Refinanzierungsprobleme Krise bei IKB schlimmer als befürchtet

Die weltweite Finanzkrise macht der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB massiv zu schaffen. Langfristige Kredite seien kaum mehr refinanzierbar, erklärte die Bank - auch Teile des Neugeschäfts geraten ins Wanken.


Frankfurt am Main - Das Kerngeschäft der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB leidet heftig unter der Finanzkrise. Die Bank erklärte am Freitag, sie müsse das Neugeschäft in einzelnen Segmenten womöglich komplett einstellen. Grund seien schwierige Refinanzierungsbedingungen.

IKB-Zentrale in Düsseldorf: Teile des Neugeschäfts geraten ins Wanken
DPA

IKB-Zentrale in Düsseldorf: Teile des Neugeschäfts geraten ins Wanken

Zudem rechne die Bank angesichts einer drohenden Rezession im kommenden Geschäftsjahr mit "erheblichen Ertragsbelastungen", heißt es im Bericht zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2008/09. Insbesondere langfristige Immobilienkredite seien in diesem Marktumfeld kaum noch refinanzierbar, erklärte der Vorstand.

Von April bis September hatte die IKB in ihren Kernsegmenten ein Neugeschäft von 3,5 Milliarden Euro verzeichnet. Für das Geschäftsjahr 2008/09 (bis Ende März) hatte die Bank im August mit sieben Milliarden gerechnet. Das sind gut 2,5 Milliarden Euro weniger als 2007/08.

Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September hat sich die Lage für viele Banken verschlechtert. Banken leihen sich untereinander kein Geld mehr, weil sie sich nicht mehr vertrauen, was die Refinanzierung erheblich erschwert.

Der Bund will die Lage mit einem fast 500 Milliarden Euro schweren Rettungspaket für die Finanzbranche entspannen. IKB-Chef Günther Bräunig machte deutlich, dass das Überleben der Bank auch nach dem Verkauf an den US-Finanzinvestor Lone Star stark von der Entwicklung an den Kapitalmärkten abhänge. "Um die zweite Chance ergreifen zu können, ist es erforderlich, dass sich die Finanzkrise in den nächsten Monaten löst und die Kapitalmärkte wieder beginnen zu funktionieren."

Milliarden gesucht

In den nächsten zwölf Monaten benötige die Bank 14 bis 16 Milliarden Euro zur Refinanzierung. Zurückgreifen will sie vor allem auf Kreditlinien ihrer bisherigen Muttergesellschaft KfW und anderen Förderinstituten. Im Juli hatte die staatliche Förderbank KfW der IKB bereits eine Linie von 1,5 Milliarden Euro eingeräumt.

Entscheidend sei auch die Umsetzung der bereits beschlossenen Kapitalerhöhung um 1,25 Milliarden Euro, die zum Großteil von der KfW getragen wird. Lone Star übernimmt die IKB für rund 150 Millionen Euro von der KfW. Die Förderbank, der Bund und andere Institute mussten die Düsseldorfer Bank mit rund zehn Milliarden Euro stützen, nachdem sie sich mit Ramschhypotheken in den USA verspekuliert hatte. Bräunig, der Anfang November zur KfW zurückkehren wird, schloss weitere Wertberichtigungen nicht aus. Eine negative Entscheidung der EU-Kommission zum laufenden Beihilfeverfahren könne zu einer "dauerhaften Belastung" führen.

Die EU will noch im Oktober über die Milliardenhilfen der KfW und des Bundes entscheiden. Der IKB könnten dadurch harte Auflagen drohen, die bis hin zum Verkauf von Geschäftsbereichen gehen. Belastungen aus der Lehman-Pleite sieht die IKB anders als viele Banken nicht. Im ersten Geschäftsquartal wies die IKB einen Verlust von 540 Millionen Euro aus.

amz/Reuters



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