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Rekordhoch: Ölpreis knackt 140-Dollar-Marke

Der Höhenflug des Ölpreises ist nicht zu stoppen: In New York und London hat der Preis für ein Barrel die Marke von 140 US-Dollar überschritten. Die Opec rechnet noch für diesen Sommer sogar mit Preisen bis zu 170 Dollar.

New York - Der Ölpreis ist am Donnerstag auf ein neues Rekordhoch gestiegen. In New York stieg der Preis der Referenzsorte "Light Sweet Crude" um 5,50 Dollar auf 140,05 Dollar. In London kostete ein Fass "Brent North Sea Crude" 140,38 Dollar. Anschließend gingen die Preise wieder etwas zurück.

Ölförderung in Kalifornien: "Preise bis zu 170 Dollar"
Getty Images

Ölförderung in Kalifornien: "Preise bis zu 170 Dollar"

Als Grund wurde die Dollar-Schwäche gegenüber dem Euro angeführt. Öl wird in der US-Währung bezahlt, weshalb ein schwächerer Dollar die Ölnachfrage aus Nicht-Dollar-Ländern ankurbelt. Dazu kamen Spekulationen über weiter rasant steigende Ölpreise. Diese nährte die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ."Ich rechne mit Preisen von 150 bis 170 Dollar im Laufe des Sommers", sagte der Opec-Generalsekretär Tschakib Chelil dem französischen Sender France 24.

Kurzfristig hänge "alles" von der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihrer Entscheidung über eine mögliche Zinserhöhung ab. "Dann, glaube ich, wird der Ölpreis steigen", sagte Chelil. Experten erwarten, dass die EZB ihre Zinsen demnächst anhebt, um der Inflation einen Riegel vorzuschieben. Dies könnte den Euro gegenüber dem Dollar weiter stärken. Die EZB will am kommenden Donnerstag entscheiden.

Für weitere Unsicherheit sorgte der Chef der staatlichen Ölgesellschaft Libyens. Libyen hatte erklärt, eine Reduzierung der Fördermenge als eine Möglichkeit zu prüfen. Dies sei als Reaktion auf die jüngsten US-Drohungen gegen die ölexportierenden Staaten denkbar, sagte der ranghohe Regierungsvertreter Schokri Ghanem der Nachrichtenagentur Reuters. Konkrete Pläne gebe es derzeit aber nicht. "Wir prüfen alle Optionen", erklärte er lediglich und verwies darauf, dass die Förderländer vor den US-Einmischungsversuchen geschützt werden müssten. Im amerikanischen Kongress kursiert derzeit eine Vorlage, wonach es dem Justizministerium erlaubt sein soll, Opec-Staaten zu verklagen. Das US-Präsidialamt hat aber ein Veto angekündigt.

Unterdessen gehen Händler davon aus, dass die Heizölpreise trotz einer leichten Entspannung am Markt bis Ende des Jahres nicht spürbar sinken werden. Neben einem relativ niedrigen Angebot an Öl drückten der traditionell hohe Spritverbrauch in den Sommermonaten und voraussichtlich von Herbst an die beginnende Heizsaison auf die Preise, sagte der Zweite Vorsitzende des Verbandes für Energiehandel (VEH) Südwest-Mitte, Bernd Schilly, in Stuttgart. Derzeit koste der Liter Super-Heizöl etwa 97 Cent. Im vergangenen halben Jahr sei der Heizölpreis um ein Viertel gestiegen.

Knappe Kapazitäten - Ölförderung in der Opec *
Förderung
im April 2008
vorhandene
Kapazitäten
Algerien 1,38 1,40
Indonesien 0,86 0,88
Iran 3,93 4,02
Kuweit 2,59 2,62
Libyen 1,76 1,80
Nigeria 1,86 2,47
Katar 0,83 0,90
Saudi Arabien 9,05 10,90
Ver. Arab. Emirate 2,65 2,88
Venezuela 2,32 2,50
Angola 1,82 1,82
Ecuador 0,50 0,50
Irak 2,34 2,45
* in Millionen Barrel pro Tag
Quelle: Internationale Energieagentur

amz/dpa/Reuters/AFP/AP

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