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Rettungsplan: US-Regierung will Milliarden in Hypothekenbanken pumpen

Nun wird die angekündigte Hilfe konkret: Die US-Regierung will den Kreditrahmen für die angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac anheben. Zudem erwägt Washington einen Kauf von Anteilen der beiden Branchenführer.

Hamburg/New York - Ihre Lage ist ernst - so ernst, dass Washington nun in Vorleistung gehen möchte: US-Regierung und -Notenbank haben den angeschlagenen Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac konkrete Hilfsmaßnahmen zugesichert. Ziel sei es, das Vertrauen in die Stabilität des Finanzsystems und der Finanzmärkte inmitten der Kreditkrise zu stärken, erklärte Finanzminister Henry Paulson.

Sein Ministerium kündigte an, vorübergehend den staatlichen Kreditrahmen für die beiden Branchenführer von derzeit 2,25 Milliarden Dollar anzuheben. Zudem wolle die Regierung erstmals Anteile der staatlich geförderten Unternehmen kaufen, falls dies zur Stärkung der Kapitalbasis nötig sei. Die Federal Reserve bot Fannie und Freddie für eine Notfallfinanzspritze auch Zugang zu ihrem Diskont-Kreditprogramm für Finanzinstitute an.

Zu verkaufendes Haus im US-Staat New York: Die Immobilien-Krise hat Amerika weiterhin im Griff
[M] DPA; mm.de

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Bei Fannie Mae und Freddie Mac werden zusammen rund 40 Prozent aller privaten US-Immobilienkredite mit einem Gesamtwert von 5,2 Billionen Dollar verwaltet. Mit dem Hilfsangebot versuchen Regierung und Notenbank die Märkte nach den neusten Turbulenzen im Zuge der Kreditkrise zu beruhigen, die am Wochenende mit dem Zusammenbruch der Hypothekenbank IndyMac zur größten Bankenpleite in den USA seit mehr als 20 Jahren geführt hatte. Als wichtiger Vertrauenstest am Markt gilt nun eine Versteigerung kurzfristiger Anleihen von Freddie Mac am heutigen Montag im Volumen von drei Milliarden Dollar.

Fannie Mae und Freddie Mac Chart zeigen begrüßten die Hilfsangebote. Zwar seien beide Unternehmen ausreichend mit Kapital versorgt, doch würde dies Vertrauen schaffen. Die Regierungspläne bedürfen noch der Zustimmung des Kongresses. Ein Vertreter des Finanzministeriums zeigte sich aber zuversichtlich, dass diese noch in dieser Woche vorliegen werde.

Präsident George W. Bush gehe davon aus, dass die angekündigten Maßnahmen "zusätzliche Stabilität" in den Markt brächten, sagte seine Sprecherin Dana Perino. Der Finanzminister werde "unverzüglich" mit dem Kongress zusammenarbeiten, um die Maßnahmen zu unterstützen. Das Parlament müsse "rasch handeln". In beiden Kammern des Kongresses wird derzeit über Maßnahmen beraten, mit denen die seit Monaten schwelende Immobilienkrise eingedämmt werden soll. Der Senat stimmte bereits staatlichen Garantien von 300 Milliarden Dollar zu.

Die Regierung betonte die Bedeutung der beiden Hypothekenfinanzierer für den US-Immobilienmarkt - erteilte aber zugleich Spekulationen über eine Verstaatlichung eine Absage. "Fannie Mae und Freddie Mac spielen eine wichtige Rolle in unserem Immobilienmarkt und sollten diese Rolle in ihrer derzeitigen Form als börsennotierte Unternehmen fortsetzen", sagte Perino.

Die Notenbank erklärte, sie wolle mit ihrem Diskontkredit-Angebot die Hilfszusagen der Regierung unterstützen und Fannie Mae und Freddie Mac in die Lage versetzen, ihr Hypothekengeschäft in einer Zeit angespannter Finanzmärkte fortzuführen. Nach dem Debakel um die US-Investmentbank Bear Stearns Chart zeigen, die mit Hilfe der Fed zunächst gerettet und dann an den Konkurrenten JPMorgan verkauft worden war, hatte die Fed ihre Diskontkredite auch auf Investmentbanken ausgeweitet. Diese Form der Refinanzierung hatte bis dahin nur normalen Geschäftsbanken zur Verfügung gestanden.

Im Falle einer Pleite von Freddie Mae und Fannie Mac würde ein völliger Kollaps des US-Immobilienmarktes drohen, weil die beiden Firmen den Markt für Hypotheken nach dem Rückzug vieler Banken derzeit fast allein am Laufen halten. Die Aktien von Fannie Mae und Freddie Mac waren am vergangenen Freitag an der New Yorker Börse zeitweise um mehr als 50 Prozent eingebrochen, hatten sich im Börsenverlauf aber spürbar erholt. Seit Anfang des Jahres haben Freddie Mac-Aktien 87 Prozent an Wert verloren, Fannie Mae büßten um bis zu 80 Prozent ein. Die beiden Unternehmen haben zusammen rund 10.700 Beschäftigte, vor allem am Sitz von Fannie Mae in Washington und am Sitz von Freddie Mac im McLean im Bundesstaat Virginia.

flo/AFP/Reuters

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