Reichtumsbericht Weltweite Vermögen wachsen rasant

Das globale Geldvermögen vermehrt sich immer schneller. Im vergangenen Jahr wuchs es um mehr als acht Prozent - auf insgesamt 111 Billionen Euro. Die ärmeren Weltregionen holen auf, während in Deutschland die Zahl der Armen steigt.

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Hamburg - Die privaten Vermögen weltweit sind im vergangen Jahr wieder deutlich schneller gewachsen als in den Jahren zuvor: Auf 111 Billionen Euro legte das Brutto-Geldvermögen zu, das sind gut acht Prozent mehr als 2011.

Die Vermögenstudie der Allianz, der "Global Wealth Report 2013", zeigt aber auch, das sich vor allem jene über einen kräftigen Zuwachs freuen konnten, die ihr Geld in Aktien angelegt haben. Die Börsenkurse legten 2012 wieder deutlich zu, das in Wertpapieren investierte Vermögen wuchs dementsprechend deutlich um durchschnittlich 10,4 Prozent.

Wer sein Geld dagegen auf die Bank legte, egal ob aufs Sparbuch, Festgeld- oder Tagesgeldkonto, bekam am wenigsten: Die Bankeinlagen wuchsen im Durchschnitt lediglich um 6,7 Prozent. Trotzdem setzen die meisten Anleger auf klassische Sparformen, das Wertpapiervermögen lag 2012 immer noch niedriger als vor Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007. Für ihren "Global Wealth Report" hat die Allianz Daten aus 52 Ländern ausgewertet, die rund 90 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und zwei Drittel der Weltbevölkerung abdecken.

Während die Vermögen im vergangenen Jahr wieder schneller gewachsen sind, legten die Schulden deutlich langsamer zu: Im Jahresverlauf 2012 kletterte die Schuldenlast weltweit um 2,9 Prozent - in den zehn Jahren zuvor waren es im Durchschnitt 5,5 Prozent pro Jahr. Auch hier zeigen sich allerdings deutliche regionale Unterschiede: Während die Schulden der Privathaushalte in Lateinamerika und Asien seit 2007 mit bis zu 17 Prozent jährlich steigen, sanken die Verbindlichkeiten in US-Haushalten sogar.

Weiterhin sind die Vermögen extrem ungleich verteilt, aber die ärmeren Regionen haben etwas aufgeholt: die Vermögen in Asien (ohne Japan), Lateinamerika und Osteuropa wuchsen deutlich - im Unterschied zu Westeuropa und Nordamerika. Aber auch die Deutschen waren im vergangenen Jahr mit einem Brutto-Geldvermögen, also ohne Abzug von Schulden, von mehr als 4900 Milliarden Euro so reich wie nie.

Die Allianz teilte für ihren "Global Wealth Report 2013" die Länder in Reichtums-Quintile ein, also in ein reichstes Fünftel, ein ärmstes Fünftel und drei Zwischenklassen. Dabei wird deutlich, wie groß die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind: Die weltweit reichsten 20 Prozent haben im Durchschnitt 87.200 Euro auf dem Konto oder im Depot und vereinen mehr als zwei Drittel des globalen Vermögens, während die ärmsten 20 Prozent im Ermessungsgebiet im Schnitt nur 1100 Euro besitzen.

Einteilung der Länder nach deren Netto-Geldvermögen pro Kopf in Quintile

1. Quintil 2. Quintil 3. Quintil 4. Quintil 5. Quintil
Brasilien Kroatien Finnland Schweden Schweiz
Rumänien Neuseeland Spanien Dänemark USA
Peru Ungarn Slowenien Israel Japan
Russland Mexiko Griechenland Italien Belgien
Türkei Polen Chile Frankreich Niederlande
Kolumbien Slowakei Norwegen Österreich Kanada
Thailand Litauen Tschechische Rep. Deutschland Singapur
Ukraine China Malaysia Irland Taiwan
Argentinien Bulgarien Estland Portugal Großbritannien
Indien Lettland Südafrika Südkorea Australien
Indonesien
Kasachstan

Quelle: Allianz Global Wealth Report 2013

Dem Report zufolge gibt es aber Hoffnung: die globale Vermögensmittelschicht, zu der laut Allianz Personen zählen, die zwischen 4900 und 29.200 Euro besitzen, ist demnach 2012 um 140 Millionen Menschen gewachsen. Insgesamt zählen damit 18 Prozent der Weltbevölkerung zur globalen Vermögensmittelklasse. Als Grund für das rasante Wachstum im vergangenen Jahr nennt die Studie vor allem die Entwicklung in China, wo die Gruppe der Armen um mehr als 300 Millionen Menschen zurückgegangen ist.

