Reichste Deutsche Güldener Gerstensaft

Ganz schön was zusammengebraut, Herr Schadeberg. Vor allem ihrem Premium-Pils namens Krombacher verdankt die Familie jene 1,5 Milliarden Mark, auf die sie heute geschätzt wird.


Hamburg - Statt "edle Metalle" aufzuspüren, wie es ihm sein Fürst aufgetragen hatte, fand Berginspektor Fresenius anno 1722 nur Felsquellwasser im Siegerländer Rothaargebirge - Enttäuschung allenthalben.

Dieses Wasser zu "vergolden", hat es allerdings die Familie Schadeberg trefflich verstanden - geschätztes Vermögen: 1,5 Milliarden Mark und Platz 78 im manager-magazin-Ranking der reichsten Deutschen. Seit Generationen vergärt sie das kostbare Nass mit Hopfen, Malz und Hefe zu einem Pilsener, das unter dem Namen Krombacher längst eines der beliebtesten Biere im Land ist. Und seine Brauer zu den wohl Reichsten ihrer Zunft gemacht hat.Für den Aufstieg der kleinen Landbrauerei im idyllischen Kreuztal-Krombach zur Premium-Pils-Braustätte ersten Ranges stehen zwei Namen: Friedrich Schadeberg und Günter Heyden - Brauer von der Pieke auf der eine, exzellenter Marketing-Stratege der andere.Vor rund fünfzig Jahren tritt der heute 80-jährige studierte Brauingenieur Schadeberg in das Familienunternehmen ein, das er 1961 zu gleichen Teilen mit seiner Schwester Barbara übernimmt. Rasch und als einer der ersten konzentriert er sich darauf, Bier nur nach Pilsener Art zu brauen. Zugleich bewirbt er sein Krombacher von Beginn an wie einen klassischen Markenartikel - zu einer Zeit, als Kampagnen noch Reklame heißen und Bier sich nur auf die Leberwerte, nicht aber auf das Image des Trinkenden auswirkt. Anders als manche Konkurrenten jedoch inszeniert Schadeberg sein Premium-Pils niemals als Lifestyle-Produkt. Mit Impressionen von Wäldern und Seen vermarktet er das Ergebnis seiner Braukunst bis heute - bieder und altbacken, wie einige Kritiker befinden.Doch der Erfolg gibt ihm Recht. Mitte der fünfziger Jahre stößt das Traditionshaus erstmals mehr als 100.000 Hektoliter Bier per anno aus. Stetig erweitert der junge Chef den Vertrieb, vorzugsweise gen Ruhrgebiet, stetig wächst der Absatz. Zu Beginn der achtziger Jahre aber erlebt auch die nun nicht mehr kleine Privatbrauerei schwächere Jahre, die Produktion fällt auf knapp über eine Million Hektoliter zurück.Die Wende kommt mit einem neuen Mann, Günter Heyden. Von 1980 an führt der ehemalige Melitta-Marketing-Chef die Brauerei. Sowohl beim weiteren Ausbau der Distribution über das gesamte Bundesgebiet und des Absatzweges Gastronomie als auch bei der Führung der Marke stellt Heyden sein Können unter Beweis. Sein Traumziel, die Fünf-Millionen-Liter-Marke, verfehlt aber auch der inzwischen 61 Jahre alte Heyden. Im Geschäftsjahr 2000 schenken die 762 Mitarbeiter der Brauerei insgesamt rund 4,8 Millionen Hektoliter Gerstensaft aus, darunter etwa 4,7 Millionen Hektoliter Krombacher Pils, die "Perle der Natur". Ihr Umsatz: 830 Millionen Mark.Unter Heydens Ägide fällt auch das verstärkte Werbe-Engagement der Krombacher im Bereich Sport, bevorzugt im Fußball. Der Fernsehauftritt des Hauses im Vorfeld vieler Spiele ist heute ebenso wenig wegzudenken wie die "Krombacher Elf". Von der Konkurrenz anfangs milde belächelt, hat der echte Fußballkenner die Botschaft der unkonventionellen Kiste sofort verstanden: Meine "elf Freunde sollt ihr sein". Christian Keun, manager-magazin.de



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