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Realsatire: Regierungskritiker planen Bush-Börse

Nach wütenden Protesten hat die US-Regierung die Idee zu Grabe getragen, drohende Anschläge und Attentate mittels einer Terrorbörse zu prognostizieren. Davon inspiriert haben Bush-Gegner eine Washington-Börse ins Leben gerufen - um vorherzusagen, welches Land das Weiße Haus als Nächstes angreift.

George W. Bush: Viele wüssten gerne, was er als Nächstes vorhat
AP

George W. Bush: Viele wüssten gerne, was er als Nächstes vorhat

Hamburg/Washington - Das US-Verteidigungsministerium musste vergangene Woche seinen Plan zurückziehen, im Oktober den so genannten Policy Analysis Market (PAM) zu eröffnen. An dieser Meinungsbörse sollten Experten auf Ereignisse im Nahen Osten wetten können, wie die Ermordung von Staatschefs oder bevor stehende Putschversuche. Funktionieren sollte PAM ähnlich wie jene Aktienfutures, die an den Weltmärkten gehandelt werden.

Als Antwort auf den gescheiterten Plan von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld haben der in Paris lebende amerikanische Programmierer Andrew Geiger sowie andere jetzt den AAM - den American Action Market gegründet. Dessen Seite ist in exakt dem gleichen Layout gehalten wie die PAM-Seite des Pentagon. Auch die Logos gleichen sich wie ein Ei dem anderen.

Wie sein offizielles Vorbild soll auch diese Onlinebörse zukünftige Ereignisse vorhersagen. Auf der Webseite von AAM aufgeführte Beispiele für zu prognostizierenden Ereignisse sind:

  • "die nächste Lüge des Weißen Hauses, die die Nachrichten erreicht"
  • "das nächste Land, welches das Weiße Haus bedrohen wird und wann (...)"
  • "der erste Angestellte des Weißen Hauses der schmachvoll zurücktreten wird"
  • Das ganze riecht nach Satire. Ist es wohl auch. Gegenüber dem Magazin "Wired" bestand Geiger jedoch darauf, dass der AAM einen ernsthaften Hintergrund habe: "(Das AAM Projekt) klingt lustig, aber das zeigt doch nur, wie weit wir gekommen sind", so Geiger. Wenn das Pentagon tatsächlich Pläne wie den PAM aushecke, erinnere ihn das stark an Stanley Kubricks Kalter-Krieg-Komödie "Dr. Strangelove oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben".

    Wer außer Geiger noch für die Seite verantwortlich ist, bleibt unklar. Nach "Wired"-Informationen wurde der AAM von der Politik-Mailingliste Nettime.org gegründet. Auf der AAM-Seite heißt es lediglich, dass Politologen, Soziologen und Computerexperten führender Labore, Institute und Universitäten das Projekt ins Leben gerufen hätten.

    Nicht nur die Zukunft der Bush-Regierung interessiert Geiger und Konsorten. Auch Ereignisse, die in der Vergangenheit lägen, auf die das amerikanische Volk aber bisher keine Antwort erhalten habe, sollen laut AAM-Webseite gehandelt werden - etwa die Wahrscheinlichkeit einer Antwort auf die drängende Frage "ob der Präsident sich bewusst war oder nicht, dass er in seinen verschiedenen Reden vor dem Krieg log oder ob die Entscheidung zu lügen von anderen getroffen wurde, während der Präsident glaubte, er sage die Wahrheit."

    Von Thomas Hillenbrand

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