Reichen-Ranking Quandt-Familie verliert Milliarden wegen VW-Skandal

Das Vermögen der Geschwister Quandt ist um 4,5 Milliarden Euro geschrumpft - trotzdem bleiben sie in der Liste der reichsten Deutschen auf Platz eins. Große Gewinner sind Familie Reimann, Dieter Schwarz und Heinz-Hermann Thiele.

DPA

Von manager-magazin-Redakteur Christoph Neßhöver


Mit einem gemeinsamen Vermögen von 26,5 Milliarden Euro führen die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten auch im Jahr 2015 die Liste der reichsten Deutschen an. Das ergibt die neue Rangliste der 500 reichsten Deutschen, die das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe veröffentlicht.

Auf Platz zwei folgen Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler, Eigentümer des gleichnamigen Wälzlagerherstellers und Großaktionäre beim Autozulieferer Continental, mit einem Vermögen von 20 Milliarden Euro. Während der Besitz der Schaefflers im Jahresvergleich um 2,4 Milliarden Euro wuchs, mussten die Quandts einen Rückgang von 4,5 Milliarden Euro hinnehmen. Dieser ist auch dem jüngsten Kurseinbruch der BMW-Aktien im Zuge des VW-Abgasskandals geschuldet. Mit insgesamt 46,7 Prozent sind die Quandts Großaktionäre des bayerischen Autoherstellers.

Für die Rangliste wurden Aktienvermögen mit den Schlusskursen vom 23. September berechnet. Die Kurseinbrüche infolge der China-Krise und der VW-Affäre zehrten bei vielen Großaktionären einen Teil der Vermögenszuwächse der vergangenen zwölf Monate wieder auf.

Weiter abgerutscht in der Rangliste sind die Eigner der beiden Discountkonzerne Aldi Süd und Aldi Nord. Mit einem Vermögen von 19 Milliarden Euro liegen die Familien Albrecht und Heister (Aldi Süd) auf Platz drei, die Familie Theo Albrecht Jr. (Aldi Nord) steht mit 16,9 Milliarden Euro nur noch an sechster Stelle. Bis 2013 hatten die beiden Aldi-Familien die Rangliste der reichsten Deutschen jahrelang angeführt.

Erheblich zulegen konnte hingegen der größte Konkurrent der Aldi-Eigner, Lidl-Gründer Dieter Schwarz, der mit einem Vermögen von 17 Milliarden Euro erneut auf Platz fünf landete.

Reimanns steigen auf, Samwers steigen ab

Ebenfalls kräftig aufgewertet hat manager magazin das Vermögen der Familie Reimann, die unter anderem Großaktionär beim britischen Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser ist und jüngst mit Jacobs Douwe Egberts einen der größten Kaffeekonzerne der Welt aufgebaut hat. Ihr Vermögen gibt der Top-Manager der Reimanns, Peter Harf, im Interview mit manager magazin mit rund 20 Milliarden Dollar an (17,6 Milliarden Euro). Damit sind die Reimanns die viertreichsten Deutschen.

Zu den größten Absteigern gehören die Gebrüder Marc, Oliver und Alexander Samwer - im Vorjahr waren sie noch die größten Gewinner. Von September 2013 bis September 2014 sank das Vermögen der Gründer von Rocket Internet von 3,5 Milliarden Euro auf 2,5 Milliarden Euro - damit fallen sie im Ranking auf Platz 56. Der Einbruch ist vor allem dem seit dem IPO im Oktober 2014 erheblich gesunkenen Börsenwert von Rocket Internet Chart zeigen geschuldet.

Vor allem dank hoher Unternehmensgewinne und dem anhaltenden Boom am Immobilienmarkt ist das Vermögen der reichsten 100 Deutschen trotz der jüngsten Börsenturbulenzen in den vergangenen zwölf Monaten um 7 Prozent auf insgesamt 427,7 Milliarden Euro gewachsen. Das Vermögen der 500 reichsten Deutschen legte um 6,9 Prozent auf 653,85 Milliarden Euro zu. Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt der Schweiz 2014.

Um es unter die 100 reichsten Deutschen zu schaffen, war 2015 erstmals ein Vermögen von 1,5 Milliarden Euro nötig. 2005 hatten noch 800 Millionen genügt.

Gewinner und Verlierer: Wie die reichsten Deutschen ihr Geld vermehrten - oder minderten



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 254 Beiträge
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Germanus 06.10.2015
1. Was soll uns dieser Artikel sagen?
Sollen wir jetzt Mitleid haben?
H-Vollmilch 06.10.2015
2.
Ich bin erschüttert! Wurde schon ein Spendenkonto zur Unterstützung der Familie eingerichtet?
mrotz 06.10.2015
3.
Was wieder einmal zeigt, daß Vermögen nichts wert ist. Man müsste die Liquiden mittel Vergleichen, wenn man Reichtum ermitteln wollte. Wenn man eine kleinere Firma besitzt, so ist der Firmenwert schnell in den Millionen, wirklich Millionär (in dem Sinne, daß man sich eine große Villa mit zig Schnick-Schnack leisten kann) ist man aber nicht. PS die Quandts mögen trotzdem genug haben, aber solche Vermögensvergleiche sind irreal
leo19 06.10.2015
4. Die habe ihr Geld eben nicht auf dem Sparbuch liegen,
wo es von Merkel und Schäuble ausgeraubt wird.
womo88 06.10.2015
5. Alle tun mir leid ...
Diese Milliardäre, die in diesem Jahr Geld verloren haben, tun mir alle so leid! Um wenigstens einen kleinen Solidaritätsbeitrag zu leisten, könnte SPON doch einen Spendenaufruf starten für notleidende Milliardäre. War es nicht Frau Schaeffler, die mal fürchterlich geheult hat, weil sie so arm war?
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