Repatriierung Renault holt Clio-Produktion nach Frankreich zurück

Die Franzosen gehen wegen der Krise auf die Straße, Politik und Unternehmen reagieren: Der Autobauer Renault wird die Produktion des Clio teilweise wieder nach Frankreich holen - ließ der Industriestaatssekretär verkünden.


Paris - Normalerweise verkünden Unternehmen solche Entscheidungen selbst: Der Autohersteller Renault verlagert die Produktion eines Modells aus dem Ausland nach Frankreich zurück. Renault werde heute ankündigen, ein bisher im Ausland produziertes Fahrzeug wieder in einer französischen Fabrik herzustellen, teilte allerdings nicht der Konzern, sondern der französische Industriestaatssekretär Luc Chatel am Freitagmorgen im Radiosender Europe 1 mit. Dies werde im Werk Flins bei Paris "ungefähr 400 Arbeitsplätze" bringen.

Tatsächlich erklärte eine Renault-Sprecherin am Nachmittag, dass der Konzern die hohe Nachfrage nach dem Kleinwagen Clio durch eine zusätzliche Fertigung in Frankreich befriedigen will. Die Produktion des Clio in Slowenien sei vollständig ausgelastet, hieß es. Der Bau zusätzlicher Fahrzeuge in Flins werde keine Arbeitsplätze in Slowenien kosten, präzisierte das Unternehmen. An dem französischen Standort sollen von Juni bis Oktober nun etwa 8000 Exemplare des Modells Clio Campus gebaut werden.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte die Autobauer Renault Chart zeigen und PSA Peugeot Chart zeigen Citroën Anfang Februar aufgefordert, wegen der Wirtschaftskrise ins Ausland verlagerte Produktionsteile wieder nach Frankreich zu holen. Dies hatte insbesondere in Tschechien offene Verärgerung ausgelöst, wo es französische Produktionsstätten gibt.

Paris hatte seinen beiden Autobauern darauf im Februar zinsgünstige Kredite von jeweils drei Milliarden Euro zugesagt, um sie in der Wirtschaftskrise zu stützen. Diese verpflichteten sich laut Regierung im Gegenzug, in Frankreich auf Werksschließungen zu verzichten, was aber gleichfalls auf Proteste stieß. Deutschland warnte Frankreich vor Protektionismus und die EU-Kommission äußerte Bedenken gegen die Bedingung.

Streik und Proteste gegen Sarkozy

Die Regierung in Paris steht unter erheblichen Druck: Bis zu drei Millionen Menschen haben am Donnerstag in ganz Frankreich mit Streiks und Großkundgebungen gegen die Wirtschaftspolitik von Sarkozy protestiert. In Paris kam es am Abend zu Ausschreitungen, bei denen bis zu 600 Jugendliche Mülltonnen in Brand steckten und Polizisten mit Flaschen bewarfen.

Angesichts der Krise verlangten Gewerkschaften höhere Löhne für Geringverdiener, Steuererhöhungen für Reiche und ein Ende des Stellenabbaus im öffentlichen Dienst. Vom Ausstand waren unter anderem der öffentliche Verkehr, die Energiewirtschaft und die Verwaltung betroffen.

Umfragen zufolge unterstützen drei Viertel der Franzosen die Proteste, was die wachsende Enttäuschung der Bevölkerung über den Präsidenten widerspiegelt. Die Streiks sind die bislang härteste Bewährungsprobe für Sarkozy, der seit Mai 2007 im Amt ist. Seine Regierung hat als Reaktion auf die Finanzkrise ein Konjunkturpaket im Umfang von 26 Milliarden Euro verabschiedet. Nach den ersten Protesten Ende Januar kündigte Sarkozy eine Aufstockung um weitere 2,65 Milliarden Euro an.

sam/AFP/Reuters/AP



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