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Reichen-Ranking: London hat die meisten Milliardäre

Zum ersten Mal leben mehr als hundert Milliardäre in Großbritannien. Das Königreich ist damit das Land mit dem weltweit höchsten Superreichen-Anteil der Bevölkerung. Und unter den Top 25 sind sogar einige wenige Briten.

Englands Milliardäre: Inder, Russen... und ein paar Briten Fotos
REUTERS

London/Berlin - Im vergangenen Jahr lebten lediglich 88 Milliardäre in Großbritannien, 2014 ist die Zahl der im Vereinigten Königreich und Irland lebenden Superreichen auf 108 gestiegen, das ist das Ergebnis der "Super Rich List", die das Sonntagsblatt "Sunday Times" in ihrer aktuellen Ausgabe veröffentlicht. Allein 72 der Milliardäre leben in der Finanzmetropole London, man kann also sagen, dass die zahlreichen neuen und geplanten Wolkenkratzer der City proportional zum Wohlstand ihrer reichsten Bewohner in den Himmel wachsen.

Laut "Guardian" hat das Eintrittslevel in den exklusiven Club der Top 50 erstmals seit der Finanzkrise von 2008 ein Privatvermögen von 1,5 Milliarden Pfund (ca. 1,8 Milliarden Euro) überschritten, es liegt nun bei 1,7 Milliarden Pfund. Das Gesamtvermögen aller 108 in Großbritannien lebenden Milliardäre beträgt rund 301 Milliarden Pfund (etwa 368,5 Milliarden Euro), das sind rund 100 Milliarden mehr als 2008, als es lediglich 75 Superreiche gab.

Gemessen an der Bevölkerungszahl verfügt Großbritannien somit über die weltweit höchste Milliardärsdichte; in keiner anderen Stadt der Welt leben mehr Megareiche als in London. Es folgt Moskau mit 48, New York mit 43, Los Angeles mit 38 und Hongkong mit 34 Personen, deren Vermögen eine Milliarde Pfund übersteigt.

Neu an der Spitze des Reichen-Rankings ist das aus Indien stammende Brüderpaar Srichand und Gopichand Hinduja mit einem Gesamtvermögen von 11,9 Milliarden Pfund (rund 14,5 Milliarden Euro). Die aus London agierenden Brüder leiten das globale Firmenkonglomerat Hinduja Group, das unter anderem auf dem Finanz- und Ölmarkt als auch in der Kommunikations- und Medienbranche aktiv ist.

Auf Platz zehn der erste Brite

Die Hindujas verdrängen den bisherigen Spitzenreiter der Rich List, den russischen Magnaten Alischer Usmanow, auf den zweiten Rang. das Vermögen des Fußballclub-Besitzers (FC Arsenal) verringerte sich laut "Sunday Times" im vergangenen Jahr um 2,65 Milliarden Pfund auf 10,65 Milliarden Pfund, während sich das Kapital der Hinduja-Brüder um 1,3 Milliarden Pfund erhöhte.

Auf Rang drei folgt die ebenfalls in London residierende Familie des indischen Stahl-Moguls Lakshmi Mittal, Vorstandschef des ArcelorMittal-Konzerns, mit 10,25 Milliarden Pfund, gefolgt vom russisch-amerikanischen Milliardär und Immobilienspekulanten Leonard Blavatnik (10 Milliarden Pfund), dem über seine Holding Access Industries unter anderem die Warner Music Group gehört.

Auf Rang acht findet sich der russische Oligarch und FC-Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch, der sich mit Blavatnik in früheren Jahren spektakulär um Londoner Luxus-Immobilien stritt. Sein Vermögen sank im vergangenen Jahr um 780 Millionen auf 8,52 Milliarden Pfund (rund 10,4 Milliarden Euro).

Den Briten selbst bleiben die Spitzenregionen der Liste allerdings verwehrt. Der reichste Engländer schaffte es in diesem Jahr immerhin auf den zehnten Platz, es ist Gerald Cavendish Grosvenor, der 6. Duke of Westminster, mit 8,5 Milliarden Pfund. Rang 16 gab es für die Zwillingsbrüder Sir David und Sir Frederick Barclay. Die britischen Medien- und Einzelhandels-Unternehmer (u.a. "Telegraph", "Woolworth"), auch Barclay Brothers genannt, vermehrten ihren Reichtum um 3,65 Milliarden auf 6 Milliarden Pfund. Der bekannte Entrepreneur und Virgin-Chef Richard Branson landete mit 3,6 Milliarden Pfund auf Platz 24.

Neu im Milliardärsranking der "Sunday Times" ist der Theater- und Musicalproduzent Cameron Mackintosh, der sein Vermögen auf rund eine Milliarde vermehren konnte. Mackintosh wurde im vergangenen Jahr für seine Produzententätigkeit bei der Kinoversion seines erfolgreichen West-End- und Broadway-Musicals "Les Misérables" für einen Oscar nominiert.

Wie in fast allen marktwirtschaftlich organisierten Staaten wird die Kluft zwischen Armut und Superreichtum jedoch auch in Großbritannien immer tiefer. Im Londoner Stadtteil Tower Hamlets, zu dem auch die Canary Wharf mit ihren glitzernden Banken- und Bürotürmen und den Luxus-Immobilien der Docklands gehört, findet sich laut einer vom "Guardian" zitierten Erhebung der Organisation End Child Poverty gleichzeitig die höchste Anzahl in Armut lebender Kinder des gesamten Königreichs.

Während mit 72 Milliardären die reichsten Menschen Englands in London residieren, leben dort auch 16 Prozent der landesweit ärmsten.

bor

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insgesamt 57 Beiträge
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1. optional
Mehrleser 11.05.2014
"die Kluft zwischen Armut und Superreichtum" - reine Mathematik: Die Supervermögen entstehen nicht durch eigene Arbeit, sondern durch Verlagerung. Daher kommen auf einen Milliardär Millionen Arme.
2.
mesopotamien00 11.05.2014
-40 Öl Araber und Russen ... Dann sind sie wieder weit hinten ..!!
3. Alles über 100 Millionen
semanino 11.05.2014
sollten sie gemeinnützig stiften müssen, oder es wird eingezogen. DAS wäre mal eine innovative Maßnahme gegen den Turbokapitalismus
4. .
ambergris 11.05.2014
Ich hoffe, dass Schottland für die Unabhängigkeit stimmt. Dann bleibt Rest-Großbritannien zurück mit dem Ufo London das in keinem Verhältnis zum Rest des Landes steht. Das ganze Konzept der britischen Politik scheint es zu sein, aus London ein für Normalbürger abgesperrtes Milliardärsparadies zu machen.
5. Sprachpanschender Spiegel
rheinkind 11.05.2014
Bitte noch mal auf der Zunge zergehen lassen: "die in London basierten Brüder" - hä? Geht es noch? 1:1 Übersetzungen aus dem englischen, ganz großer Journalismus, lieber Spiegel.
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