Quartalssensation: "Google ist nicht zu stoppen"

Nur selten lassen sich Analysten zu ungehemmten Begeisterungsausrufen hinreißen. Gestern Nacht war es wieder einmal soweit – als Google sein Ergebnis für das dritte Quartal präsentierte und die Erwartungen der Finanzmärkte zum fünften Mal in Folge übertroffen hatte.

San Francisco -Einige wenige Experten hatten im Vorfeld eine Einschätzung abgegeben, die allerdings allein auf den Beobachtungen des Marktumfeldes beruhten. Denn Google Chart zeigen hält außerhalb des Pflichtprogramms Informationen über den Geschäftsverlauf sorgfältig zurück.

Google Homepage: Schwäche scheint das Unternehmen nicht zu kennen
REUTERS

Google Homepage: Schwäche scheint das Unternehmen nicht zu kennen

Dennoch genügte der Vergleich zu dem Wenigen, was die Experten sich zusammengereimt hatten, für eine handfeste Überraschung. "Google ist nicht zu stoppen", jubelte Jason Schrotberger, Internet-Experte der Investmentfirma Turner & Partners in Pennsylvania. Die Performance des Unternehmens sei einfach unglaublich. "Da geht was Fundamentales innerhalb von Google vor, das immer mehr an Schwung gewinnt", sekundierte Safa Rashtchy von Piper Jaffray. "Die haben aus der Werbetechnologie wirklich eine Wissenschaft gemacht." Und Anthony Noto von Goldman Sachs gab schlicht die Empfehlung: "Kauft diese Aktie."

Schwäche scheint das Unternehmen nicht zu kennen. Ob das traditionelle Suchmaschinen-Geschäft, oder die neu hinzugekommenen Bereiche E-Mail und Instant Messaging - in praktisch allen Gebieten, in denen Google antritt, verzeichnete das Unternehmen rasantes Wachstum. Marktstudien haben gezeigt, dass der Suchmaschinenanbieter derzeit deutlich schneller wächst als direkte Rivalen wie Yahoo. Mit rund 400 Millionen Aufrufen pro Monat liefen nach einer Erhebung von Nielsen//NetRatings im September 45 Prozent aller Suchanfragen im Internet über Google - zwei Mal so viel wie bei Yahoo und vier so viel wie bei der Suchmaschine des Internetservices MSN von Microsoft.

Löwenanteil der Einnahmen kommt aus der Werbung

Und trotzdem ragt eine Disziplin noch einmal heraus: Die Werbung. Denn der Löwenteil der Erlöse stammt aus dem Anzeigengeschäft. So verdient Google sein Geld unter anderem damit, den Nutzern seiner Suchmaschine auch werbefinanzierte Ergebnisse zu präsentieren.

Sollte sich das Wachstum von Google und seiner Partnerunternehmen unverändert fortsetzen, dürften sie nach Berechnungen des Internet Advertising Bureau rund ein Drittel aller Online-Werbeumsätze dieses Jahres von insgesamt zwölf Milliarden Dollar für sich verbuchen. "Wie es aussieht, gewinnen wir Anteile in so gut wie allem Märkten", sagte der Vize-Präsident des Produktmanagements von Google, Jonathan Rosenberg.

Google Chef Eric Schmidt geht davon aus, dass vor allem große Konzerne ihre Ausgaben für Werbung bei den traditionellen Medien kürzen und dafür mehr in die Online-Werbung stecken werden. "Wir gewinnen gerade sehr viel mehr Geschäft bei Fortunes Top-500-Unternehmen hinzu", sagte Schmidt.

Google bezifferte den Nettogewinn im abgelaufenen Vierteljahr auf 381,2 Millionen Dollar. (Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 52 Millionen Dollar). Das entspricht einem Ergebnis pro Aktie inklusive aller Umtauschrechte von 1,32 Dollar.

Umsatzsteigerung um 96 Prozent

Ohne Einmaleffekte wie eine Wertberichtigung im Zusammenhang mit einer Übernahme gab Google ein Ergebnis von 1,51 Dollar je Aktie an. Analysten hatten im Schnitt mit 1,36 Dollar ohne Berücksichtigung von Sondereinflüssen gerechnet. Das Ergebnis im Vorjahreszeitraum war allerdings von einem nicht-liquiditätswirksamen Aufwand in Höhe von 201 Millionen Dollar für die Beilegung eines Patent-Streits mit dem Konkurrenten Yahoo belastet. Den Umsatz steigerten die Kalifornier um 96 Prozent auf 1,58 Milliarden Dollar. Branchenexperten hatten hier im Schnitt 1,46 Milliarden Dollar erwartet.

Die rasante Expansion des Unternehmens spiegelt sich auch in seiner Personalentwicklung wider. Ende September arbeiteten 4989 Menschen für den Konzern - ein Zuwachs von 19 Prozent gegenüber der Zahl von Ende Juni.

Die Google-Aktie reagierte auf die am späten Donnerstagabend vorgelegte Zwischenbilanz mit einem Kurssprung. Sie kletterte nachbörslich um elf Prozent auf ein neues Rekordhoch von 335,75 Dollar - ein Anstieg um gut 300 Prozent seit dem Börsengang vor 14 Monaten.

Vergessen sind damit vorerst auch die Negativschlagzeilen, mit denen Google zuletzt auf sich aufmerksam gemacht hatte. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der Verband der US-Verleger Google wegen dessen Projekts zur Digitalisierung ganzer Bibliotheken verklagt hat.

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