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Rekord-Ölpreis: Stagflationsangst macht Anleger nervös

Kursrutsch an der Frankfurter Börse: Der Dax gibt am Vormittag mehr als ein Prozent ab, bei Anlegern herrscht Angst vor Stagflation - einer Mischung aus Inflation und Nullwachstum. Der Ölpreis schießt auf ein neues Rekordhoch von fast 142 Dollar.

Frankfurt am Main - Der hohe Ölpreis drückt den Deutschen Aktienindex Dax Chart zeigen deutlich ins Minus. Die anfänglichen Verluste weiteten sich im Verlauf des Handels massiv aus, am Vormittag notierte der Leitindex mehr als 1,5 Prozent im Minus. Der S-Dax der kleineren Werte verlor ebenfalls rund 1,5 Prozent, der M-Dax der mittelgroßen Unternehmen sackte sogar mehr als zwei Prozent ab.

Börse in Frankfurt: Das Schlüsselwort heißt Stagflation
DPA

Börse in Frankfurt: Das Schlüsselwort heißt Stagflation

Größte Sorge bereitet den Anlegern der hohe Ölpreis. Am Vormittag kostete ein Barrel Leichtöl der Sorte WTI bis zu 141,71 Dollar - so viel wie nie zuvor. Am gestrigen Donnerstag hatte der Ölpreis erstmals die 140-Dollar-Marke geknackt. Auf einen neuen Rekordstand kletterte auch Rohöl der Sorte Brent. In der Spitze kostete es 141,98 Dollar, rund zwei Dollar mehr als am Vortag. Der Präsident der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), Chakib Khelil, hatte am Donnerstag einen Ölpreis von bis zu 170 Dollar im Sommer prognostiziert.

Das Schlüsselwort, das an der Börse nun immer öfter fällt, heißt Stagflation: schwaches Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger Inflation.

Genau dieses Phänomen könnte weite Teile der Welt erfassen, vor allem die USA und Europa. Denn zusammen mit den steigenden Lebensmittelpreisen treibt der hohe Ölpreis die Inflation immer weiter in die Höhe. Nach ersten Schätzungen könnte sie . In Japan sind die Verbraucherpreise im Mai um 1,3 Prozent gestiegen - so kräftig wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. In Spanien sprang die Inflation im Juni sogar auf 5,1 Prozent.

Das Problem: Niemand kann etwas dagegen tun - und das verunsichert die Aktienmärkte. Normalerweise würden die Notenbanken die Zinsen erhöhen, um so die Inflation zu bekämpfen. Bei Stagflation jedoch sind der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank die Hände gebunden: Höhere Zinsen würden das ohnehin schwache Wirtschaftswachstum abwürgen.

Die Währungshüter stecken also in einer Zwickmühle. Sie müssen mehr oder weniger tatenlos zusehen, wie die steigenden Preise den Bürgern immer mehr Kaufkraft entziehen. So müssen die Verbraucher immer mehr Geld für Energie ausgeben und haben immer weniger für andere Ausgaben zur Verfügung.

Den Aktienkursen der allermeisten Unternehmen tut das überhaupt nicht gut. Negativbeispiel in den USA ist General Motors Chart zeigen. Die Anteilsscheine des US-Autokonzerns sanken am Donnerstag auf ein 53-Jahres-Tief.

"Selbst die größten Optimisten haben erkannt, dass wir nicht wissen, wann sich die Wirtschaft wieder zum Besseren entwickeln wird", sagt Andy Brooks von T. Rowe Price in der "Financial Times". "Was für ein brutaler Tag." Der amerikanische Dow Jones Index rutschte am Donnerstag so tief wie seit September 2006 nicht mehr und schloss bei einem Minus von mehr als drei Prozent.

In Asien setzte sich die Entwicklung am frühen Freitagmorgen fort. Der Nikkei-Index verlor bis Handelsschluss zwei Prozent, der breiter gefasste Topix-Index büßte 1,8 Prozent ein. Zu den Verlierern zählten vor allem Exportwerte wie Toyota Chart zeigen und Sony Chart zeigen. Indiens Leitindex Sensex ist im frühen Handel um über 3,5 Prozent eingebrochen.

Mit ein Grund für die düstere Stimmung sind auch neue Sorgen über den Finanzsektor. Nach einer kurzfristigen Beruhigung mehren sich die Zeichen, dass die internationale Kreditkrise keineswegs ausgestanden ist. In den USA machten am Donnerstagabend Spekulationen die Runde, wonach die Notenbank Fed die Vorgaben lockern könnte, die den Einstieg von Finanzinvestoren bei Banken regeln. Auf diese Weise soll es den Instituten offenbar ermöglicht werden, mehr Kapital anzuziehen, schreibt die "Financial Times". Die Märkte nahmen das Gerücht allerdings gar nicht gut auf: Wenn nun schon Finanzinvestoren zugelassen werden, um die Banken zu retten - wie schlimm muss es dann erst stehen?

Finanzwerte gehörten denn auch zu den größten Verlierern. Die Aktien des größten japanischen Kreditinstituts Mitsubishi UFJ sackten drei Prozent ab. Ähnlich sah es zuvor in den USA aus, nachdem die Investmentbank Goldman Sachs weitere Milliardenabschreibungen bei den Konkurrenten Citigroup Chart zeigen und Merrill Lynch Chart zeigen vorausgesagt hatte.

wal/Reuters/AP/dpa-AFX

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