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Riesen-Abschreibungen: IWF rechnet mit Verlusten von vier Billionen Dollar durch Krise

Es könnte doppelt so schlimm kommen wie befürchtet: Der Internationale Währungsfonds rechnet für die Finanzbranche mit mehr als vier Billionen Dollar an weltweiten Verlusten durch Ramschpapiere und faule Kredite. Bislang war er lediglich von 2,2 Billionen Dollar ausgegangen.

Washington - Es ist eine gewaltige Zahl, mit der der Internationale Währungsfonds (IWF) am Dienstag an die Öffentlichkeit ging: Die weltweite Finanzwirtschaft muss sich wegen der globalen Wirtschaftskrise auf Verluste von mehr als vier Billionen Dollar (3,09 Billionen Euro) einstellen. Die Lage bleibe gespannt und die Krise habe sich verbreitert, hieß es in dem IWF-Bericht zur weltweiten Finanzstabilität.

Händler an der New Yorker Börse: Zwei Drittel der erwarteten Abschreibungen entfallen auf Banken
REUTERS

Händler an der New Yorker Börse: Zwei Drittel der erwarteten Abschreibungen entfallen auf Banken

Danach erhöhen sich die Abschreibungen von Banken und anderen Finanzinstituten auf Ramschpapiere und faule Kredite bis Ende 2010 dramatisch. Es dürften beinahe doppelt so viel sein wie bisher angenommen. "Ohne eine Reinigung der Bankbilanzen von belasteten Anlagen, begleitet von einer Restrukturierung und - wenn nötig - Rekapitalisierung, bleibt das Risiko, dass die Bank-Probleme die wirtschaftliche Entwicklung nach unten reißen", hieß es weiter.

Fast drei Billionen Dollar Verlust durch US-Papiere

Zwei Drittel der erwarteten Abschreibungen entfielen dabei auf Banken, der Rest auf Versicherer und Pensionsfonds. Die Schätzungen umfassen laut IWF Vermögenswerte aus den USA, Europa und Japan. Die Verluste alleine durch US-Papiere und Kredite bezifferte der Weltwährungsfonds auf 2,7 Billionen Dollar - rund 500 Milliarden mehr als noch im Januar. Aus Europa stammende Ramschpapiere und Darlehen könnten Abschreibungen in Höhe von 1,2 Billionen Dollar nach sich ziehen. Bislang hatte der IWF nur Vermögenswerte aus den USA betrachtet.

Die Kreditvergabe wachse immer weniger und werde in einigen Regionen wie den USA und der Euro-Zone in naher Zukunft sinken. Sie werde sich wohl auch erst nach einigen Jahren wieder ganz erholen. Immerhin sieht der Fonds als Resultat der staatlichen Hilfsprogramme einige Frühzeichen der Stabilisierung. Allerdings bedürfe es weiterer entschiedener, effektiver und international koordinierter politischer Maßnahmen, um diese positiven Tendenzen zu stärken.

Die zentrale Herausforderung sei, die Abwärtsspirale von Finanzmarktkrise und Wirtschaftskrise zu durchbrechen. Der Fonds unterstrich die Notwendigkeit, bei aller Unterschiedlichkeit der Maßnahmen international koordiniert vorzugehen. Das beziehe sich nicht nur auf eine Lösung der Bilanzprobleme von Banken und damit der Finanzierungsprobleme von Unternehmen, sondern auch auf eine Wiederbelebung der internationalen Kapitalflüsse, besonders in Schwellenländern.

Folgen der Geldpolitik begrenzen

Zudem müssten später drohende Nebenwirkungen der gegenwärtig expansiven geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen gemeinsam begrenzt werden, betont der IWF. All dies erfordere entschlossenes internationales Handeln unter schwierigen Rahmenbedingungen, wie es die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer bereits im April beim Londoner G-20-Gipfel demonstriert hätten.

Laut der Wirtschaftsagentur Bloomberg veröffentlichten Finanzinstitute bis zum Anfang des Monats Verluste und Abschreibungen durch Giftpapiere über rund 1,3 Billionen Dollar.

sam/dpa/Reuters/Dow Jones

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