Ranking Russische Milliardäre stürmen die Top Ten der Superreichen

Sie haben beste Kontakte zum Kreml, sie reißen sich ganze Konzerne unter den Nagel - und sie sind unvorstellbar reich: Russische Oligarchen haben mehr Geld auf dem Konto, als manche Staaten erwirtschaften. Angeführt wird die Liste der Supermilliardäre von einem engen Putin-Freund.


Moskau - Die alte Weisheit hat sich mal wieder bewährt: Wer reich ist, wird fast von alleine immer reicher. Das Vermögen des russischen Oligarchen Oleg Deripaska ist im Laufe des vergangenen Jahres laut Wirtschaftsmagazin "Finans" auf 40 Milliarden Dollar gestiegen. Damit steht Deripaska an der Spitze der 500 reichsten Russen - er besitzt fast so viel wie Bill Gates.

"Die Zahl der Dollar-Milliardäre ist in Russland im vergangenen Jahr auf das Vierfache gewachsen", stellt "Finans" fest. Neben Kursgewinnen bescherten diverse Börsengänge dem Land insgesamt 40 neue Milliardäre. Auch der Rohstoffboom füllte den Superreichen die Taschen.

Trotz der Neuzugänge blieb Oleg Deripaska im vergangenen Jahr einer der aktivsten russischen Geschäftsleute. Der Besitzer der Industriegruppe "Basowy Element" hält seit vergangenem Jahr Anteile am deutschen Baukonzern Hochtief Chart zeigen und an dessen österreichischem Konkurrenten Strabag Chart zeigen. Zudem kaufte sich Deripaska beim kanadischen Autozulieferer Magna Chart zeigen und dem russischen Ölkonzern Russneft ein.

Die Übernahme von Russneft im Sommer 2007 war allerdings umstritten. Der damalige Besitzer Michail Guzerijew war wegen enormer Steuerrückforderungen des Kremls unter Druck. Eingedenk des Schicksals von Ex-Oligarch Michail Chodorkowski verkaufte Guzerijew seine Russneft-Anteile weit unter Wert für drei Milliarden Dollar.

Anschließend klagte Guzerijew gegen Deripaska, weil er meinte, dieser habe ihn betrogen. Der genaue Marktwert von Russneft wurde bisher nicht ermittelt. Sollte der Ölkonzern mehr wert sein als bisher angenommen, ist es möglich, dass auch die Schätzung von Deripaskas Vermögen angehoben werde – auf 50 Milliarden Dollar, schreibt "Finans". Zum Vergleich: So viel Geld erwirtschaftet ein ganzes Land wie die Slowakei pro Jahr.

Rohstoffe machen reich

Mit seinem Vermögen ist Deripaska nicht nur der reichste Mann Russlands, sondern gleichzeitig einer der reichsten Männer der Welt. Er ist fast auf dem Vermögensniveau von Bill Gates, Carlos Slim oder Warren Buffett angekommen. Auf der letzten "Forbes"-Liste würde Deripaska Ikea-Gründer Ingvar Kamprad von Platz vier verdrängen. Sollte sein Vermögen tatsächlich auf 50 Milliarden Dollar steigen, könnte er Buffett oder Slim sogar die Plätze streitig machen.

Aber auch der Zweitplatzierte im "Finans"-Ranking hätte noch beste Chancen, unter den Top Ten der Reichsten der Welt zu landen. Roman Abramowitsch rangiert mit einem Vermögen von 23 Milliarden Dollar auf Rang zwei, in der "Forbes"-Liste würde er David Thomsohn, den Besitzer der Thomson-Group Chart zeigen, von Platz zehn verdrängen.

Wegen des Preisanstiegs bei Metallen haben sich auch Wladimir Lissin vom Hüttenkombinat Nowolipezk und Severstal-Mogul Alexej Mordaschow mit jeweils 22,2 und 22,1 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahr um einige Positionen verbessert und liegen nun auf den Plätzen drei beziehungsweise fünf.

Der einzige Top-Ten-Newcomer im "Finans"-Ranking ist German Chan, Mitbesitzer der Alfa-Gruppe, der sich mit einem Vermögen von 15 Milliarden Dollar um zwei Plätze verbesserte und nun auf Rang zehn liegt. Die Alfa-Gruppe, die Holding von Michail Fridman, der mit 22,2 Milliarden Dollar knapp hinter der Spitzen-Troika geblieben ist, bleibt damit der teuerste "Oligarchen-Fonds".

Auch Gattin sein, lohnt sich

Jelena Baturina, Gattin des Moskauer Oberbürgermeisters Juri Luschkow, ist nach wie vor die einzige Frau in der Top-500-Liste. Sie rutschte allerdings mit ihren sieben Milliarden Dollar von Platz 17 auf Platz 27 ab. Baturina ist im Baugeschäft aktiv - und profitiert insbesondere vom Bauboom Moskaus.

Deutlich abgeschlagen ist Tatjana Kusnetsowa, die am Gasproduzenten Novatek beteiligt ist. Mit ihren fast bescheiden anmutenden 490 Millionen Dollar ist sie gar nicht auf der Liste vertreten.

Weit unten auf der "Finans"-Liste findet sich der im britischen Exil lebende Ex-Oligarch Boris Beresowski. Er kommt mit 1,3 Milliarden Dollar auf Platz 80.

mm.de



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