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Rating-Agenturen: Die heimlichen Herrscher der Wall Street

Von , New York

Rating-Agenturen haben die windigen Geschäfte der Banken mit ihrem Gütesiegel versehen und so den Kollaps des Systems vorangetrieben. Trotzdem lässt Obamas Finanzreform ihre Macht weitgehend unangetastet - dank der hochklassigen Lobbyarbeit des exklusiven Clubs?

Joynt, McDaniel und Sharma (von links) bei der Anhörung im Kongress: Rating-Agenturen adelten Schrottpapiere Zur Großansicht
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Joynt, McDaniel und Sharma (von links) bei der Anhörung im Kongress: Rating-Agenturen adelten Schrottpapiere

New York - Wer sind Raymond McDaniel, Deven Sharma und Stephen Joynt? Außerhalb der Finanzwelt dürfte wohl kaum einer diese Namen kennen. Dabei gehören die drei Herren zu den einflussreichsten Strippenziehern hinter den Kulissen der Wall Street.

Sie sind Rivalen und haben doch ein und dasselbe Ziel. Selten sieht man sie zusammen, zum letzten Mal traten sie im Oktober vergangenen Jahres gemeinsam in der Öffentlichkeit auf - als sie nebeneinander im Zeugenstand des US-Kongresses die Hände zum Schwur hoben.

McDaniel, Sharma und Joynt sind die Chefs der drei großen US- Kredit-Rating-Agenturen Moody's, Standard & Poor's (S&P) und Fitch. Sie entscheiden über die Bonität von Firmen sowie über das Risiko ihrer Investmentprodukte, von ganz normalen Anleihen bis hin zu komplizierten Finanzkonstrukten wie Derivaten oder hypothekengestützten Papieren. Geben die Kreditprüfer ihr Gütesiegel, im besten Fall als AAA-Rating, heißt das, dass sich der Anleger getrost darauf verlassen kann.

"Geschichte des kolossalen Versagens"

Zumindest sollte es das heißen. Doch die US-Kreditkrise hat gezeigt, dass die Rating-Agenturen oft daneben liegen - und das nicht selten wissentlich. Sie adelten ausgerechnet jene Subprime-Hypotheken, die zum Auslöser der globalen Finanzklemme wurden, viel zu lange mit besagten AAA-Ratings - selbst, als deren Risiken längst bekannt waren. Damit waren sie mitverantwortlich dafür, dass das ganze Kartenhaus schließlich in sich zusammenbrach.

Wer wissen will, wie es zu der Katastrophe kam, der kommt an Moody's, S&P und Fitch nicht vorbei. Sie waren - und sind - die grauen Herren hinter den Händlern, die Institutionen wie die Investmentbank Lehman Brothers ins Verderben lockten, den weltgrößten Versicherer AIG zerstörten, Millionen Anleger um ihre Ersparnisse brachten und ein Billionen-Dollar-Loch in die US-Staatskasse rissen.

"Die Geschichte der Kredit-Rating-Agenturen ist eine Geschichte des kolossalen Versagens", sagt der demokratische Kongressabgeordnete Henry Waxman sogar, der als Vorsitzender des Kontrollausschusses im Repräsentantenhaus diese Zusammenhänge seit längerem anprangert. Die Firmen hätten das "Band des Vertrauens" gebrochen, das sie seit 100 Jahren als Schiedsrichter der Wall Street verpflichte.

Deshalb erstaunt es, dass die umfassende Finanzmarktreform, die US- Präsident Barack Obama Mitte Juni in die Wege leitete und die seither den Kongress beschäftigt, das Kredit-Rating-Problem kaum thematisiert: Die Firmen kommen nur am Rande vor, die Schuld für die Rating-Patzer wird auf allzu "leichtgläubige" Investoren geschoben und Verbesserungen werden nicht gefordert, sondern allenfalls höflich angeregt.

"Weltklasse-Lobbyarbeit"

"Der Plan sagt sehr wenig Substantielles über eine Reform der Rating-Agenturen", mokiert sich Paul Krugman, Nobelpreisträger und Wirtschaftskolumnist für die "New York Times". Dabei fänden sich "die Fingerabdrücke" dieser Firmen "überall auf der Kreditschmelze", sekundiert das "Wall Street Journal" und führt die Verschonung der Mittäter auf deren Einfluss in der US-Hauptstadt Washington zurück: "Wenn Weltklasse-Lobbyarbeit einen Stanley Cup gewinnen könnte, würde die Kredit-Rating-Gemeinschaft jetzt eine Ehrenrunde laufen."

