Regenwaldrodung für Kakao Die leeren Versprechen der Schokoladenkonzerne

Für Kakaoplantagen werden jedes Jahr riesige Teile des Regenwaldes gerodet. 2017 gelobten die weltgrößten Schokohersteller und Anbauländer, den Raubbau zu stoppen. Passiert ist seitdem wenig.

Mighty Earth

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Es schien tatsächlich etwas in Bewegung zu kommen auf der Uno-Klimakonferenz im vergangenen Jahr. In Bonn hatten sich Umweltschützer aus der ganzen Welt versammelt; eines der Themen war die ungebremste Abholzung von Regenwald zum Anbau von Soja, Kakao oder Kautschuk. Besonders aktiv dagegen ist die kleine US-Organisation Mighty Earth, die Rechercheteams in Länder schickt, in denen seit Jahren große Waldflächen gerodet werden.

Die Experten dokumentierten, wie im südamerikanischen Gran Chaco gigantische Flächen für den Anbau von Sojapflanzen niedergebrannt und eingeebnet werden. In Kambodscha, Vietnam und Liberia verfolgten sie die Abholzung für Kautschukplantagen, deren Ernte von Reifenkonzernen weltweit aufgekauft wird. In der Elfenbeinküste und Ghana recherchierten sie den fortschreitenden Verlust von Waldgebieten für den Anbau von Kakao.

Kakao, der in Form von Schokolade auch in deutschen Supermärkten landet - gerade jetzt in der Weihnachtszeit.

Mighty Earth veröffentlicht die Erkenntnisse in aufwendigen Berichten. Damit sich vor Ort etwas ändert, geht die Organisation allerdings anders vor, als viele andere Aktivisten: Schon vor der Veröffentlichung spricht Mighty Earth mit den Unternehmen und gibt ihnen die Chance, mit einer Selbstverpflichtung für eine nachhaltige und rodungsfreie Lieferkette in den Berichten zu erscheinen.

Statt die Abholzung zu stoppen, geht sie schneller voran

Einerseits sind Wohlverhaltensbekundungen der Wirtschaft aller Erfahrung nach nicht so zuverlässig wie staatliche Regulierung. Andererseits wächst durch entsprechende Berichte der öffentliche Druck, diese Versprechen auch einzuhalten.

Nachdem Mighty Earth 2017 den Report "Chocolate's Dark Secret" vorgelegt hatte, der die Zerstörung von Waldgebieten in der Elfenbeinküste für den Kakaoanbau dokumentiert, begannen Schokoladenhersteller und Kakaohändler nach dem traditionell schokoladenseligen Valentinstag 2018 eine Initiative für ein Ende der Abholzung; nicht nur in Westafrika, sondern in allen Kakaoanbaugebieten weltweit.

Auf dem Papier sah das alles gut aus.

Ein Jahr später wollte die US-Umweltorganisation die Erfolge bewerten und schickte ein Team in das westafrikanische Land. Die Mitarbeiter werteten Satellitenbilder aus, um zu sehen, wie gut die Versprechen eingehalten wurden. Das Ergebnis, zusammengefasst in dem neuen Bericht "Beyond the Wrapper: Greenwashing in the Chocolate Industry", ist ernüchternd: Von den wortreichen Verpflichtungserklärungen sind nur einige umgesetzt. Häufiger dagegen gingen die Rodungen sogar schneller voran.

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Rodungen für Kakaoplantagen: Schokolade statt Regenwald

Mighty Earth lobt zwar explizit einige der größten Schokoladenhersteller wie Mars und Ferrero, die an der Entwicklung einer nachhaltigen Lieferkette arbeiten oder die Schweizer Firma Halba, die in den vergangenen Jahren Hunderttausende Bäume gepflanzt hat. Auch Lindt, Cemoi oder Godiva haben demnach gelernt und sind sogar dabei ihre Plantagenbewirtschaftung umzustellen - von Vollsonnenanbau auf den ökologisch vorteilhafteren Schattenanbau.

Weiter heißt es in dem Bericht, dass auch die Regierungen der Elfenbeinküste und Ghanas im abgelaufenen Jahr "große Fortschritte bei der Änderung von Gesetzen, Richtlinien und Praktiken für mehr Nachhaltigkeit im Kakao" gemacht hätten. Nur hapert es seitdem gründlich an der Umsetzung der großen Pläne.

Im Juli dieses Jahres hat die ivorische Regierung Mighty Earth Zugang zu einer Software eingeräumt, die Satellitenbilder auswertet und Waldverluste dokumentiert. Die Satellitenaufnahmen zeigen, dass zwischen November 2017 und November 2018 erneut gerodet wurde, vor allem neben Kakaoplantagen. Das heißt laut dem Report, "dass trotz der Zusagen von Industrie und Regierungen die Waldvernichtung in Westafrika für Kakao weitergeht".

SPIEGEL ONLINE

Ein Rechercheteam suchte jene Orte auf, an denen die Organisation schon im vergangenen Jahr großflächige Rodungen entdeckt hatte - und wurde erneut fündig. Demnach schritt die Entwaldung vor allem im äußersten Westen des Landes weiter voran, in jenen Gebieten, in denen die letzten Elefanten leben. Kleine Kakaobäume, jünger als ein Jahr, belegen, dass die Versprechen nicht gehalten wurden. Weil diese Bäume noch keine Bohnen tragen, bleibt vorerst auch unklar, wer die Abnehmer der Ernte von den illegalen Plantagen sind.

Im Osten des Landes wirken die Maßnahmen der Regierung besser, hier zeigen die Karten, dass weniger Bäume gefällt wurden als in anderen Landesteilen. Allerdings gibt es dort auch kaum noch Wälder.

