Quartalszahlen: Goldman Sachs verbucht Milliardengewinn
Paukenschlag an der Wall Street: Die US-Bank Goldman Sachs hat die Erwartungen übertroffen und einen Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar erzielt - trotz der weltweiten Wirtschaftskrise. Konzernchef Blankfein warnte dennoch: Die Märkte seien weiter anfällig.
New York - Von Krise keine Spur mehr: Die Bank Goldman Sachs
hat verblüffend gute Quartalszahlen präsentiert - und die ohnehin hohen Erwartungen noch übertroffen. Trotz Wirtschaftskrise verdiente das US-Finanzhaus im zweiten Quartal unterm Strich 2,7 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro). Vor Ausschüttung der Vorzugsdividenden waren es sogar 3,4 Milliarden Dollar, wie Goldman Sachs am Dienstag in New York mitteilte.
Der Gewinn ist der höchste seit den Spitzenwerten der Bank im Rekordjahr 2007. Goldman Sachs hatte sich in der Krise schon bisher weit besser als der große Rest der Branche geschlagen. Die Bank schrieb lediglich in einem Quartal rote Zahlen. Vor einem Jahr lag der Quartalsgewinn bei 2,0 Milliarden Dollar.
Der Gewinn pro Aktie lag bei 4,93 Dollar, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Gewinn von 3,48 Dollar je Anteilsschein gerechnet. Die Bedingungen an den Finanzmärkten hätten sich verbessert, sagte Goldman-Chef Lloyd Blankfein laut der Mitteilung. Zugleich warnte er, die Märkte seien weiter anfällig.
Auch für viele andere US-Häuser werden in den nächsten Tagen wieder bessere Ergebnisse erwartet. Der Goldman-Erfolg gilt aber als unerreichbar. Die Bank übertraf die Schätzungen der Analysten bei weitem.
Der hohe Gewinn heizt die Diskussion an, ob die Wall Street aus den Fehlern der vor rund zwei Jahren ausgebrochenen Finanzkrise gelernt hat. Kritiker warnen vor erneut überzogenem Gewinnstreben als einem der Gründe für spekulative Blasen und dadurch drohende Wirtschaftskrisen.
Weltweit waren die Goldman-Zahlen mit Spannung erwartet worden. Nach der Bekanntgabe kamen US-Staatsanleihen unter Druck, die Kurse gaben deutlich nach. Deutsche Finanzaktien wie die der Deutschen Bank
und der Commerzbank
haben einen Teil ihrer Gewinne wieder abgegeben. Die Papiere der Deutschen Bank notierten dennoch zeitweise bei 46,85 Euro um 2,93 Prozent fester und bei den Papieren der Commerzbank lag das Kursplus bei 1,95 Prozent auf 4,975 Euro. Die Zahlen von Goldman sähen "fast zu gut aus, um wahr zu sein", kommentierte ein Börsianer die Kursentwicklung.
Zuvor war bekanntgeworden, dass Goldman-Manager nach Auszahlung der Hilfsmilliarden für die US-Finanzindustrie massiv eigene Aktien auf den Markt geworfen hatten. Der Gesamterlös beläuft sich nach Informationen der "Financial Times" (FT) auf rund 700 Millionen Dollar. Die Verkäufe seien überwiegend in dem Zeitraum getätigt worden, in dem das Institut mit zehn Milliarden Dollar an staatlichen Hilfsgeldern gestützt worden sei, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf Mitteilungen an die US-Börsenaufsicht SEC am Dienstag.
Eine Goldman-Sprecherin wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Zwischen September 2008 und April 2009 veräußerten die Goldman-Manager demnach Aktien im Wert von 691 Millionen Dollar und damit deutlich mehr als vor Jahresfrist: Zwischen September 2007 und April 2008 seien lediglich Anteilsscheine im Umfang von 438 Millionen Dollar verkauft worden, obwohl der Aktienkurs damals deutlich höher gewesen sei, berichtete die Zeitung.
Besonders viele Aktien seien zwischen Dezember und Februar verkauft worden. Goldman-Titel notierten in diesem Zeitraum nahe einem Rekordtief, nachdem die Bank im Schlussquartal erstmals seit ihrem Börsengang 1999 in die roten Zahlen gerutscht war.
Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers hatte sich Goldman wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten von einer reinen Investmentbank in eine Geschäftsbank umwandeln müssen, um besseren Zugang zu staatlichen Hilfen zu erhalten. Dennoch ist Goldman insgesamt deutlich besser durch die Finanzkrise gekommen als die meisten Konkurrenten. Im vergangenen Monat zahlte die Bank ebenso wie andere große Institute die staatlichen Hilfen an die Regierung zurück.
beb/Reuters
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