Dabei ist es fast schon ironisch, dass die Rating-Branche ausgerechnet zu ihrem 100- jährigen Bestehen in diese Vertrauenskrise schlittert. 1909 gab der Finanzanalyst und Investor John Moody ein Buch namens Moody's Analyses of Railroad Investments heraus, in dem er Informationen über Eisenbahnunternehmen, ihre Aktien und ihr Management kategorisierte und nach einem Buchstabensystem bewertete. 1913 erweiterte er es um Industriefirmen, andere folgten später.

Heute analysiert Moody's - das wie die beiden anderen Agenturen inzwischen auch noch viele andere Finanzdienstleistungen anbietet - mehr als 12.000 Unternehmen in 100 Ländern. S&P vergibt Ratings seit 1916, gehört seit 1966 dem Finanz- und Medienkonglomerat McGraw-Hill und erstellt auch die S&P-Börsenindizes. Fitch, 1916 gegründet, ist das kleinste Mitglied dieses exklusiven Clubs und eine Tochter der französischen Finanzholding Fimalac.

Regierung und Börsenaufsicht gaben ihren Segen

Ratings reichen von AAA (die beste Bewertung) bis hinunter zu C oder, je nach Agentur, D. "Ratings sind nur unsere Sicht der Wahrscheinlichkeit, dass eine Schuld rechtzeitig und in voller Höhe zurückgezahlt wird", schrieb Moody's-Chef Sharma kürzlich in einem Leserbrief ans "Wall Street Journal" in künstlicher Bescheidenheit. Das sei lediglich ein Aspekt: Die Investoren sollten auch andere Faktoren beachten - die Zusammensetzung ihres Portfolios, ihre übergreifende Investment-Strategie, ihre "Risikotoleranz".

Diese Risikotoleranz wurde im Vorlauf der Kreditkrise freilich so weit gedehnt, bis sie schließlich riss. Erstens ließen sich die dubiosen Investmentprodukte im Auge des Sturms nicht seriös einschätzen. Zweitens ist im Nachhinein klar, dass die Agenturen sie völlig überbewerteten - oft auf Wunsch der ausgebenden Firmen, die die Agenturen wiederum dafür bezahlten.

Obamas "White Paper"
Die Fed als Supercop
Die US-Notenbank Fed wird zur obersten "Finanzpolizei". Sie soll alle "großen, miteinander vernetzten" Finanzinstitutionen, die eine Bank besitzen und deren Kollaps systemerschütternd wäre, zentral beaufsichtigen.

Das betrifft also zum Teil auch Versicherungen - sofern sie im Bankgeschäft tätig sind - und Wall-Street-Investmentfirmen, die bisher der Börsenaufsicht SEC unterstanden.

Die Kapital- und Liquiditätsvorgaben für all diese Institute werden "strenger und konservativer". Die Fed wird bis Oktober Vorschläge einreichen, wie sie ihre Struktur den neuen Aufgaben anpassen kann.

Zudem wird ein beim Finanzministerium angesiedelter "Financial Services Oversight Council" breitere Fragen der "Verantwortung im Finanzsystem" regeln - eine Art Ethikrat für die Wall Street. Mitglieder dieses Rates sind der Finanzminister (als Vorsitzender), der Fed-Chef sowie die Vorsitzenden der Bankenaufsicht, der neuen Verbraucherschutzaufsicht, der Börsenaufsicht SEC, der Einlagenversicherung FDIC und der Immobilienfinanzaufsicht FHFA.

Das 150 Jahre alte Gerüst aus überlappenden US-Finanzbehörden wird unter der Fed weiterbestehen - nur konsolidiert. Allein das Office of Thrift Supervision (OTS) - die US-Sparkassenaufsicht - wird als "schwächstes Glied" der Kette aufgelöst.
Schärfere Kontrollen für Fonds und Investitionsprodukte
Exotische Investitionsvehikel wie Credit-Default Swaps (CDS) oder Over-the-Counter-Derivate (OTC) werden stärker an die Kandare gelegt und einem "einheitlichen und koordinierten Regulationsgerüst" unterstellt.

