Rekordpleite Bankenaufsicht schließt kalifornische Hypothekenbank

Größter Banken-Crash in den USA seit 1984: Die US-Aufsichtsbehörde hat die kalifornische Hypothekenbank IndyMac in Folge der Kreditkrise geschlossen. Experten rechnen mit einem Schaden in Höhe von bis zu acht Milliarden Dollar.


Los Angeles - John Reich, Leiter der US-Behörde für die Sparkassenaufsicht, erklärte am Freitag: "Dieses Institut ist heute einer Liquiditätskrise zum Opfer gefallen." Sämtliche Bankgeschäfte wurden mit sofortiger Wirkung an die staatliche Bundeseinlagensicherung (FDIC) übertragen. Die FDIC richtete eine Telefon-Hotline für Kundenanfragen ein. Über die Einlagensicherung werden Guthaben bis zu 100.000 Dollar je Person abgedeckt. Die FDIC rechnet mit einer Belastung von vier bis acht Milliarden Dollar.

Kunden vor einer IndyMac-Filiale (in Burbank, Kalifornien): Drastischer Vertrauensverlust
REUTERS

Kunden vor einer IndyMac-Filiale (in Burbank, Kalifornien): Drastischer Vertrauensverlust

Der Zusammenbruch von IndyMac ist der größte Banken-Crash in den USA seit dem Kollaps der Continental Illinois National Bank vor 24 Jahren.

Ende März verfügte IndyMac über Einlagen von 19,06 Milliarden Dollar. Das Institut ist wie viele andere in den Sog der Immobilienkrise geraten, nachdem im Spätsommer 2007 viele Kreditverträge für Häuser nicht mehr bedient werden konnten.

Die Krise bei IndyMac spitzte sich zu, als der demokratische Senator Charles Schumer am 26. Juni vor einem drohenden Kollaps des Instituts warnte und die Aufsichtsbehörden aufforderte, etwas zu unternehmen. Innerhalb von elf Tagen nach der Veröffentlichung von Schumers Brief hoben IndyMac-Kunden mehr als 1,3 Milliarden Dollar ab, was die Kassen der Bank weiter ausgedünnt hat.

Am vergangenen Montag teilte IndyMac dann mit, dass es keine neuen Kreditanträge mehr annehme und 3800 der 7200 Arbeitsplätze abbauen werde. Vorstandschef Michael Perry erklärte, mit Hilfe dieser drastischen Maßnahmen solle IndyMac sicher durch die Krise geführt werden. Doch die Kunden machten nicht mit: Sie zogen ihre Einlagen ab, durchkreuzten damit die Strategie der IndyMac-Spitze und veranlassten die Bankenaufsicht zum Handeln.

Aufsichtsbehörden-Chef Reich bemängelte, Senator Schumer habe durch seinen offenen Brief zu der Panik der Kunden beigetragen. Schumer konterte, die Aufsichtsbehörde hätte die "zweifelhaften Kreditvergabepraktiken" der Bank nicht so lange hinnehmen dürfen.

Bereits nach Kursstürzen der beiden größten US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Macsagte die Regierung in Washington den Finanzinstituten Unterstützung zu. Der US-Senat beschloss eine Gesetzesvorlage mit Garantien für Immobilienkredite im Wert von rund 300 Milliarden Dollar.

Eine abschließende Einigung auf gesetzliche Maßnahmen zur Regulierung der Kreditkrise ist jedoch nicht absehbar - das Weiße Haus ließ mitteilen, dass die Vorlage auf die Interessen der Banken zugeschnitten sei und den verschuldeten Hausbesitzern nicht helfe, das Repräsentantenhaus verfolgt eigene Gesetzespläne.

Die Aktien von Fannie Mae und Freddie Mac waren am Freitag an der New Yorker Börse zeitweise um mehr als 50 Prozent eingebrochen, erholten sich aber im Börsenverlauf spürbar. Bei diesen beiden Immobilienfinanzierern werden rund 40 Prozent aller privaten Immobilienkredite in den USA verwaltet. Seit Anfang des Jahres haben Freddie-Mac-Aktie Chart zeigen bereits 87 Prozent an Wert verloren, Fannie-Mae-Papiere büßten um bis zu 80 Prozent ein.

kaz/AP/AFP



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