Riesige Finanzspritze Bear Stearns in letzter Minute gerettet - Bankenkrise stürzt Börse in Turbulenzen

Die Wall Street ist an der ersten großen Bankenpleite wegen der Kreditkrise vorbeigeschrammt. Eine kurzfristige Finanzspritze von JP Morgan und der US-Notenbank rettet Bear Stearns vor dem Kollaps - vorerst jedenfalls. Die Krise löste einen Kursrutsch aus.


New York/Washington – Dramatische Notaktion zur Rettung der fünftgrößten US-Investmentbank: Die US-Notenbank billigte heute in Washington eine Finanzhilfe für die bedrohte Investmentbank Bear Stearns Chart zeigen. Diese hatte zuvor rapide Liquiditätsengpässe zugegeben und damit einen Kursrutsch an den Märkten ausgelöst.

Bear-Stearns-Hauptquartier in New York: Die Aktie brach um 40 Prozent ein
REUTERS

Bear-Stearns-Hauptquartier in New York: Die Aktie brach um 40 Prozent ein

Bankchef Alan Schwartz räumte ein, dass sich die Liquidität von Bear Stearns in den vorangegangenen 24 Stunden "bedeutsam verschlechtert" habe. Eine "Vielzahl von Marktgerüchten" über die Zahlungsfähigkeit der Firma habe die Lage verschärft.

Außer New Yorks Zentralbank beteiligte sich auch die Bank JP Morgan Chase an dem Notfalleinsatz. Für die Stabilisierung von Bear Stearns würden "je nach Bedarf" Gelder zur Verfügung gestellt, erklärte JP Morgan Chase. Für die Aktionäre stelle der Schritt "kein materielles Risiko" dar, erklärte die Bank. Die US-Notenbank teilte mit, man beobachte "die Märkte genau und wird je nach Bedarf Liquidität gewährleisten, um das Funktionieren des Finanzsystems zu fördern". Präsident George W. Bush räumte ein, die US-Wirtschaft durchlebe "eine schwierige Phase". Sie stehe aber "auf einem soliden Fundament und ist widerstandsfähig". Der Einsatz der Notenbank für Bear Stearns zeige, dass "geeignete Maßnahmen zur Stabilisierung unserer Märkte ergriffen werden". Die gegenwärtigen Schwierigkeiten nannte er Teil eines normalen konjunkturellen Zyklus: "In der Marktwirtschaft gibt es Höhen und Tiefen, und unsere Wirtschaft erlebt derzeit ganz offensichtlich eine schwierige Periode."

Gerüchte über Probleme bei Bear Stearns gab es seit Tagen - die Bank hatte aber stets dementiert. Einige Analysten sehen Bear Stearns nun als baldiges Übernahmeziel. "Bear Stearns stand unmittelbar vor dem Abgrund, und die Lage war weitaus schlimmer, als wir alle gedacht haben", sagte der Experte Michael Klawitter von Dresdner Kleinwort in Frankfurt. "Man muss sich nun ernsthaft fragen, wie es bei anderen Banken aussieht. Denn Bear Stearns ist ja kein kleines Institut."

Die Furcht vor einer Insolvenz von Bear Stearns schickten die Aktien an der New Yorker Wall Street in den Keller. Die großen Indizes gaben zeitweise allesamt um deutlich mehr als zwei Prozent nach. Der Dow Jones Chart zeigenschloss am Ende mit 1,6 Prozent im Minus, der S&P 500 und der Nasdaq-Composite Chart zeigen-Index fielen um 2,1 Prozent. Die Bear-Stearns-Aktie selbst brach um mehr als 40 Prozent ein. Auch der Dax Chart zeigen drehte ins Minus, schloss mit minus 0,75 Prozent.

Die Bank Bear Stearns kündigte an, die Vorlage ihrer Quartalszahlen auf Montag vorzuziehen. Dabei könne der Markt davon ausgehen, dass die Zahlen innerhalb der Analysten-Erwartungen lägen. Die Ratingagentur S&P stufte die Bank dennoch von der bisher guten Bewertung "A" auf "BBB" ab.

Erst am Vortag hatte die Beteiligungsgesellschaft Carlyle 17 Milliarden Dollar abschreiben müssen. Bear Stearns steht wegen riskanter Investitionen in den Markt für minderwertige US-Immobilienhypotheken unter Druck. Die Abschreibungen gehen in die Milliarden. Nach Angaben von Schwartz verhandelt das Unternehmen derzeit mit JP Morgan Chase über eine dauerhafte finanzielle Zusammenarbeit.

sto/AFP/Reuters



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