Wer diese Produkte vertreibt, muss künftig der Börsenaufsicht SEC die Bücher öffnen und sich Geschäfte "zentral" genehmigen lassen. Hedgefonds und andere private Fondsmanager - inklusive Private-Equity- und Risikokapital-Fonds - müssen sich ebenfalls bei der SEC registrieren. Sie müssen alle Informationen offenlegen, die nötig sind, "um festzustellen, ob ein Fonds ein Risiko für die finanzielle Stabilität darstellt".

Rating-Agenturen werden ebenfalls stärker als bisher an die SEC gebunden. Sie müssen ihre Kriterien und Methoden offenlegen. Um Versicherungen stärker und zentral zu überwachen, wird im Finanzministerium ein Office of National Insurance eingerichtet.
Verbraucherschutz
Eine völlig neue Behörde wird eingerichtet: die Consumer Financial Protection Agency (CFPA). Sie wird für alle "Kredit-, Spar- und Zahlungsprodukte" zuständig sein, darunter auch Kreditkarten und Immobilienhypotheken.

Die CFPA soll dabei sicherstellen, "dass die Verbraucherschutzregeln fair verfasst sind und energisch durchgesetzt werden". Sie soll die Landesagenturen koordinieren.

Parallel bekommen die US-Handelskommission FTC und die Börsenaufsicht SEC neue Befugnisse, um ebenfalls in Verbraucherfragen aktiv werden zu können.
Staatliche Eingriffe
Die staatliche Übernahme bedrohter Banken und Institutionen wird vereinfacht. Bisher ist die US-Einlagenversicherungsbehörde FDIC dafür verantwortlich. Das derzeitige System sieht für den drohenden Kollaps einer Finanzfirma nur zwei Alternativen vor: Pleite oder staatliche Kapitalspritzen. "Keine dieser Optionen ist akzeptabel, um die Auflösung einer Firma effizient zu handhaben", heißt es im "White Paper".

In Zukunft wird das Finanzministerium unter anderem auch als Zwangsverwalter betroffener Firmen auftreten, Kredite gewähren, Vermögenswerte oder Anteile kaufen und Schulden garantieren können. In dieser Rolle habe es "breite Macht, hinsichtlich der Finanzfirma aktiv zu werden".

Unter diesen Punkt fällt auch die bisher selbständige Kreditautorität der Fed, die im Federal Reserve Act verankert ist, dem Notenbankgesetz von 1913, mit dem die Fed einst gegründet wurde. Künftig muss sich die Fed, wenn sie große Summen in die Wirtschaft pumpen will, beim Finanzministerium eine schriftliche Genehmigung dafür holen.
Internationale Kooperation
Die US-Regierung dringt darauf, dass ähnliche Maßnahmen auch international eingeführt und koordiniert werden. Regulierungen bestünden bisher weitgehend nur in nationalem Rahmen.

Die USA wollen deshalb in dieser Frage "eine starke Führungsrolle" in internationalen Gremien übernehmen, etwa innerhalb der G20, des Financial Stability Boards (FSB) und des Basler Komitees für Bankenaufsicht. Ziel: "vergleichbare Initiativen" (Kapitalvorgaben, Aufsicht globaler Finanzmärkte, Krisenverhütung und -management) auch weltweit "voranzutreiben". So "empfiehlt" das Weiße Haus die globale "Ausweitung" der Hedgefonds-Kontrolle und die Umsetzung der G-20-Verpflichtungen zur "internationalen Kooperation bei der Überwachung globaler Finanzfirmen".

Außerdem gaben die Regierung und die US-Börsenaufsicht SEC ihren Segen: Sie verordneten der Branche das Rating-Gütesiegel, setzten die fiktiven Investment-Vehikel damit hartem Bargeld gleich - und machten den Teufelskreis damit erst möglich. So bezeichnete Angelo Mozilo, seinerzeit Chef der damals größten US-Hypothekenbank Countrywide, deren Ramschhypotheken schon 2006 in internen E-Mails als "giftig". Doch Moody's sah sich erst im Sommer 2007 genötigt, sie abzuwerten. Die SEC hat Mozilo jetzt des Betrugs angeklagt.

