Riester-Rente Kleine Mogeleien bei der grünen Vorsorge

Wer nachhaltig sparen will, muss genau hinschauen: Viele Finanzanbieter ködern Anleger mit ethischen Riester-Produkten - angeblich legen sie Geld nach sozialen oder ökologischen Gesichtspunkten an. Oft ist das nur Augenwischerei. Tipps für kritische Anleger.

Von Karen Schmidt


Nachhaltige Investments verzeichnen in Deutschland hohe Wachstumsraten – allerdings ausgehend von einer sehr niedrigen Basis. So stecken gerade einmal rund 0,3 Prozent der in Fonds investierten Gelder in Produkten, die ethische, soziale oder ökologische Kriterien berücksichtigen. Bei den Riester-Policen sieht es nicht anders aus – und das, obwohl die Regierung anfangs plante, nur nachhaltige Anlagen für die staatlich geförderte Riester-Rente zu erlauben.

Wer seine Altersvorsorge auf "grüne" Füße stellen möchte, der hat keine allzu große Auswahl. Einige Versicherer haben aber im Rahmen ihrer fondsgebundenen Riester-Renten auch einige nachhaltige Fonds mit in die Angebotspalette aufgenommen, um für die moralischen Anleger gewappnet zu sein.

Die Continentale Lebensversicherung ist so ein Anbieter. Anleger können bei dem Riester-Tarif VR 3 aus über 70 Fonds von 30 verschiedenen Fondsgesellschaften auswählen – davon sind acht nach nachhaltigen Kriterien aufgebaut. Der Öko Trend Bonds der Kapitalgesellschaft Öko World ist beispielsweise ein Rentenfonds, der ausschließlich in kurz- bis mittelfristige verzinsliche Staatsanleihen investiert. Neben einer sehr guten Bonität achten die Portfoliomanager bei der Auswahl der Papiere darauf, ob die emittierenden Staaten eine besonders soziale, ökologische und ethische Politik verfolgen. Wie in der Schule gibt es dabei Noten, 1 bedeutet sehr gut, 5 ist schlecht. Klassenbeste sind regelmäßig die nordischen Länder wie Schweden oder Island. Schlechte Karten haben dagegen die USA, da Anleihen von Ländern, die Atomwaffen besitzen oder die Todesstrafe anwenden, keinen Platz im Portfolio haben.

Ausgebeutetes Gewissen

Genau hinschauen sollte der Anleger bei nachhaltigen Produkten immer. "Es gibt keinen richtigen Konsens, was Nachhaltigkeit bedeutet", sagt Lars Gatschke, Referent Versicherungen beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Wichtig sei daher, dass sich der Kunde darüber im Klaren ist, was er will, und gleichzeitig, in welche Titel er nicht investieren will. Denn das moralische Gewissen eines Anlegers wird gerne mal ausgebeutet, und die Kriterien, nach denen die grünen Tarife konzipiert werden, sind oft unterschiedlich (siehe Kasten).

Gehen die Versicherer nach dem sogenannten Best-in-Class-Prinzip vor, investiert der Anleger auch in Unternehmen, die nicht sonderlich ökologische oder ethische Produkte herstellen wie Autos oder Zigaretten – und dabei einfach nur die umweltschonendsten oder moralisch anspruchsvollsten ihrer jeweiligen Branche sind.

Solarzellen neben Öl

Seit Oktober des vergangenen Jahres managt der Anbieter Fortis Deutschland Lebensversicherung zwei seiner drei hauseigenen nachhaltigen Fonds für die Öko-Riester-Rente auf diese Weise. Allerdings mit einem gewissen Plus. Neben Titeln der jeweils besten der einzelnen Sektoren wählen die Fondsmanager auch solche Unternehmen aus, die umweltentlastende Technologien herstellen, etwa Produzenten von Wasserfiltertechniken. In den Fortis L Fund Strategy Balanced SRI Europe, der zur einen Hälfte in Rentenpapiere und zur anderen Hälfte in Aktien investiert, schaffen es über diesen Ansatz sowohl Aktien des Solarzellenherstellers Q-Cells als auch Anteile des Mineralölkonzerns Shell.

Kunden sollten auch darauf achten, wie viel Prozent der monatlichen Prämie tatsächlich in den nachhaltigen Topf gelangen. Bei der Riester-Rente der Continentalen Lebensversicherung fließt nämlich nur der Teil in die Ökofonds, der nicht für die Beitragserhaltungsgarantie gebraucht wird. Bei einer 30-jährigen Laufzeit legt der Versicherte so nur rund 50 Prozent nachhaltig an – der Rest des Kapitals wird konventionell verwaltet.

Bei der Oeco Capital Lebensversicherung gibt es die Unterscheidung zwischen nachhaltigem und konventionellem Topf nicht. Die 100-prozentige Tochter der Concordia Versicherungsgruppe ist einer der wenigen Spezialisten am Markt, der sich allein auf den Vertrieb ökologischer Investments fokussiert hat. Das Riester-Produkt ist keine Fondspolice, sondern eine klassische Versicherung, bei der die Beiträge gänzlich in nachhaltige Anlagen fließen. Dafür hat ein eigens eingerichteter vierköpfiger ökologischer Beirat einen Katalog aus Positiv- und Negativkriterien verfasst, an den sich die Unternehmensführung bei der Kapitalanlage halten muss.

Diese "Umweltleitlinien" garantieren die Unterstützung von Unternehmen, die etwa eine "Vorbildfunktion bei Führung und Mitbestimmung in der Arbeitsorganisation" übernehmen. Dagegen werden Firmen ausgeschlossen, die Suchtmittel erzeugen oder Tiere artwidrig halten.

Geringe Risikostreuung

Trotz des Wunsches nach Nachhaltigkeit sollten Anleger darauf achten, dass sie ihr Investment breit genug streuen – schließlich geht es um ihre Altersvorsorge. Gerade wenn nur wenige Nachhaltigkeitsfonds zur Verfügung stehen – bei Allianz Leben sind es zwei –, ist das aber nicht wirklich möglich. Einer der beiden Fonds, der Allianz-Dit Global Eco Trends, legt seinen Fokus beispielsweise nur auf die Sektoren erneuerbare Energien, Umweltschutz und sauberes Wasser. Gatschke: "Eine einseitige Ausrichtung kann ein erhebliches wirtschaftliches Risiko für den Anleger bergen." Und schließlich soll am Ende nicht nur das gute Gewissen, sondern auch eine anständige Rendite übrig bleiben.



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