Spiegelbildlich verläuft diese Entwicklung in Westeuropa und Nordamerika: Hier ist die Zahl der Menschen, die weniger als 4900 Euro auf der hohen Kante haben, um fast siebzig Millionen gestiegen: mittlerweile gehören im Euro-Raum 30 Prozent der Einwohner zu dieser Gruppe der relativ Armen - so wie weltweit mehr als dreieinhalb Milliarden Menschen.

Geldvermögen nach Ländern

Land Brutto-Geldvermögen Netto-Geldvermögen BIP
Weltanteil in % in Mrd. Euro 2012, in % pro Kopf in Euro pro Kopf in Euro pro Kopf in Euro
USA 37,91 42.169 8,4 132.813 100.711 37.527
Japan 12,58 13.991 3,2 109.947 83.610 32.833
China 7,61 8.463 19,6 6.146 4.719 4.529
Großbritannien 5,04 5.605 5,8 89.277 58.905 30.309
Deutschland 4,44 4.940 4,9 61.437 41.954 32.891
Frankreich 3,80 4.228 5,1 66.128 44.306 31.790
Italien 3,34 3.718 4,5 61.062 45.770 25.749
Kanada 3,29 3.655 8,0 104.916 66.553 39.772
Australien 2,38 2.651 14,7 114.990 57.401 50.688
Niederlande 1,78 1.984 8,3 118.709 68.756 35.917
Taiwan 1,59 1.764 6,8 75.648 65.076 15.705
Südkorea 1,58 1.761 7,9 35.935 19.181 18.602
Schweiz 1,57 1.744 6,2 218.098 141.895 61.467
Spanien 1,53 1.706 1,0 36.485 17.211 22.493
Brasilien 1,14 1.272 14,5 6.403 2.730 8.189
Indien 0,94 1.043 22,1 843 747 1.120
Belgien 0,92 1.026 7,1 92.810 73.523 34.118
Schweden 0,79 879 9,8 92.462 54.065 43.626
Mexiko 0,78 867 11,5 7.176 6.111 7.452
Dänemark 0,59 659 8,1 117.713 53.374 43.320
Österreich 0,47 524 3,6 61.910 41.985 36.579
Singapur 0,46 515 10,4 97.186 66.403 40.373
Südafrika 0,45 501 17,1 9.565 7.016 5.438
Israel 0,43 475 7,9 62.160 49.394 24.114
Russland 0,41 453 17,9 3.164 1.705 10.224
Norwegen 0,37 414 7,9 82.842 10.589 79.254
Malaysia 0,37 410 11,1 14.007 7.803 7.960
Portugal 0,35 388 1,1 36.582 20.930 15.603
Polen 0,30 338 9,8 8.854 5.221 10.317
Irland 0,29 320 3,7 70.029 29.978 35.580
Thailand 0,28 316 22,7 4.732 1.459 4.246
Indonesien 0,25 277 20,6 1.123 695 2.616
Chile 0,24 267 9,2 15.277 10.970 11.902
Griechenland 0,23 259 -1,5 23.261 10.977 18.078
Türkei 0,22 248 9,0 3.354 1.614 8.255
Finnland 0,21 237 1,8 43.744 18.714 35.915
Tschechische Republik 0,15 163 6,8 15.297 10.096 14.518
Kolumbien 0,14 160 11,1 3.345 1.505 5.928
Neuseeland 0,13 150 9,5 33.586 6.718 29.199
Ungarn 0,09 99 3,8 9.901 6.534 10.052
Rumänien 0,08 84 0,5 3.853 2.327 6.192
Peru 0,07 81 14,9 2.708 2.191 5.254
Ukraine 0,07 77 8,0 1.691 1.303 2.752
Argentinien 0,07 76 32,1 1.839 1.200 7.678
Slowakei 0,04 50 8,1 9.182 5.009 13.379
Kroatien 0,04 48 5,7 11.056 6.791 10.425
Bulgarien 0,04 45 8,7 6.158 4.460 5.473
Slowenien 0,03 38 -0,7 18.181 12.258 17.494
Kasachstan 0,02 26 19,6 1.619 630 9.3
Litauen 0,02 24 7,2 8.039 4.873 10.750
Estland 0,02 19 11,1 14.874 7.674 13.179
Lettland 0,01 14 18,4 6.823 2.918 10.491

