Rezession Aufträge im Maschinenbau halbieren sich

Schwerer Schlag für Deutschlands Maschinenbauer: Die Schlüsselbranche steckt in der Dauerkrise fest, die Aufträge sind im Juni erneut eingebrochen - um 46 Prozent. Der Verband rechnet mit gewaltigen Umwälzungen: Allein in diesem Jahr sollen bis zu 60.000 Jobs wegfallen.


Frankfurt am Main - Deutschlands Maschinenbauer leiden massiv unter der Weltwirtschaftskrise. Die Aufträge sind im Juni um 46 Prozent eingebrochen. Sie haben sich damit im Vergleich zum Vorjahresmonat fast halbiert. Das teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Donnerstag mit.

Maschinenbau in Dresden: "Schwer zu sagen, wann es bergauf geht"
DPA

Maschinenbau in Dresden: "Schwer zu sagen, wann es bergauf geht"

Auch im gesamten Halbjahr liege das Minus nun auf dieser Höhe. In den ersten sechs Monaten gingen die Orders im Inland um 43 Prozent zurück, im Ausland sogar um 48 Prozent. Es ist bereits das dritte Mal in Folge, dass der Verband desaströse Zahlen präsentiert. Schon im Mai waren die Auftragseingänge auf Jahressicht um 48 Prozent zurückgegangen, im April war ein Minus von 58 Prozent verzeichnet worden.

Beobachtern bereiten die desaströsen Zahlen auch außerhalb der Branche Sorge: Der exportlastige Maschinen- und Anlagenbau gilt als Frühindikator für die gesamtwirtschaftliche Erholung.

"Es ist ganz schwer abzuschätzen, wann es bergauf geht", sagte Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse. Positive Signale für eine Belebung der Wirtschaft kämen noch nicht an. "Wir wissen, dass eine Menge Projekte in der Pipeline sind, aber sie gehen bislang nicht in den Auftragseingang hinein." Die Liquiditätssorgen vieler Kunden seien offensichtlich noch immer zu groß für eine Entspannung.

Solange sich die Lage im größten Einzelmarkt, den USA, nicht bessere, bleibe die Lage für die exportorientierte Branche schwierig, sagte Hesse. Das Exportvolumen in die USA sei in den ersten sechs Monaten um 23,6 Prozent gesunken. Zudem sei die Situation auch in Europa, wohin 60 Prozent der Exporte gingen, und auch in Russland weiter schwierig.

Dabei haben die Maschinenbauer in den vergangenen Monaten noch von alten Aufträgen profitiert, die zunächst abgearbeitet wurden. "Ich gehe davon aus, dass wir die Produktionsprognose halten können", sagte Hesse. Der Verband rechnet 2009 mit einem Rückgang des Produktionsvolumens von 10 bis 20 Prozent, wobei Hesse zufolge ein Wert zwischen 15 und 20 Prozent wahrscheinlich ist. "Momentan liegen wir etwa bei minus 17 bis 18 Prozent."

Er bekräftigte zudem, dass die Unternehmen 2009 wohl bis zu 60.000 Stellen streichen werden. "Bis Mai haben wir einen Abbau von 18.000 Stellen." In der Branche sind fast eine Million Menschen beschäftigt. Der VDMA vertritt über 3000 Unternehmen mit knapp einer Million Beschäftigten in Deutschland.

Unter der Flaute im Maschinenbau leidet einer Studie zufolge vor allem Deutschlands Süden. Laut einer Erhebung des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln zeigen sich die Auswirkungen der Krise besonders in Bayern und Baden-Württemberg sowie in Regionen Nordrhein-Westfalens sowie Sachsens. In diesen Bundesländern gebe es überdurchschnittlich viele Industrien mit hohem Exportanteil. Dazu zählten Autobau inklusive Zulieferer, Chemieindustrie und Maschinenbau.

ssu/AP/ddp/Reuters



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Bulgakow, 13.07.2009
1.
Zitat von sysopDie Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist gestiegen. Bekommt der Erwerbsmarkt jetzt die volle Wucht der Krise zu spüren?
Ich selbst spüre die Krise eigentlich überhaupt nicht negativ. Vieles ist billiger als bisher. Dummerweise natürlich auch die Zinsen, finde das aber nicht wirklich schlimm.
Sisko82, 13.07.2009
2. gar nicht
also mich betrifft es garnicht da ich einen krisensicheren Job vor einem Jahr gewechselt habe als die Zeiten noch "besser" waren. Was auch ich positiv finde sind die momentanen Preissenkungen die diese "Krise" mit sich bringt. Vielleicht liegt es einfach nur daran das ich in München wohne aber alle meine Freunde haben noch Arbeit. Natürlich kann man sich nur schwer in diesen Zeiten verbessern bzw. sich einen anderen Job suchen. Nichts destotrotz glaube ich das viele Betriebe diese Krise ausnutzen um Geld zu sparen in Form von Kurzarbeit etc... Ich kenne zwei Betriebe denen es wirtschaftlich gut geht aber die auf staatlich subventionierte Kurzarbeit umgestellt haben. Seitdem schieben die Mitarbeiterinnen die ich dort kenne extrem viele "Überstunden". So genug zum Thema. Als Fazit kann ich sagen mir geht es besser denn je weswegen ich all diese Worte auch in "" gesetzt habe. Es ist ja sozusagen keine Krise sondern das Verschulden einiger weniger profitgeiler Banker und es geht genau so weiter wie vorher. Einen schönen Start in den Tag wünscht Sisko82
hypnos 13.07.2009
3. Wer krank ist, fliegt
Zitat von sysopDie Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist gestiegen. Bekommt der Erwerbsmarkt jetzt die volle Wucht der Krise zu spüren?
Wer krank ist, fliegt! So einfache Regeln herrschen im prekären Bereich vor. Und das Schlimme: es stimmt! Wenn sich eine Seuche in D rasch verbreitet, dann über solche Firmen.
alsterperle 13.07.2009
4. Traurig, aber wahr
Ich kann keinen gelben Schein mehr abgeben, ich bin vor 2 Wochen weggespart worden und rausgeflogen.Konjunkturerholung? Ein Witz! In die Arbeitslosenstatistik haue ich erst jetzt am Juli rein, so wie sicher viele andere auch, die im März ihre Kündigung erhielten und eine dreimonatige Kündigungsfrist hatten ....
cosifantutte 13.07.2009
5. Krisenkurse
Zitat von sysopDie Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist gestiegen. Bekommt der Erwerbsmarkt jetzt die volle Wucht der Krise zu spüren?
Spüre die Krise dadurch, dass die Aktienkurse recht niedrig sind. Sollten die Höchststände von Ende 2007 wieder erreicht werden, spüre ich die Krise nicht mehr. cosifantutte.
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