Quartalszahlen Deutsche Bank überrascht mit Milliardengewinn

Respektable Bilanz trotz Krise: Die Deutsche Bank schreibt im ersten Quartal einen Nettogewinn von knapp 1,2 Milliarden Euro. Institutschef Josef Ackermann sieht Anzeichen für eine Erholung auf den Märkten - und verlängert seinen Vertrag um drei Jahre. Die Aktie fällt trotzdem.


Frankfurt am Main - Es sind überraschend gute Zahlen, die die Deutsche Bank am Dienstagmorgen präsentiert: Den Nettogewinn bezifferte das Institut in ihrer Bilanz für das erste Quartal auf fast 1,2 Milliarden Euro, den Vorsteuergewinn auf mehr als 1,8 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalquote (Tier 1) bezifferte die Bank auf jetzt 10,2 Prozent. Händler sagten, die Zahlen lägen "über den Erwartungen".

Bankenchef Ackermann: Gewinn in der Krise
Getty Images

Bankenchef Ackermann: Gewinn in der Krise

Die Deutsche Bank ist damit im ersten Quartal 2009 wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt - nach einem Rekordverlust im vergangenen Jahr. 2008 verzeichnete sie den höchsten Verlust seit ihrer Neugründung 1957. Er belief sich auf 3,9 Milliarden Euro.

Experten bezweifeln allerdings, dass das gute Ergebnis im ersten Quartal eine Trendwende darstellt. Hauptgrund für das deutliche Plus war der Boom an den Anleihemärkten, der dem Institut Rekorderträge in die Kassen spülte. Marktbeobachter halten diesen für ein Strohfeuer. Für eine Trendwende im Bankensektor müssten sich die Märkte auch in anderen Bereichen deutlich entspannen.

Bankenchef Josef Ackermann zeigt in diesem Punkt Zuversicht: Er schrieb in einem Brief an die Aktionäre, er sei "fest überzeugt, gestärkt aus der Krise hervorzugehen". Es gebe "seit kurzem Anzeichen für eine Erholung auf den Finanzmärkten".

Eine Entwarnung gab der Institutschef aber nicht. Es müsse "weiter mit anhaltenden Schwierigkeiten gerechnet werden", sagte er. "Die kurzfristigen Perspektiven für die Weltwirtschaft sind aktuell sehr schlecht." Damit dürfte sich auch das Kreditumfeld nochmals verschlechtern. "Davon werden wahrscheinlich alle unsere Kunden betroffen sein."

Auch die Börse reagierte verhalten auf die unerwartet gute Bilanz: Kurz nach Handelsauftakt fiel die Deutsche-Bank-Aktie ans Dax-Ende und tendiert seitdem deutlich im Minus (siehe Grafik unten). Offenbar nutzen viele Händler das gute Ergebnis, um Kasse zu machen, nachdem der Kurs in den letzten Tagen deutlich gestiegen war.

Traumrendite rechnerisch erreicht

Die angepeilte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent erreichte das Institut - zumindest rechnerisch gemäß Zielgrößendefinition der Bank, bei der bestimmte signifikante Gewinne und Belastungen unberücksichtigt bleiben. Basierend auf dem durchschnittlichen Active Equity betrug sie vor Steuern 22 Prozent.

Bereits am Wochenende hatte das "Handelsblatt" berichtet, die Deutsche Bank habe ihr langfristiges Ziel einer Eigenkapitalrendite von rund 25 Prozent vor Steuern im ersten Quartal voraussichtlich wieder erreicht. Ackermann sagte dazu, bei ihm gebe es keine falsche Gemächlichkeit, "nur damit alle mitkommen". SPD und CDU beschwerten sich, der Banker habe "nichts aus der Krise gelernt".

Ackermann verlängert als Deutsche-Bank-Chef

Am Montagabend war überraschend bekannt geworden, dass Ackermann bis 2013 Chef der Deutschen Bank bleibt: Der Aufsichtsrat des Finanzkonzerns sagte, der Schweizer habe das Unternehmen "strategisch gut aufgestellt und erfolgreich durch die Krise geführt." Der Leistungsausweis für das erste Quartal 2009 sei ein eindrucksvoller Beleg dafür.

Auch Experten sagen, Ackermann habe gute Arbeit gemacht. "Josef Ackermann hat sein Haus im Griff. Er ist in der Finanzkrise erfolgreich, während andere Bankchefs untergegangen sind", sagte Hans-Peter Burghof, Bankenexperte an der Uni Hohenheim. Aus Sicht der Aktionäre sei die Verlängerung daher nur konsequent, daran ändere auch Ackermanns Bild in der Öffentlichkeit nichts.

Ackermann war in der Vergangenheit nicht nur wegen seiner Renditeambitionen kritisiert worden (siehe Fotostrecke oben). Vor allem sein Auftritt zu Beginn des ersten Mannesmann-Prozesses in Düsseldorf löste einen Sturm der Entrüstung aus. Das Foto, auf dem er zu Beginn des Verfahrens das Victory-Zeichen zeigte, wurde zum Inbegriff eines arroganten Managers. Anfang 2005 geriet der Chef des größten deutschen Geldhauses erneut ins Kreuzfeuer der Kritik, als die Deutsche Bank trotz Milliardengewinns einen Stellenabbau ankündigte.

Die Bundesregierung hatte den Finanzmanager im vergangenen Oktober angesichts seiner Haltung zum Bankenrettungsplan attackiert. Ackermann hatte in Bezug auf sein Institut zuvor erklärt: "Ich würde mich schämen, wenn wir Staatsgeld annehmen würden."

Weitere positive Bankenbilanzen erwartet

Ackermann dürfte nicht der einzige Bankenchef bleiben, der sich in den kommenden Tagen feiern wird. Auch von anderen deutschen Instituten werden für das erste Quartal gute Ergebnisse erwartet. "Ich gehe davon aus, dass wir bei allen Instituten durch die Bank bessere Zahlen sehen werden als im Schlussquartal 2008", sagte zum Beispiel Bankenexperte Konrad Becker von MerckFinck.

Experten warnen allerdings vor vorschnellen Hoffnungen, dass die Bankenkrise bald vorbei ist. Laut Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler hat allem der Anleiheboom die Bilanzen geschönt. Gut 45 Prozent des jährlich üblichen Umschuldungsvolumens seien allein im ersten Quartal angefallen, sagte er SPIEGEL ONLINE. Dieser Boom werde nicht anhalten.

Gleichzeitig drohen den Banken durch die schlechte Konjunkturentwicklung neue Belastungen. Zieht die Konjunktur zu schwach an, geraten Unternehmen weiter unter Druck, Hunderttausende Kurzarbeiter könnten in der Folge im Herbst zu Arbeitslosen werden. Viele Institute rechnen in der Folge mit einer Explosion der Kreditausfälle im Privat- und Geschäftskundensektor.

Hinzu kommt, dass in den Bilanzen noch immer toxische Papiere ungeahnten Ausmaßes lagern. Erst am Freitag war durch Recherchen des SPIEGEL und der "Süddeutschen Zeitung" ein geheimes Papier der BaFin öffentlich geworden, das die Risikoposten von 17 Banken detailliert aufschlüsselt. Die Deutsche Bank steht dem Papier gut da: Sie hat ihre Risikoposten offenbar weitgehend abgebaut.

Um die Banken von ihren Risiken zu entlasten und die Vertrauenskrise im Interbankenmarkt zu überwinden, plant die Regierung die Einrichtung mehrerer Bad Banks. Bis Mai soll das Konzept stehen.

ssu/AP/dpa-AFX/ddp/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.