Quartalsbilanz Morgan Stanley schockt mit Milliardenverlust

Der Verlust ist drastisch - und weit höher als erwartet: Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat im letzten Geschäftsquartal 2,37 Milliarden Dollar verloren. Die desaströsen Zahlen lassen auch für andere Institute nichts Gutes ahnen.


New York - Morgan Stanley hat durch die Finanzkrise einen massiven Verlust erlitten. Im vergangenen Geschäftsquartal machte die US-Investmentbank ein Minus von 2,37 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor hatte das Wall-Street-Haus bereits 3,6 Milliarden Dollar Verlust gemacht. Der Verlust fiel damit weit höher aus als von Experten im Schnitt erwartet.

Morgan-Stanley-Filiale in New York: Herbe Verluste durch die Finanzkrise
AP

Morgan-Stanley-Filiale in New York: Herbe Verluste durch die Finanzkrise

Die Krise habe umfangreiche Abschreibungen erforderlich gemacht, gab die Bank bekannt. Zudem seien Einnahmen im Handelsgeschäft und bei Fusionsberatungen geschrumpft. Die Aktien von Morgan Stanley verloren vorbörslich rund acht Prozent.

Im Ende November abgeschlossenen gesamten Geschäftsjahr 2007/2008 brach der Überschuss um fast die Hälfte auf 1,7 Milliarden Dollar ein, wie Morgan Stanley am Mittwoch in New York mitteilte. In den ersten drei Quartalen hatte die Bank trotz steiler Ergebnisrückgänge noch stets schwarze Zahlen geschrieben.

Erst am Dienstag hatte der Konkurrent Goldman Sachs Chart zeigen den ersten Quartalsverlust seit dem Börsengang vor fast zehn Jahren bekanntgeben müssen. In den Monaten September bis November häufte die Bank unter dem Strich einen Verlust von 2,12 Milliarden Dollar an, teilte Goldman Sachs am Dienstag mit. Im Vorjahreszeitraum hatte Goldman Sachs noch einen Gewinn von 3,22 Milliarden Dollar oder 7,01 Dollar je Aktie erwirtschaftet.

Auch das Investmentbanking der französischen Großbank BNP Paribas Chart zeigen ist wegen der Finanzmarktkrise in die roten Zahlen gerutscht. Das Institut berichtete am Mittwoch einen Verlust von 710 Millionen Euro in dem Bereich in den ersten elf Monaten. Die Bank erwägt, 800 Stellen in der Sparte zu streichen, in der derzeit noch 16.000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die Aktie des Instituts brach zeitweise um 16 Prozent ein.

Die ersten Zahlen zum wohl schwächsten Vierteljahr für die Bankenbranche seit Jahrzehnten lassen auch für andere Institute nichts Gutes ahnen. So erwarten Analysten bei der Deutschen Bank Chart zeigen ebenfalls Milliardenabschreibungen, nachdem die Pleite von Lehman Brothers vor Monaten die Kurse an den Anleihe- und Aktienmärkten nochmals massiv gedrückt hat.

Morgan Stanley und Goldman Sachs hatten im September im Sog der Finanzkrise angekündigt, ihren Status als Investmentbanken aufzugeben und Geschäftsbanken zu werden. Damit können sie sich besseren Zugang zu Geldern der US-Notenbank sichern. Zudem erhalten sie mehr Freiheiten zur Übernahme von Banken mit starkem Privatkundengeschäft. Sie unterwerfen sich aber deutlich strengeren Auflagen.

Das Geschäftsmodell der US-Investmentbank, das die Wall Street rund 20 Jahre dominierte, wird damit quasi ausgelöscht. An der Börse waren Zweifel aufgekommen, ob reine Investmentbanken die Finanzkrise überstehen. Ihr Sonderstatus ermöglicht es ihnen unter anderem, höhere Risiken einzugehen. Vor Jahresfrist gab es noch fünf US-Investmentbanken. Lehman Brothers ist inzwischen pleite und Merrill Lynch sowie Bear Stearns wurden von Rivalen - teils zum Spottpreis - übernommen.

ssu/AP/dpa-AFX/Reuters



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