Quelle: Allianz Global Wealth Report 2013

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insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
ballaststoffel3 24.09.2013
1. Alles klar...
Zitat von sysopREUTERSDas globale Geldvermögen vermehrt sich immer schneller. Im vergangenen Jahr wuchs es um mehr als acht Prozent - auf insgesamt 111 Billionen Euro. Die ärmeren Weltregionen holen auf, während in Deutschland die Zahl der Armen steigt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/reichtumsbericht-geldvermoegen-legen-laut-global-wealth-report-zu-a-924175.html
Hatte nicht die CDU gesagt, dass es Deutschland gut gehe, und uns alle Nachbarländer bestaunen??? Wie passt das zusammen?
wurzelbär 24.09.2013
2. Glaube Geld Illusion Volk
Zitat von ballaststoffel3Hatte nicht die CDU gesagt, dass es Deutschland gut gehe, und uns alle Nachbarländer bestaunen??? Wie passt das zusammen?
Die Politik sind berufsmäßige Lügner, auf die der intelligenzbefreite Bürger immer wieder herein fällt, zu seinem Schaden! Geld – ist eine einfache, erfundene Wertillusion die der Mensch selbst erlegen ist. Damit der Mensch auch an diese Wertillusion glauben, sie spüren und festhalten kann, wurden dafür Münzen und Scheine bereit gestellt. Die Menschen benötigen diese, um mit dieser Wertillusion anderen Menschen ihren Arbeits-, u. Lebensleistungen zu tauschen, umzuverteilen und zu berauben. Je mehr man von dieser Wertillusion besitzt, je leichter ist es, an wirkliche, geschaffene, reale Werte zu kommen. Banken stellen diese Wertillusion den Menschen zur Verfügung (also ein NICHTS) und der Mensch setzt dafür einen wirklichen, realen Wert ein, (Haus, Arbeitsleistung, etc.) den nur der, der sie einsetzt verlieren kann. Die Bank kann nie etwas verlieren, da sie ja nur den „Glauben an diese Wertillusion“ verleiht, bedrucktes Papier und gepreßtes Metall! Das erkennt man am „Reichtum“ der politischen Gesellschaftsschicht, wirtschaftliche Mittäter, den Banken und der kontinuierlichen Verarmung des Volkes die diese primitive, aber wirkungsvolle Art noch nicht erkannt haben. Es ist ein in sich geschlossener Kreislauf, bei dem es nur darum geht, auf welcher Stelle man sich bewegt. Nur das politische System hat das gesetzliche Recht, die arbeitsamen Volksversklavten finanziell auszurauben, (Zwangsabgabenleistung/Steuern) alles andere wird mit Betrug bestraft.
JB1969 24.09.2013
3.
Naja, die Proponenten der Besserverdienenden sind ja schon mal davongejagt. Typisch CDU ist es eben, Milliarden für die Herdprämie zum Fenster rauszuschmeißen, während das Land immer ärmer wird. In Deutschland gibt es eine strukturelle linke Mehrheit. Wenn Murkselmutti nicht bald was gegen soziale Ungerechtigkeit tut, wird diese langsam mal aktiv werden müssen. Jedenfalls wird ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn jetzt so sicher kommen wie das Amen in der Kirche. Mit Grün oder mit Rot. Aber Murkselmuttis Strategie scheint ja nach wie vor zu sein, dass die ihr hörigen Massenmedien, bis hin zum Spiegel, die einseitige Hofberichterstattung fortsetzen und so das Volk in Dummheit halten...
verhetzungsschutz 24.09.2013
4. Zinsspiel von Jerusalem
Zitat von sysopREUTERSDas globale Geldvermögen vermehrt sich immer schneller. Im vergangenen Jahr wuchs es um mehr als acht Prozent - auf insgesamt 111 Billionen Euro. Die ärmeren Weltregionen holen auf, während in Deutschland die Zahl der Armen steigt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/reichtumsbericht-geldvermoegen-legen-laut-global-wealth-report-zu-a-924175.html
Wenn die Geldvermögen innerhalb eines Jahres um 8 Prozent zulegen, bedeutet das ganz einfach, daß sich jetzt die Vermögenden ohne jede eigene Anstrengung damit 8 Prozent mehr Dinge kaufen können. Nun die Intelligenzfrage: sind denn auch 8 Prozent mehr Dinge vorhanden, die mit 8 Prozent mehr Beschäftigten hergestellt wurden? Oder fehlen ein paar Sitze im Zinsspiel von Jerusalem? Schaffen wir es alle, nächstes Jahr wieder ganz überrascht zu wirken?
cato-der-ältere 24.09.2013
5. Arme in Deutschland
Mehr Arme in Deutschland sind doch gut für "uns"! Das macht "uns" wettbewerbsfähiger, die Arbeitnehmer kuschen und die Leistungsträger bekommen günstig ihr Personal für Kloputzen, Oma pflegen und so. Das ist zumindest aktueller Konsens, auch von Mutti, die wir jetzt noch mal 4 Jahre genießen dürfen, obwohl 60% sie nicht gewählt haben. Danke liebe Mainstream-Medien!
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