"Profite bestimmten das Geschäft"

Ein Moody's-Direktor beklagte diese Zustände bereits im September 2007 - allerdings anonym und intern: So was lasse die Agentur aussehen, "als hätten wir unsere Seele für Umsatz dem Teufel verkauft". Ein S&P-Mitarbeiter machte sich derweil in einem Instant-Message-Dialog, der später an die Öffentlichkeit kam, darüber lustig, dass er Investments sogar für gut befinden würde, wenn sie "von Kühen strukturiert" seien.

Im Oktober 2008 zitierte der Kongress die Agenturchefs vor den Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses. Dort mussten sie sich "enormer Inkompetenz" beschuldigen lassen, wie es etwa der Republikaner Mark Souder ausdrückte. "Profite bestimmten das Geschäft", sagte Frank Raiter, bei S&P jahrelang für Hypotheken- Ratings zuständig, als Zeuge aus.

Die Agenturchefs verteidigten sich und verwiesen auf bereits erfolgte Verbesserungen des Rating-Verfahrens. Was an der Crux nichts ändert: Die Rating-Firmen werden schließlich von denjenigen bezahlt, deren Produkte sie bewerten sollen - Banken, Versicherungen, Investoren. "Das ist", befand die "New York Times", "als ob Hollywood-Studios Filmkritiker für Kritiken ihrer Blockbuster bezahlten."

Trotzdem verzichtet Obamas Reformpaket darauf, Moody's, S&P und Fitch in die Pflicht zu nehmen oder gar das System zu ändern. "Die Agenturen dürfen keine Ratings vergeben, die ohne Bedeutung sind", sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter zwar bei der Präsentation der Obama-Vorschläge. Das "White Paper" des US-Finanzministeriums enthält dazu jedoch kaum Konkretes - ein paar bescheidene Verbesserungsvorschläge, ein Appell an die SEC, "ihre Bemühungen fortzusetzen, die Regulierung der Agenturen zu stärken".

Das, sagte der Ökonomieprofessor Lawrence White von der New York University der "New York Times" enttäuscht, sei nicht mehr, als die Agenturen "am Kragen zu fassen, sie zu schütteln und zu sagen, macht's bitte besser."

Obamas Strategen haben offenbar erkannt, dass ihnen keine Wahl bleibt: Das jetzige Rating-System ist so eng mit dem gesamten Finanzwesen verwoben, dass es sich kaum ohne dramatische Konsequenzen ändern ließe. AAA-Ratings sind Grundlage für Transaktionen, Deals, Kreditwürdigkeit. "Ein Vorgehen gegen die Rating-Agenturen", schreibt der Wirtschafts-Blogger Joe Weisenthal ("Business Insider"), "würde aussehen wie ein Krieg der Regierung gegen Microsoft Windows." Es sei einfacher, das Monopol zu lassen, wie es ist.

Und so dürften die Herren Sharma, McDaniel und Joynt und ihre Nachfolger wohl weiterhin zu den Herrschern der Wall Street gehören - wenn nun auch gar nicht mehr so heimlich.

