Puma-Käufer Pinault: Monsieur Expansion

Von Kim Rahir, Paris

François-Henri Pinault steckt hinter der Übernahme von Puma. Der Sohn des legendären PPR-Gründers hat sich aus dem Schatten seines Vaters befreit - und zeigt jetzt, dass er seinen Weltkonzern ebenso souverän wie erfolgreich führt.

François-Henri Pinault ist auf den ersten Blick vor allem ein Sohn: "Fils de" (Sohn von) sagen die Franzosen, um Männer zu verspotten, die zu ihrem Glück nicht mehr beigetragen haben, als in die richtige Familie geboren zu werden.

François-Henri Pinault, Chef des französischen Luxusgüterkonzerns PPR: Nicht vom Vater an die Spitze gepusht
AFP

François-Henri Pinault, Chef des französischen Luxusgüterkonzerns PPR: Nicht vom Vater an die Spitze gepusht

Was die Familie anlangt, so kann "FHP" (wie Pinault Junior genannt wird) sich wirklich nicht beklagen. Als Spross des milliardenschweren Geschäftsmannes François Pinault trat er im Frühjahr 2005 mit 42 an die Spitze des von seinem Vater gegründeten Luxus- und Handelskonzerns Pinault-Printemps Redoute (PPR) Chart zeigen.

Allem Spott zum Trotz: Der Spitzenjob im Weltkonzern fiel dem jungen Pinault nicht wirklich in den Schoß. Fast 15 Jahre lang hatte er vorher in den diversen Branchen und Abteilungen des Imperiums gearbeitet, um sich seine Sporen zu verdienen.

Und dabei war Vater François alles andere als ein voreingenommener Patriarch, der seinen verzogenen Sprössling an die Spitze pushte. Der junge Pinault wuchs bei seiner Mutter in der Bretagne auf, seine Eltern hatten sich getrennt, als François-Henri gerade mal drei Jahre alt war. Erst als er 17 wurde und das letzte Schuljahr vor dem Abitur begann, las sein Vater ihn im Nordwesten Frankreichs auf und steckte ihn in eine der besten Privatschulen der Hauptstadt: Das Gymnasium Stanislas sollte dem Jungen einen Platz in einer der Eliteschulen des Landes sichern.

Anfang im bretonischen Sägewerk

François-Henri absolvierte die renommierte Handelsschule HEC und stieg schon bald in die väterliche Firma ein. Dort wanderte er fast in genau der Reihenfolge durch die verschiedenen Firmen und Abteilungen, in der sein Vater sie aufgebaut und erworben hatte - den Anfang machte er in einem bretonischen Sägewerk. Dass sein Sohn die Leitung des Imperiums eines Tages übernehmen würde, stand für den alten Pinault dabei durchaus nicht fest: Der Firmengründer setzte sogar eine Art Überwachungskomitee in seiner Firma ein, einen Rat der Weisen, der die Tauglichkeit seines Sohnes nachhaltig prüfen sollte.

Dass François-Henri das Zeug zum Chef hat, davon war sein Vater erst im Jahr 2003 überzeugt, als er seinem Sohn kurzerhand die Leitung der Holding Artémis übertrug, die PPR kontrolliert. Als PPR-Chef Serge Weinberg im Frühjahr 2005 abtreten wollte, rückte FHP an seine Stelle. Und setzte sich damit doch noch von seinem Vater ab, der sich dem täglichen Manager-Geschäft stets ferngehalten hatte.

Denn im Gegensatz zu diesem schätzt FHP die operationelle Arbeit, will die Geschäfte wirklich führen und nicht nur von oben beaufsichtigen. Freunde und Mitarbeiter sagen, dass FHP dabei stets seinen Vater von seinen Fähigkeiten überzeugen wolle. "Er begibt sich ständig in den roten Bereich, er ist nie mit sich zufrieden", erzählte sein Freund und Mitarbeiter Jean-François Palus bei Pinault Juniors Antritt im März 2005.

Von rotem Bereich kann bei PPR jedoch keine Rede sein: Mit 17,9 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2006 konnte die Gruppe 5,9 Prozent Wachstum verzeichnen. Die Luxussparte mit Zugpferden wie Gucci Chart zeigen oder Yves Saint Laurent wuchs sogar um 17,6 Prozent. Vom Gesamtumsatz macht der Bereich Luxus derzeit knapp 20 Prozent aus, doch dieser Anteil soll in Zukunft steigen. Der Handel - PPR ist unter anderem mit dem französischen Versandkaufhaus La Redoute und der Möbel- und Elektrokette Conforama vertreten - sei ein "reifer, etablierter Markt", heißt es in einem Firmenkommuniqué. Übersetzt bedeutet das: Das Wachstum ist woanders, nämlich im internationalen Luxusgeschäft.

Puma ist ideales Bindeglied

Die Firma unter François-Henri Pinault setzt weiter auf Firmeneinkäufe, auf Diversifizierung und Internationalisierung. Zu dieser Strategie gehört auch das Übernahmeangebot an Puma. Als global etablierte Marke mit Produkten, die sich nicht auf eine kleine, elitäre Klientel konzentrieren, könne das deutsche Label ein ideales Verbindungsglied zwischen dem Luxusgeschäft und der Handelssparte bei PPR werden, heißt es in der Presse-Präsentation, die PPR am Dienstag in Paris vorstellte.

Das Ziel, 60 Prozent seines Umsatzes außerhalb von Frankreich zu realisieren (derzeit sind es rund 55 Prozent), könnte mit dem Erwerb des Sportartikelherstellers bald erreicht werden. Die weltweite Nummer drei der Sportartikelhersteller (hinter Nike Chart zeigen und Adidas Chart zeigen) könnte bei der weltweiten Nummer drei der Luxusbranche (PPR hinter den Franzosen LVMH Chart zeigen und den Schweizern Richemont Chart zeigen) weiter florieren und vom Know-how der Franzosen sowohl im Markenmanagement als auch im Handel profitieren.

FHP hat damit bewiesen, dass die Fußstapfen seines Vaters ihm keineswegs zu groß sind. Und auch privat ist François-Henri auf "Expansionskurs": Der 44-Jährige ist mit der mexikanischen Schauspielerin Salma Hayek verlobt, die ein Kind von ihm erwartet. Eine Glamour-Beziehung, die für den zurückhaltenden Mann mit den stahlblauen Augen eigentlich eher untypisch ist. Aber FHP sollte eben niemand unterschätzen. "Nichts wies in der Schule darauf hin, dass er eine Führungspersönlichkeit werden würde", erinnert sich ein Klassenkamerad, "außer vielleicht, dass man sich in seiner Gegenwart immer irgendwie stark fühlte."

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