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Rezession: Maschinenbau erwartet drastischen Produktionsrückgang

Die Wirtschaftskrise trifft den Maschinenbau mit voller Wucht: In der deutschen Schlüsselindustrie wird 2009 erstmals seit Jahren ein deutlicher Produktionsrückgang befürchtet - um satte sieben Prozent. 25.000 Jobs sind bedroht, teilte der Branchenverband mit.

Frankfurt am Main - Gegen Ende des Jahres 2008 brachen die Bestellungen massiv ein. Angesichts dessen revidierte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Dienstag in Frankfurt seine Prognose für 2009. Die Branche rechnet nun mit einem Rückgang der Produktion um sieben Prozent, nachdem bislang ein stabiler Verlauf erwartet worden war.

Maschinenbau: Auslastung nur noch knapp 89 Prozent
DDP

Maschinenbau: Auslastung nur noch knapp 89 Prozent

25.000 der 975.000 Arbeitsplätze in den Kernbelegschaften würden der Flaute zum Opfer fallen, schätzt der VDMA.

Im Dezember lagen die Bestellungen um 40 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums, wobei Inland und Ausland etwa gleich stark nachgaben. Selbst in dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich Oktober bis Dezember verloren die Maschinenbauer 29 Prozent der Aufträge. "Das vierte Quartal 2008 ist damit das schlechteste Quartalsergebnis seit 1958", sagte VDMA-Präsident Manfred Wittenstein.

Einen Grund zur Panik sieht Wittenstein indes nicht: "Ich warne ausdrücklich davor, die Entwicklung des Auftragseingangs im zu Ende gehenden Jahr 2008 und wahrscheinlich auch im noch jungen Jahr 2009 als Maßgabe für eine Jahresprognose heranzuziehen." Ihm sei, was die mittel- und langfristige Zukunft des Maschinen- und Anlagenbaus angehe, nicht bange. Die Unternehmen seien gut aufgestellt.

Im Gesamtjahr 2008 erreichte der deutsche Maschinen- und Anlagenbau mit einem Produktionsplus von 5,4 Prozent auf 194 Milliarden Euro nur knapp sein selbst gestecktes Fünfprozentziel. Der Umsatz stieg um acht Prozent auf 205 Milliarden Euro.

Die Branche hat allerdings fünf fette Jahre hinter sich. Besonders der Export florierte auch im abgelaufenen Jahr noch. Speziell Brasilien, Russland und Indien orderten verstärkt deutsche Maschinen, wohingegen sich die Kunden in den USA, dem Vereinigten Königreich, der Türkei und Südkorea zurückhielten. Besonders gefragt waren unter anderem Land- und Antriebstechnik, Aufzüge und Rolltreppen, Laser und Robotik. Deutliche Einbußen mussten die Hersteller von Druck-, Papier- und Textilmaschinen hinnehmen.

Rund 40.000 Mitarbeiter kamen im Laufe des Jahres neu hinzu - was jetzt für die Unternehmen zum Problem wird. Die Fabriken waren zum Jahresende nur noch zu 88,9 Prozent ausgelastet, während es Ende 2007 noch 92 Prozent waren. Wittenstein fordert jetzt mehr Unterstützung durch die Politik: "Der Staat muss mehr investieren, und zwar in Bildung, in Forschung und Entwicklung und in die öffentliche Infrastruktur." Die derzeitigen Konjunkturprogramme reichten dafür nicht aus.

mik/AP/Reuters/dpa-AFX

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