muss seitdem aber eine elektronische Fußfessel tragen. Der Prozess wird vermutlich mehrere Wochen dauern.

Der Sohn eines ehemaligen Uno-Diplomaten aus Ghana, der in Großbritannien eine Privatschule besuchte und an der Universität von Nottingham studierte, war seit 2006 bei dem Schweizer Finanzinstitut tätig. Er arbeitete im Londoner UBS-Büro im Bereich Exchange Traded Funds. Dort war er unter anderem für den Kauf und Verkauf von Indexfonds zuständig. Das sind komplexe Börsenprodukte, die beispielsweise Aktienindizes wie den Dax möglichst genau nachbilden.

Die Schweizer Bank wirft ihrem Ex-Mitarbeiter vor, Geschäfte mit sehr hohen Beträgen gemacht zu haben - die dafür vorgeschriebenen Absicherungsgeschäfte aber frei erfunden zu haben. Auf diese Weise rutschte der Banker immer tiefer in die roten Zahlen und musste immer risikoreicher zocken. Warum der junge Händler dabei nicht ertappt wurde, blieb bisher unbeantwortet.

Auch bei anderen Banken gab es schon große Fälle von betrügerischer Zockerei: Nick Leeson hatte Mitte der 1990er Jahre die britische Baring Bank sogar in den Ruin getrieben - damals reichten dafür Verluste in Höhe von unter einer Milliarde Euro aus. Der Franzose Jérome Kerviel erleichterte die Bank Sociéte Generale um fünf Milliarden Euro. Beide mussten lange Gefängnisstrafen absitzen.

lei/dpa/dapd/AFP



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