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Ranking der Härtesten: Wer viel feuert, verdient mehr

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Reich wird, wer hart ist. Amerikanische Spitzenmanager, die Massenentlassungen ankündigten, verdienen laut einer Studie 80 Prozent mehr als ihre humaneren Kollegen.

New York - Die Chefs von 52 US-Firmen, die zwischen Januar und August mehr als 1000 Mitarbeiter entlassen haben, können sich zufrieden zurücklehnen: Ihr Gehalt inklusive Bonus stieg im vergangenen Jahr um 20 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die diesjährige Untersuchung des Washingtoner "Institute for Policy Studies" (IPS) und der Lobby-Organisation "United for a Fair Economy".

Der Härteste von allen: Disney-Chef Michael Eisner
DPA

Der Härteste von allen: Disney-Chef Michael Eisner

Die 52 "Kündigungs-Spitzenreiter", darunter Disneys Michael Eisner und Hewlett-Packards Carly Fiorina, verdienten im vergangenen Jahr durchschnittlich 23,4 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Die Chefs (CEOs) der 365 größten US-Unternehmen erhielten laut "BusinessWeek" durchschnittlich "nur" 13,1 Millionen Dollar.

"Noch nie war es so klar wie dieses Jahr, dass die Chefs sich auf Kosten ihrer Angestellten bereichern", schreiben die Forscher unter dem eindeutigen Titel "Executive Excess 2001". Seit acht Jahren untersucht das Institut die sich öffnende Gehaltsschere zwischen Bossen und Angestellten.

Manager noch höher bewertet als Aktien

Zwischen 1990 und 2000, dem "Jahrzehnt der Gier" (IPS), sind die Gehälter der Bosse um 571 Prozent gestiegen. Damit sind die Manager noch irrationaler bewertet als ihre Aktien: Der S & P-500-Index stieg "nur" um 300 Prozent. Die Angestelltenlöhne sind im gleichen Zeitraum um magere 37 Prozent gestiegen - kaum mehr als die Inflationsrate (32 Prozent).

Im Jahr der Massenentlassungen erscheinen diese Zahlen besonders ungerecht. Knapp 800.000 Menschen haben im ersten Halbjahr 2001 in den USA ihren Job verloren. Die Entlassungen kommen in einer Zeit, in der die Umsätze und Profite vieler Unternehmen eingebrochen sind. 21 der 52 untersuchten Unternehmen sind in der besonders hart getroffenen Technologiebranche tätig.

Extra-Bonus aus Steuergeldern?

Die Forscher verglichen ihre Ergebnisse über die CEO-Gehälter auch mit einer Studie aus dem Jahr 2000. Derzufolge haben insgesamt 41 Großunternehmen zwischen 1996 und 1998 einen Steuererlass von der Regierung erhalten.

Beim Vergleich der Zahlen fanden die IPS-Forscher einen bemerkenswerten Zusammenhang: In dem Jahr, in dem eine Firma keine Steuern zahlen musste, ist das Gehalt des Chefs um 69 Prozent gestiegen - weit höher als der durchschnittliche Anstieg von 39 Prozent. In einigen Fällen wanderte das Geschenk der Regierung vollständig in die Taschen des CEOs. Zu den Profiteuren zählen die Chefs von Coca-Cola, Colgate-Palmolive, Texaco und General Motors.

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