RHJ-Einstieg Opel-Betriebsrat warnt vor "sozialem Blutbad"

Im Bieterkampf um Opel macht der Betriebsrat Front gegen RHJ: Die Arbeitnehmervertreter warnen vor den sozialen und wirtschaftlichen Folgen, sollte der Finanzinvestor bei dem Autobauer einsteigen. Doch auch bei einem Deal mit Konkurrent Magna kämen harte Einschnitte auf die Beschäftigten zu.


Rüsselsheim - Der Opel-Betriebsrat will einen Einstieg des Finanzinvestors RHJ bei dem deutschen Autobauer verhindern - und scheut daher auch drastische Worte nicht: In einem Flugblatt an die Mitarbeiter des Opel-Stammwerks Rüsselsheim gehen die Arbeitnehmervertreter das belgische Unternehmen massiv an. Sie werfen RHJ vor, lediglich im Interesse des US-Konzerns General Motors zu handeln. RHJ wolle Opel nach einer Übernahme so schnell wie möglich wieder an GM zurückverkaufen, so der Vorwurf.

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"Das sind Finanziers, die selbst sagen, dass sie nichts von Autos verstehen", schrieb auch der Vizevorsitzende des europäischen GM-Arbeitnehmerforums, Rudi Kennes, in einem Blog der Opel-Mitarbeiter. Auf AP-Anfrage bekräftigte er diese Haltung: Sollte RHJ bei Opel zum Zuge kommen, werde es ein "soziales Blutbad" geben.

Insidern zufolge wirbt der Investor derzeit bei der Bundesregierung um Zustimmung für sein verbessertes Übernahmeangebot. " Es sei für Mittwoch eine Präsentation in Berlin geplant", berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag unter Berufung auf das Umfeld des Investors. Dabei sollen im Wirtschaftsministerium Details des neuen Angebots erläutert werden.

"Mit einer Entscheidung für RHJ könnte GM das Ziel realisieren, alles beim Alten zu lassen", kritisierte der Opel-Betriebsrat in dem Flugblatt: "Mit diesem 'Weiter so' wird das Unternehmen endgültig scheitern." Denn GM wolle Opel keine Möglichkeit geben, eigenständig Fahrzeuge zu entwickeln.

Erneut sprachen sich die Arbeitnehmervertreter für Magna als neuen Opel-Eigner aus. Mit dem Zulieferer gebe es bereits Gespräche über Einschnitte bei den Beschäftigten. Magna verlange allerdings unter anderem in den Werken eine Leiharbeiterquote von bis zu 30 Prozent, den Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen und den Verzicht auf Urlaubsgeld, erklärte der NRW-Bezirksvorsitzende der IG Metall, Oliver Burkhard. Diese Forderungen würden auch vom europäischen Gesamtbetriebsrat derzeit abgelehnt. Dies habe aber nichts damit zu tun, dass die Gewerkschaft nach wie vor das strategische Gesamtkonzept von Magna für Opel favorisiere. "Über die konkreten Pläne der anderen Bieter in Bezug auf deren Forderungen an die Beschäftigten wissen wir außer Personalabbauzahlen so gut wie nichts." Werde Magna abgelehnt und einige sich kein anderer Bieter mit General Motors, stehe Opel in wenigen Monaten wieder vor der Insolvenz.

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen hat das RHJ-Management bereits am Montag Gespräche mit dem Opel-Betriebsrat geführt. Dabei hätten die RHJ-Vertreter unter anderem ihr Angebot näher erläutert, hieß es aus Verhandlungskreisen.

RHJ hatte am Montag erstmals Verhandlungen mit der Opel-Mutter GM über eine Übernahme des angeschlagenen Rüsselsheimer Autobauers bestätigt und von einem "fortgeschrittenen Stadium" gesprochen. Das Konzept sieht den Erwerb von über 50 Prozent der Opel-Anteile vor. Außerdem wird der Erhalt aller vier deutschen Opel-Werke versprochen.

yes/AP/Reuters/dpa

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