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Neue Studie: Ratingagenturen stufen Krisenländer zu schlecht ein

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Europaflagge: Viele Länder erhalten zu schlechte Noten

Sind die Ratingagenturen zu streng mit Europas Krisenländern? Laut einer Studie kommen Spanien, Portugal oder Griechenland bei den Bonitätswächtern deutlich zu schlecht weg - Deutschland hingegen zu gut.

Hamburg - Als es mit der Währungsunion bergab ging, machten auch die Ratingagenturen mit. Zwischen Anfang 2010 und Mitte 2012 stiegen nicht nur die Risikoaufschläge für griechische, spanische oder portugiesische Staatsanleihen. Fast im Gleichschritt fielen auch die Bonitätsnoten der betroffenen Länder. Aus scheinbar grundsoliden Schuldnern wurden Wackelkandidaten, von denen man als Investor besser die Finger lässt.

Mittlerweile hat sich die Lage der meisten Krisenstaaten gebessert. In Spanien ist das Wachstum zurückgekommen, Portugal hat den europäischen Rettungsschirm verlassen, und selbst Griechenland bekommt wieder frisches Geld von den Investoren. Die Ratings allerdings sind zum großen Teil so schlecht geblieben, wie sie waren. Für die sich erholenden Krisenländer ging es bei der Bonitätsnote meist nur ein Minischrittchen nach oben.

Zu wenig, wie die Analysten der DZ Bank meinen. Sie haben ein eigenes Ratingmodell entwickelt, das die Notengebung der drei großen Agenturen Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch nachbildet - und zu einem eindeutigen Ergebnis kommt: Im Vergleich zu ihren eigenen Bewertungen in der Vergangenheit stufen die Agenturen die Krisenstaaten aktuell durchweg zu negativ nein.

Um das Verhalten der Ratingagenturen zu untersuchen, haben die Analysten ein eigenes Ratingmodell gebastelt, das die Entscheidungen der großen Agenturen in der Vergangenheit ziemlich treffsicher abbildet, auch wenn es mit ganz anderen Indikatoren arbeitet. So fließen beim DZ-Bank-Modell unter anderem der Anteil der privaten Auslandsschulden, die internationale Finanzverflechtung und der Korruptionsindex von Transparency International in die Bewertung mit ein.

Während das Modell die Ratingentwicklung für die Zeit vor der Krise recht genau abbildet, gehen die Bewertungen zu Krisenbeginn drastisch auseinander. Zum einen zeigte das Modell für die Krisenländer schon nach unten, als die Ratingagenturen noch gute Noten vergaben. Zum anderen ist der Absturz im Modell längst nicht so drastisch wie in der Realität der Bonitätsnoten. Mit anderen Worten: Die Agenturen agierten erstens zu spät und zweitens viel zu stark.

Am krassesten ist die Diskrepanz zwischen dem Modellrating der DZ Bank und dem Agenturrating aktuell im Fall Griechenland: Während die größte Agentur S&P das Land mit der Note B- weiter auf Ramschniveau bewertet, müsste das Rating laut Studie eigentlich bei BBB liegen - ein Unterschied von sieben Stufen. Auch bei Portugal (sechs Stufen) und Spanien (vier Stufen), sind die Abstände groß. Frankreich und Italien sind dagegen nur um eine beziehungsweise zwei Stufen zu schlecht bewertet.

Angesichts dieser Ergebnisse rechnen die Analysten mit einer baldigen Welle von Hochstufungen bei den Krisenländern. Bei anderen Staaten wie Österreich, Finnland oder den Niederlanden dürfte dagegen alles gleich bleiben. Und Deutschland ist mit seiner Bestnote AAA laut Studie sogar eine Stufe zu gut bewertet.

stk

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Wenig glaubwürdig
kabian 17.06.2014
DZ-Bank? War das nicht die Bank mit der die Genossenschaftbanken ihre größten Spekulationsverluste eingefahren haben. Sie fungiert(e) ja genauso wie die WestLB bei den Sparkassen. Tja, und die hat nun diese tolle (unabhängige?) Studie verfasst.
2. naive Frage .
cum infamia 17.06.2014
Wieso sind die USA von Fitch (AAA), Moodys(Aaa),S&P(AA+) bewertet- bei 100% BIP - Staatsverschuldung. Ist das korrekt oder manipuliert ?
3. ist doch klar
neinsagen 17.06.2014
deutschland muss diese Ratingsagenturen voll umfänglich bezahlen, jährlich 185 Mio Euro. Dafür müssen Sie natürlich auch die Klappe halten wenn es um Deutschland geht. Diese Leute sollen doch mal die USA richtig bewerten. Das wäre dann noch 20 Stufen unter Ramsch.
4. Bankenrettungen!
analysatorveritas 17.06.2014
Gerade die Untersuchungen von Banken sollte man ernsthaft kritisch hinterfragen. Die Hilfspakete dienten in erster Linie den Banken, den Versicherungen, fehlinvestierten Pensions- und Hedgefonds. Schuldenschnitte wurden somit vermieden, Sanierung auf Kosten der Staatskassen und der Sparer. Die Niedrigstzinspolitik der EZB, der Ankauf von Staatsanleihen SMP, Target II, die Duldung von STEP, Bankenunion, Ankauf von ABS-Papieren, dazu könnten die Spezialisten von der DZ durchaus einmal ein Wort verlieren. Wir müssen heute Probleme lösen, die es ohne den Euro nicht gäbe. Schnelle Rennpferdchen und lahme Ackergäule ergeben kein gutes Gespann.
5. .
ricson 17.06.2014
Die gute Bewertung Deutschlands hab ich so auch noch nie verstanden. So richtig doll ist die Situation der öffentlichen Finanzen ja nicht. Man kann sich das halt momentan auf Grund der guten wirtschaftlichen Situation leisten. Nur das wird kein dauerzustand sein.
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Wie Rating-Agenturen arbeiten
Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.


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