Im Westen ist die Bilanz geteilt, immerhin einen Lichtblick enthält der jüngste Bericht. Zwar haben die Rodungen in den 18 untersuchten Waldgebieten der Elfenbeinküste insgesamt zugenommen, im Tai-Nationalpark aber funktioniert der Waldschutz. Auch hier liegen rund um das Schutzgebiet Kakao- und Kautschukplantagen, die Abholzung ist aber nicht weiter vorangeschritten.

In den anderen Waldgebieten aber traf das Team Bauern, die sich mit der Machete in die Wälder vorarbeiteten, Bäume fällten und Kakaopflanzen setzten. Darauf angesprochen, sagten sie, dass sie keine Sanktionen erwarteten. Von neuen Beschränkungen oder Verboten hatten sie noch nichts gehört - und niemand habe gedroht, ihre Ernte nicht mehr zu kaufen.

Offenbar sind auch die Behörden überfordert. Wenn die schwer bewaffneten staatlichen Ranger illegale Rodungen entdecken, dann notieren sie die Koordinaten, schießen Fotos und schicken einen Bericht an ihre Zentrale in der Hauptstadt Abidjan. Ob dann etwas geschieht, ist ungewiss, die Mitarbeiter sind unterbezahlt und schlecht ausgerüstet.

SPIEGEL ONLINE (Karte: Mapbox)

Mighty Earth hat aus den Rechercheergebnissen einen Forderungskatalog entwickelt. Eigentlich sei es nicht sehr schwierig, die Situation zu verbessern:

  • Die Regierungen von Ghana und der Elfenbeinküste sollten mit der Industrie eine funktionierende Satellitenüberwachung aufbauen.
  • Die Unternehmen, die Lieferketten ohne Entwaldung versprochen haben, sollten das konsequent einhalten und alle Lieferanten ausschließen, die seit November 2017 neue Flächen gerodet haben.
  • Alle Schokoladenhersteller sollten zudem veröffentlichen, von welchen Händler weltweit sie die Kakaobohnen beziehen.
  • Die Händler wiederum sollten offenlegen, bei welchen Zwischenhändlern und Genossenschaften sie einkaufen.

Wenn die Vorgaben nicht besser kontrolliert werden, dann sieht es dem Report zufolge schlecht aus für die Lebensräume der Elefanten, die der Elfenbeinküste einst ihren Namen gaben und für die letzten Schimpansen in dem Land. Geht alles so weiter wie bisher, sind die Wälder der ersten Nationalparks schon in drei Jahren komplett vernichtet.

insgesamt 27 Beiträge
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thommy05 07.12.2018
1. Nachhaltigkeit
Ich arbeite in einem grossen Betrieb der fleischverarbeitenden Industrie. Hör fast jeden Tag die Sprüche con wegwn wir wollen nachhaltiger produzieren. Für meine Versuche, meinen Kollegen(es Vorgesetztn zu sagen trau ich mich schon kaum)klarzumachen, das die einzigen nachhaltigen Schweine die sind, die nie geboren werden, ernte ich nur komische Blicke. Aber so ist es eben überall. Verzicht ist die nachhaltigste Form zu "konsumieren".
smickey 07.12.2018
2. Mehr als die Politik und Konzerne..
tun die Verbraucher. Stoppt den Konsum und es stoppt auch die Waldrodung?. Wenn wir bald 10 miliarden sein werden und dabei auch der allgemeine Wohlstand steigen wird, werden die, die heute nichts haben ebenfalls Schokolade essen wollen. Nicht nur das. Jeder wird das verbauchen können was wir verbrauchen. Von daher ist die ganze Klimadebatte oder Umweltdebatte leeres Gelabere?
nici_d 07.12.2018
3. Wundere mich seit Jahren
Seit Jahren wundere ich mich darüber, dass Schokolade immer billiger wird. Schokoflocken und Kakao wird überall hineingemixt, wo es überhaupt nicht hingehört (Müsli, Eis (außer Schokoeis), etc pp). Seit Jahren kaufe ich daher kaum mehr Schokolade und Schokoladehaltige Produkte. Zudem schmeckt Schokolade immer weniger gut. Das gleiche beobachte ich bei Kartoffelchips. Die werden immer billiger und schmecken immer schlechter, selbst von meinem ehemals favorisierten Hersteller. Die Essensindustrie macht aus allem nur noch Schrottprodukte.
dasfred 07.12.2018
4. Entsetzen heuchel
Wie kann man nur für Schokolade der Urwald abholzen. Ich dachte, der ist für Palmölplantagen reserviert. Oder Avocados. Wenn ich von Hamburg nach Süden blicke, um nachzusehen wie eine arme Bevölkerung versucht, dass letzte bisschen Geld aus dem Land zu pressen, bleibt mein Blick aber vorher schon im bayrischen Wald hängen, wo das reichste deutsche Bundesland uralt Buchen abholzen lässt, um aus den deutschen Nationalparks noch das letzte Geld rauszuholen. Wir können hier nicht hoch und trocken sitzen und fordern, dass Wälder erhalten werden, wenn die Menschen zuerst an ihr eigenes Leben denken müssen. Es bringt auch nicht viel, wenn wir nur aus nachhaltiger Forstwirtschaft kaufen, dafür dann die osteuropäischen Länder dahin gehen, wo es billiger ist
Mikrohirn 07.12.2018
5. Das eine oder andere Mal
eine konkrete Flächengröße zu nennen (ha, m², km²) wäre vielleicht nicht schlecht. Sonst kommt der Inhalt über die übliche, naturschützlerische Panikmache nicht hinaus.
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