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Forum - Rating-Agenturen - die Schuldigen an der Krise?
insgesamt 235 Beiträge
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1.
Frank Wagner, 07.05.2009
Auf DIESE Frage habe ich schon lange gewartet ! Es ist doch komisch, das die Wirtschaft sich IMMER noch nach diese Ratings richtet, obwohl sie in der Vergangenheit offenkundig falsch waren und mit zu der Finanzkrise geführt haben. Wem gehören diese Läden eigentlich ? Und warum sind die wichtigen 3 ALLE US Unternehmen ? Aber so was darf man ja nicht fragen, sonst ist man der Verschwörungsspinner.....
2.
Tall Sucker, 07.05.2009
Die guten Ratings haben den Verkauf von CDO, CDS (und wie das ganze Neusprech noch heißen mag) sicher sehr befeuert. Da sie aber durchweg in den U.S.A. sitzen, dürften Sie eine hier geführte Debatte - wenn überhaupt - nur am Rande verfolgen.
3.
Stahlengel77, 07.05.2009
Zitat von sysopDie Macht der drei großen US-Rating-Agenturen Moody's, Fitch und Standard & Poor's ist ungebrochen. Mit Bestnoten für Ramschpapiere befeuerten sie die Exzesse auf den Finanzmärkten. Jetzt steuern sie mit brutalen Herabstufungen dagegen. Welche Verantwortung tragen die Agenturen für die Finanzkrise?
Sie sind in soweit wichtig, weil sie unabdingbar für einen Unternehmer oder eine Bank sind, den Gegenüber auf seine Kredit- und Geschäftswürdigkeit einzuschätzen. Damit haben sie aber auch eine enorme Verantwortung und tragen auch maßgeblich Verantwortung an der Bankenkrise. Es gilt auch hier: Wer wacht über die Wächter? In diesem Fall, wer wacht über die Seriosität der Rating-Agenturen und wer bezahlt diese Ratingagenturen? Die Banken (die sich und ihre Produkte bewertet haben wollen) selbst. Noch Fragen ?
4.
privatbahn 07.05.2009
Zitat von sysopDie Macht der drei großen US-Rating-Agenturen Moody's, Fitch und Standard & Poor's ist ungebrochen. Mit Bestnoten für Ramschpapiere befeuerten sie die Exzesse auf den Finanzmärkten. Jetzt steuern sie mit brutalen Herabstufungen dagegen. Welche Verantwortung tragen die Agenturen für die Finanzkrise?
Man muss nicht jeden Ramsch glauben, den vermeintliche Experten von sich geben. So gesehen ist es mir völlig gleich, was diese Rating-Agenturen von sich gegeben haben. Die Gier macht selbst vermeintlich intelligente und gebildete Menschen (in dem Fall Banker und Investment-Manager) total blind. Ich traue unseren Bankern zu, dass sie sehenden Auges gleich nochmal vor die selbe Wand laufen. Die Gier dieser Leute wird nach dieser Krise noch größer, schließlich wollen sie nicht nur ihre Verluste wett machen, sondern gleichzeitig noch besser da stehen als vor der Krise. Folglich werden sie alles glauben was ihnen irgendwelche Experten einflüstern. Was nutzt also all die Schulbildung und Intelligenz von Bankern, Brokern und Investment-Verwaltern, wenn sich die emotionale Intelligenz nie mit entwickelt hat.
5.
Andreas Heil, 07.05.2009
Zitat von sysopDie Macht der drei großen US-Rating-Agenturen Moody's, Fitch und Standard & Poor's ist ungebrochen. Mit Bestnoten für Ramschpapiere befeuerten sie die Exzesse auf den Finanzmärkten. Jetzt steuern sie mit brutalen Herabstufungen dagegen. Welche Verantwortung tragen die Agenturen für die Finanzkrise?
Eine hohe, maßgeblich hervorgerufen durch eine an sich sehr gute Idee im Rahmen von Basel II. Mit Basel II hielt eine risikoabhängige Pflicht, Haftungskapital vorzuhalten, Einzug in das globale Finanzsystem. Und die Risikobewertung würde man doch nicht der Bank selbst überlassen wollen, die die Risiken eingeht. Folglich brauchte man unabhängige Institutionen, die dies besorgen und fertig war ein Teil des Desasters. Aber es hängt noch mehr dran, denn dies ist gleichzeitig Mitursache für die exzessive Ausweitung einerseits der Verbriefungen und andererseits der Kreditversicherungen. Und zum Desaster wurde es mit der nationalistischen merkantilistischen Mikropolitik, die die Politik mit den Lobbyisten in Ohr und Brieftasche in den letzten Jahren hingelegt hat, um die eigenen vereinbarten Regeln, deren Sinn sich durchaus unmittelbar erschließt, zum (angeblichen) Standortvorteil möglichst gerissen zu umgehen. All dem liegen aber Grundaxiome zugrunde: 1. Der freie Markt richtet es schon und auf jeden Fall besser, als die eigene Vernunft oder gar eigene Wünsche zu bemühen. Im Ergebnis kann sich dann allerdings nur kollektivierte Unvernunft, fremdwörtisch also Irrationalität einstellen. 2. Man selbst manövriert sich aus diesem Markt, dem Wettbewerb möglichst weit heraus und kassiert im besten Fall nur noch eine möglichst hohe, möglichst sichere Prämie für Zuschauer- oder Schiedsrichtertätigkeiten. Ziel und Ergebnis war also die Institutionalisierung der kommoden und leistungslosen Unverantwortung.
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