Reichste Deutsche Virtuose der höheren Bilanzkunde

Ein Mann mit zwei Gesichtern: Privat "liebenswürdig und charmant", hat Dieter Bock sein Vermögen als kalt berechnender Spekulant gemacht.


Sieht sich als Investor, gilt anderen als Spekulant: Dieter Bock

Sieht sich als Investor, gilt anderen als Spekulant: Dieter Bock

Bis an sein Lebensende verfluchte Roland Rowland den Tag, an dem er Dieter Bock kennen gelernt hat. Im Herbst 1992 hatte der Patriarch der "London and Rhodesian Mining and Land Company", kurz Lonrho, den "sympathischen" Deutschen höchstpersönlich an Bord geholt. Und nur drei Jahre später besaß Bock die Unverfrorenheit, ihn, den Konzernbaumeister, einfach vor die Tür zu setzen. Dabei habe Bock "nichts, rein gar nichts" für die Company getan, grollte der damals 77-Jährige.

Roland hätte wissen können, dass er sich mit Bock keinen Wohltäter, sondern einen überaus gewieften Geschäftsmann ins Haus holte. Denn dem Frankfurter Immobilienmogul und Aktienspekulanten eilte schon bei seinem Lonrho-Engagement der Ruf voraus, ein ganz "raffinierter Fuchs" zu sein. Dabei hatte die Karriere von Dieter Bock, 1939 in Dessau geboren, eher zufällig und unspektakulär begonnen.

Zum Anfang eine Immobilie

1974 sucht der junge Jurist und Steuerberater, der mit den Familienersparnissen kurz zuvor seine erste Firma, die Bilanz und Steuer AG, gegründet hat, in München geeignete Mieträume. Er wird fündig. Statt zu mieten, kauft er allerdings gleich das ganze Haus. Der Preis: Eine kleine Leibrente für den Eigentümer.

Wie Bock schnell erkennt, eignet sich der Handel mit Immobilien hervorragend, um legal viel Steuern zu sparen. Er bleibt dabei, gilt bei Insidern rasch als "Virtuose der höheren Bilanzkunde" und dehnt seine Aktivitäten schnell auf ganz Deutschland, die USA und Südafrika aus. 1986 bündelt Bock seine Aktivitäten in der Immobilienfirma Advanta.

Zu dieser Zeit erschließt sich der umtriebige Immobilienmakler, der inzwischen schon ein kleines Vermögen gemacht hat, ein neues Betätigungsfeld: den Handel mit Aktien. 1988 erwirbt Bock ohne großes Aufsehen zehn Prozent der Holzmann-Papiere, wenig später engagiert er sich in Dywidag und Tilbury. Alle Pakete stößt er rasch und stets mit stolzem Gewinn wieder ab.

Der große Wurf: Lonrho

1992 dann folgt sein Einstieg bei Lonrho. Teils auf Kredit, teils mit eigenem Geld kauft Bock für rund 330 Millionen Mark

mehr als 140 Millionen Anteilsscheine des angeschlagenen Mischkonzerns, zu dem neben Hotels und Minen auch Verlage und Farmen gehören.

Nach Ansicht von Bock ist das Unternehmen "eigentlich in Ordnung", nur sei der Ruf ruiniert. 1995 wirft er Gründer Rowland raus. Den Ruf des Konzerns hat der neue Alleinherrscher bald so weit wieder hergestellt, dass er seine Beteiligung 1996 der Bergwerksgesellschaft Anglo American andienen kann - für rund das Doppelte seines eigenen Einsatzes. Heute wird Bocks Vermögen auf 1,2 Milliarden Mark taxiert, Platz 85 im Ranking der reichsten Deutschen.

Christian Keun, manager-magazin.de



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