Rasante Nachfrage Wilde Spekulation treibt VW-Aktie auf Rekordhoch

Der Kurs schießt zwischenzeitlich fast um 50 Prozent nach oben - und selbst Insider wissen nicht, warum: Mysteriöse Zukäufe in großem Stil haben die Aktie von Volkswagen auf ein Rekordhoch katapultiert. Die Gewinne schoben sogar den Dax für einige Stunden ins Plus - trotz der breiten Verluste bei den Finanzwerten.


Frankfurt am Main - Mit 448,17 Euro markierte die VW-Aktie am Dienstag zeitweise ein neues Allzeithoch. Ein Grund war zunächst nicht erkennbar. Frank Schwope, Analyst bei der NORD/LB vermutet hinter dem Kurssprung Käufe zur Deckung von Optionen, die Porsche eine Lieferung zusichern. "Ich glaube nicht, dass Porsche selbst hinter den Käufen steckt", sagte er.

VW-Stammwerk in Wolfsburg: Händler vermuten Deckungskäufe
REUTERS

VW-Stammwerk in Wolfsburg: Händler vermuten Deckungskäufe

"Vorstellbar ist, dass Banken oder Hedge-Fonds eine größere Anzahl von Kaufoptionen begeben haben, ohne diese über entsprechende Aktienbestände abzusichern", ergänzte ein anderer Händler. Werden diese Optionen ausgeübt, habe dies zwangsläufig entsprechende Deckungskäufe zur Folge. Auffällig sei zudem die zunehmende Ausweitung des Kursabstands zwischen den im Dax notierten Stammaktien und den Vorzügen. Ein weiterer Börsianer verwies zudem darauf, dass sich Anleger derzeit mit VW-Aktien gegen den schwachen Markt absicherten.

"Viele Stücke sind sicherlich nicht mehr im Markt, Porsche hält Stücke und das Land Niedersachsen auch. Aber irgendjemand muss unglaublichen Bedarf haben und sich blind eindecken", mutmaßte ein Händler." Ein anderer Händler zeigte sich völlig ratlos: "Das versteht man nicht mehr."

Im Tagesverlauf gab die Aktie dann wieder nach und lag am frühen Nachmittag mit fast 18 Prozent im Plus bei rund 346 Euro.

Die Kursverluste bei den Finanztiteln wurden von Meldungen ausgelöst, wonach britische Banken mit der Regierung in London über staatliche Finanzhilfen für die Institute des Landes gesprochen haben. "Die großen Banken und der Schatzkanzler haben sich gestern Nacht getroffen. Dabei wurde als eine Option auch eine Rekapitalisierung in Betracht gezogen", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person am Dienstag. Während Barclays erklärte, die Regierung nicht um Finanzhilfen gebeten zu haben, wollte der Konkurrent Royal Bank of Scotland (RBS) sich nicht äußern. "Diese Meldungen schüren auf dem ganzen Kontinent Angst", kommentierte ein Börsianer. RBS-Aktien stürzten mehr als 20 Prozent ab, Barclays verloren fünf Prozent.

Auf dem Markt lasteten Börsianern zufolge zudem Gerüchte um eine Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank, deren Aktien um acht Prozent absackten. Das Institut erklärte allerdings, dass keine Kapitalerhöhung geplant sei. Die Papiere des Konkurrenten Commerzbank gaben 11,5 Prozent nach. Die Aktien der Hypo Real Estate, die noch mit einem Plus von gut 20 Prozent in den Handel gegangen waren, verloren 7,5 Prozent und die Papiere des Versicherers Allianz gaben 8,5 Prozent nach. "Man konnte kaum denken, dass alles vorbei ist. Nichts ist gelöst", klagte ein Börsianer.

Ihre Talfahrt setzten die Aktien des größten europäischen Softwarekonzerns SAP fort, die weitere zehn Prozent nachgaben. Bereits am Vortag waren SAP gut 16 Prozent abgerutscht, nachdem das Unternehmen erklärt hatte, dass sich wegen der weltweiten Finanzkrise ein deutlicher Nachfragerückgang abzeichnet. Zahlreiche Analysten äußerten sich daraufhin skeptisch. Nach Einschätzung von LBBW-Analyst Thomas Hofmann dürfte sich die Schwäche im für das Unternehmen wichtigen vierten Quartal fortsetzen. "Die enttäuschenden Software-Umsätze sollten mit einer Zeitverzögerung auch schwächere Wartungs- und Serviceerlöse nach sich ziehen", erklärte Hofmann.

mik/Reuters/dpa/dpa-AFX



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