Rezession Jeder siebte Mittelständler fürchtet um seine Existenz

Schlechte Umsätze, schleppende Kreditvergabe bei Banken: Deutschlands Mittelstand fühlt sich durch die Wirtschaftskrise zusehends bedroht - 15 Prozent der Betriebe fürchten laut einer Umfrage um ihre Existenz. Immerhin blicken die Unternehmer schon wieder optimistischer in die Zukunft.


Neuss/Berlin - Der deutsche Mittelstand erlebt in der Krise ein Wechselbad der Gefühle. Das geht aus zwei Studien hervor, die am Dienstag veröffentlicht worden sind. Laut der einen hellt sich die Stimmung bei den Betrieben wieder auf, der anderen zufolge fürchtet jeder siebte Mittelständler um seine Existenz, sollte es nicht bald spürbar bergauf gehen.

Kreditantrag: 15 Prozent der Mittelständler befürchten Pleite bei anhaltender Krise
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Kreditantrag: 15 Prozent der Mittelständler befürchten Pleite bei anhaltender Krise

Nach Angaben der Wirtschaftsprüfgesellschaft Ernst & Young klagt jedes dritte Unternehmen über schlechte Umsätze. Ebenso viele berichteten, dass die Finanzierung durch die Hausbank schwieriger geworden sei. Jeder siebte Mittelständler sieht sich bei anhaltender Wirtschaftsflaute sogar in seiner Existenz bedroht. "Bei immer mehr Mittelständlern droht bald das Geld auszugehen", sagte Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young. 15 Prozent der Betriebe sähen sich in ihrer Existenz bedroht, wenn die Krise noch sechs Monate anhält.

Um ihre Geschäfte fortzuführen, hätten sie eine Reihe von Strategien entwickelt. "Die Unternehmen stemmen sich mit drastischen Kostensenkungen, Kurzarbeit und häufig sogar mit Einsatz ihres Privatvermögens gegen die Krise", sagte Englisch. Zudem erwartet die Mehrheit der Mittelständler laut den Umfrageergebnissen, dass die Krise erst im Juni 2011 vollständig ausgestanden sei, im Januar waren die Befragten noch davon ausgegangen, dass die Krise im Herbst 2010 überwunden sei.

Immerhin: Erstmals seit Januar 2007 hätten sich die Konjunkturerwartungen nicht weiter verschlechtert, und die Konjunkturoptimisten seien wieder leicht in der Überzahl. Der Anteil der Befragten, die eine konjunkturelle Verschlechterung erwarten, sei im Vergleich zum Januar dieses Jahres von 82 auf 27 Prozent zurückgegangen. Der Anteil der Optimisten sei von 4 auf 32 Prozent gestiegen, hieß es. Für das halbjährliche Mittelstandsbarometer befragte Ernst & Young im Juli 700 Unternehmen in Deutschland.

Auch nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform blicken die mittelständischen Unternehmen wieder optimistischer in die Zukunft. Der Creditreform-Wirtschaftsindikator sei im zweiten Quartal um 1,2 Zähler auf einen Wert von plus 5,6 gestiegen, hieß es am Dienstag. Auch bei der Einschätzung der künftigen Geschäftsentwicklung gewinnen dagegen zuversichtliche Stimmen Oberhand. Der Teilindex für die Erwartungen sei von minus 10,3 auf plus 0,5 Prozent gestiegen, hieß es.

Allerdings seien die Folgen der anhaltenden Wirtschaftskrise durchaus spürbar. Der Creditreform-Risiko-Indikator, der als Maß für das Insolvenzrisiko dient, erhöhte sich leicht auf 2,27. "Somit weisen pro 10.000 Unternehmen 227 Firmen ein Negativmerkmal auf, etwa einen massiven Zahlungsverzug oder einen Insolvenzantrag", hieß es. Überfällige Rechnungen seien in den Monaten April bis Juni im Schnitt erst nach 14,47 Tagen beglichen worden. Im ersten Vierteljahr hatten mittelständische Betriebe noch nach durchschnittlich 13,41 Tagen gezahlt.

tko/Reuters/AP



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