Rettungsaktion Politiker fordern Rücktritt von HRE-Chef Funke

Die Hypo Real Estate ist gerettet, jetzt beginnt die Suche nach den Schuldigen für die Beinahe-Pleite des Münchener Finanzkonzerns. Politiker mehrerer Parteien üben bereits harsche Kritik an Vorstandschef Funke.


Berlin/München - Die Turbulenzen um die Hypo Real Estate (HRE) Chart zeigen könnten personelle Konsequenzen haben: Politiker von Union und Grünen fordern HRE-Vorstandschef Georg Funke zum schnellen Rücktritt auf. "Wer 35 Milliarden Euro sagt, und dann sind es 50 Milliarden Euro - der ist kein kompetenter Gesprächspartner mehr", sagte der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Otto Bernhardt, der "Bild"-Zeitung.

AHRE-Chef Funke: Offenbar nicht alle Fakten auf den Tisch gelegt
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AHRE-Chef Funke: Offenbar nicht alle Fakten auf den Tisch gelegt

Auch der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Fritz Kuhn, verlangte einen Wechsel an der Bankspitze. "Die HRE hat offenbar nicht alle Fakten zum tatsächlichen Ausmaß der Krise auf den Tisch gelegt. Das Vertrauen in Vorstandschef Funke ist zerstört", sagte Kuhn. "Wenn der Bund Garantien für HRE gibt, muss er im Gegenzug Anteile übernehmen und die Abwicklung der Bank auch personell kontrollieren können."

Hintergrund der scharfen Attacken ist die Beinahe-Pleite der HRE. Bundesregierung und die Finanzbranche verständigten sich am Sonntagabend in einer Notsitzung auf ein neues Rettungspaket für den Immobilienfinanzierer. Am Samstag war der am vergangenen Wochenende ausgehandelte Hilfsplan für die Hypo Real Estate überraschend geplatzt, weil die Banken ihre Zusagen zurückgezogen hatten. Finanzkreisen zufolge war ein kurzfristiger zusätzlicher Finanzierungsbedarf bei der Münchener Bank aufgetaucht. Bis Ende 2009 liege der Bedarf insgesamt bei 60 Milliarden, das seien 20 bis 25 Milliarden mehr als bislang gedacht.

Auch die Bundesregierung rügte die HRE-Führungsspitze. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte, Manager zur Rechenschaft zu ziehen. "Wir sagen, dass diejenigen, die unverantwortliche Geschäfte gemacht haben, zur Verantwortung gezogen werden", sagte Merkel. "Dafür wird die Bundesregierung sorgen." Das sei sie den Steuerzahlern schuldig, von denen letztlich staatliche Hilfen bezahlt werden müssten. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) erklärte: "Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich mit vielen anderen ziemlich entsetzt bin, dass das Management dieser Bankengruppe in den letzten Tagen ein weiteres Liquiditätsloch in ungeahnter Milliardenhöhe offengelegt hat."

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires steht offenbar auch die Zukunft des HRE-Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Viermetz auf der Agenda. "Das wird Thema der nächsten Tage", sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Torsten Albig.

HRE-Chef Funke zeigte sich zunächst erleichtert über das neue Rettungspaket. "Wir sind für die Unterstützung aller Parteien sehr dankbar", sagte der Vorstandsvorsitzende der Münchener Hypothekenbank. Die gefundene Lösung stelle sicher, dass die Hypo Real Estate Group stabilisiert werde, auch bei andauernder Finanzkrise über ausreichende Liquidität verfüge und weiterarbeiten könne. Zu möglichen personellen Konsequenzen äußerte er sich nicht.

suc/AP/Reuters



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