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Quartalszahlen: Commerzbank macht fast 750 Millionen Verlust

Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus kommt nicht aus den roten Zahlen: Die Commerzbank hat im zweiten Quartal nach Steuern einen Verlust von 746 Millionen Euro eingefahren. Für das restliche Jahr gibt sich das Institut dennoch zuversichtlich - und will milliardenschwere Staatsgarantien vorzeitig zurückgeben.

Frankfurt am Main - Erneute Verluste für die Commerzbank: Deutschlands zweitgrößtes Institut muss im zweiten Quartal nach eigenen Angaben ein operatives Minus von 201 Millionen Euro hinnehmen. Unter dem Strich machte die Bank wegen eines deutlich höheren Steueraufwands als im ersten Quartal einen Verlust von 746 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte die Bank wegen einer Steuergutschrift noch 200 Millionen Euro verdient.

Commerzbank-Logo: "Herausforderndes Jahr"
DPA

Commerzbank-Logo: "Herausforderndes Jahr"

Belastet wurde das Ergebnis der teilverstaatlichten Bank neben den Steueraufwendungen vor allem durch eine etwa doppelt so hohe Risikovorsorge für faule Kredite von 993 Millionen Euro.

Anders als viele andere Institute hat es die Commerzbank damit noch immer nicht aus den roten Zahlen geschafft. Analysten zeigen sich dennoch zufrieden mit dem Ergebnis - sie hatten mit operativen Verlusten zwischen 300 und 350 Millionen Euro gerechnet. Auch die Kernkapitalquote der Bank gilt noch als ausreichend. Sie lag Ende Juni bei 11,3 Prozent nach 10,2 Prozent zum Ende des ersten Quartals. Die Zahlen sollten der Aktie etwas helfen, sagte der Börsianer am Donnerstag. Allerdings sei das Aufwärtspotential für die Papiere bei sechs Euro eher begrenzt, schränkte der Experte ein.

Auch die Commerzbank selbst sieht sich bei der Eingliederung der übernommenen Dresdner Bank und dem damit verbundenen Umbau voll auf Kurs. "2009 bleibt ein herausforderndes Jahr, aber wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Bankchef Martin Blessing am Donnerstag in Frankfurt.

"Es ist uns in den vergangenen Monaten gelungen, Risiken und Bilanzsumme deutlich zu reduzieren." Weil die Refinanzierung für das komplette Jahr bereits steht und die Kundeneinlagen bei mehr als 200 Milliarden Euro liegen, würden nun Garantien des Bankenrettungsfonds Soffin über fünf Milliarden Euro vorzeitig nicht mehr benötigt.

Blessing warnte jedoch vor allzu großer Euphorie: "Wir gehen davon aus, dass die Kreditnachfrage im zweiten Halbjahr konjunkturell bedingt sinken wird." Finanzchef Eric Strutz ergänzte: "Für die zweite Jahreshälfte wird sich das durchschnittliche Rating der Kreditnehmer konjunkturell bedingt verschlechtern, die risikogewichteten Aktiva können dadurch tendenziell steigen." Eine Prognose für das Gesamtjahr gibt der Vorstand daher nicht.

Die Eingliederung der Dresdner Bank hat laut Strutz bereits zu einem deutlichen Arbeitsplatzabbau geführt. Bis dato seien gut 1800 Stellen gestrichen worden, sagte der Finanzvorstand. "Damit sind wir schneller als geplant vorangekommen." Insgesamt sollen 9000 Stellen wegfallen, 6500 davon in Deutschland. Ende Juni arbeiteten noch knapp 66.500 Menschen im Unternehmen, fast drei Viertel davon im Inland.

Die vom Staat mit 18,2 Milliarden Euro Kapital sowie Garantien gestützte Bank stößt nach der Übernahme der Dresdner Bank Anfang des Jahres auch zahlreiche Beteiligungen ab, um sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Zudem hat die EU der Bank wegen der erhaltenen Staatsgelder den Verkauf von zahlreichen Geschäftsfeldern - darunter den Immobilienfinanzierer Eurohypo - auferlegt.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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Forum - Was haben die Banken eigentlich aus der Krise gelernt?
insgesamt 717 Beiträge
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1.
Tall Sucker, 25.07.2009
Zitat von sysopViele Banken vermelden schon wieder hohe Gewinne und zahlen ihren Führungskräften reichliche Boni. Haben die Unternehmen aus der Krise gelernt?
Dass Finanzminister sie im Fall der Fälle herauspauken wird.
2.
Adran, 25.07.2009
"nach der Lehmanpleite wissen wir, dass man keine Bank pleite gehn lassen kann!" Angela Merkel mit anderen Worten, gehe noch höheres Risiko, mit noch mehr Gewinn, und daher noch größeren Boni ein, und wenn du scheiterst, dann kommt die Sichtbare Hand des Staates und hilft dir.. Lang lebe, Too big to fail..
3.
Pu239, 25.07.2009
Zitat von sysopViele Banken vermelden schon wieder hohe Gewinne und zahlen ihren Führungskräften reichliche Boni. Haben die Unternehmen aus der Krise gelernt?
Das man Verluste immer gut sozialisieren kann, weil man ja "systemisch" ist. Als Bank hat man deshalb Narrenfreiheit.
4.
Bernhard Fischer 25.07.2009
Zitat von sysopViele Banken vermelden schon wieder hohe Gewinne und zahlen ihren Führungskräften reichliche Boni. Haben die Unternehmen aus der Krise gelernt?
Warum sollten sie lernen? Wäre das nicht kontraproduktiv????
5. Bankenkrise
lemming51 25.07.2009
Sie werden es erst gelernt haben, wenn man ihnen, hoffentlich nicht erst nach dem nächsten SuperGAU,die Brocken nebst Boni um die Ohren haut, dass es nur noch so scheppert !!!!! Aber es steht zu befürchten, dass ihre Erfüllungsgehilfen in der Politik wiederum jeden Bereicherungsfeldzug mitmachen und das Casino mit Steuermilliarden finanzieren.
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