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Reichtumsstudie: Millionärsvermögen schrumpfen in der Krise

Von Esther Wiemann

Die Rezession trifft den globalen Geldadel. Laut einer aktuellen Studie gibt es weltweit weniger Reiche und Superreiche - vor allem in den USA und in Großbritannien schrumpften die Vermögen. Glimpflicher kamen deutsche Millionäre davon.

Hamburg - Die Rezession hinterlässt Spuren im Vermögen der globalen Geldelite: Wegen der Finanzkrise ist die Zahl der Dollar-Millionäre im vergangenen Jahr um rund 15 Prozent geschrumpft. Ihr Gesamtvermögen sank im gleichen Zeitraum um 19,5 Prozent auf rund 33 Billionen US-Dollar. Das ist das Ergebnis des World Wealth Report 2009, einer Studie der Investmentbank Merrill Lynch Chart zeigen und der Unternehmensberatung Capgemini.

Millionärsmesse: Weniger Reiche weltweit
REUTERS

Millionärsmesse: Weniger Reiche weltweit

Damit kehrt sich ein Trend um. In den vergangenen Jahren war die Zahl der Millionäre laut der Untersuchung noch kontinuierlich gestiegen. Mittlerweile liege sie aber wieder unter dem Niveau von 2005.

Weltweit haben demnach vor allem die Superreichen gelitten, die über ein Vermögen von mehr als 30 Millionen Dollar verfügen. Insgesamt gibt es inzwischen fast ein Viertel weniger Menschen mit so viel Geld, ihr Gesamtvermögen ging um 23,9 Prozent zurück.

Vor allem in den USA ist die Zahl der Millionäre um 18,5 Prozent eingebrochen. In Europa sind 14,4 Prozent weniger Menschen so reich. Dabei variiert die Millionärsdichte zwischen den EU-Mitgliedstaaten: In Großbritannien ging die Millionärsquote zum Beispiel um 26,3 Prozent zurück. In Frankreich gibt es dagegen 12,6 Prozent weniger Menschen mit mehr als einer Million Dollar.

Die Deutschen sind verglichen mit dem Rest der Welt noch relativ glimpflich davongekommen. Rund 810.000 Menschen besitzen hierzulande mehr als eine Million Dollar Finanzvermögen. Ende 2007 waren es noch etwa 833.000 und damit rund 2,7 Prozent mehr. Der Grund für den vergleichsweise überschaubaren Rückgang: Die deutschen Millionäre haben der Studie zufolge deutlich konservativer und in weniger risikoreiche Wertanlagen investiert.

Der Großteil der reichen Menschen lebt noch immer in den westlichen Industrieländern. Auf Platz eins liegen die USA (fast 30 Prozent), gefolgt von Japan und Deutschland. Zusammen wohnen hier 54 Prozent aller Millionäre. Immerhin hat China in puncto Millionärsdichte Großbritannien abgelöst und liegt schon auf Platz vier.

Im asiatischen Raum leben allerdings immer noch mehr als 50 Prozent der Millionäre in Japan. Mit einem Rückgang von 9,9 Prozent hat es die Japaner verglichen mit Hongkong (minus 61,3 Prozent) und Indien (minus 31,6 Prozent) weniger hart getroffen. Grund hierfür ist, dass 2007 schon ein wirtschaftlich schwieriges Jahr für Japan war - das Land konnte also im Zeitraum 2007 bis 2008 nicht mehr so tief fallen.

Insgesamt haben die Millionäre aus den Turbulenzen gelernt: Viele haben Konsequenzen aus dem Finanzmarkt-Crash gezogen - laut Studie konzentrierten sie sich im Jahr 2008 vor allem auf den Erhalt ihres Vermögens und nicht auf die Wertsteigerung. Weltweit wurde weniger in Aktien angelegt. Die Reichen fokussierten sich dafür stärker auf festverzinsliche Werte und Barmittel. Etwas mehr Geld wurde außerdem in Grundstücke und Immobilien investiert.

Die Zukunft für die Vermögenden sieht allerdings wieder rosiger aus. Sobald sich die globale Weltwirtschaft erhole, werde es auch wieder mehr Millionäre geben. Bis 2013 soll das Vermögen der Reichen und Superreichen insgesamt 48,5 Billionen Dollar betragen, bei einem Wachstum von jährlich 8,1 Prozent. Die Region Asien/Pazifik werde Nordamerika dann vermutlich mit dem größten Millionärsreichtum überholen.

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Reichtum: Immer weniger Millionäre


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