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Altersvorsorge: Richtig Riestern - aber wie?

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Rentner auf einer Bank (Archiv): Manchmal mehr als 20.000 Euro Förderung Zur Großansicht
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Rentner auf einer Bank (Archiv): Manchmal mehr als 20.000 Euro Förderung

Rund 16 Millionen Deutsche haben einen Riester-Vertrag. Für viele lohnt sich das. Doch man sollte die zahlreichen Haken genau kennen.

Die Tochter einer Freundin ist Auszubildende, sie will Konditorin werden. Und sie wird wohl riestern. Denn das Angebot zur staatlich geförderten Altersvorsorge kann sie bei ihrem Lehrlingslohn kaum ausschlagen. 60 Euro selbst einzahlen, 154 Euro Basisförderung beziehen und dann noch mal 200 Euro im ersten Jahr vom Staat, weil sie schon mit 21 Jahren Geld fürs Alter zurücklegt.

Zugegeben, nicht jeder Fall ist in Sachen Förderung so eindeutig. Knapp 16 Millionen Bundesbürger fragen sich, ob es nicht eine Schnapsidee war, einen Riester-Vertrag zu unterschreiben. Kurz gesagt: Wenn Sie jetzt wissen, dass Sie nicht alt werden oder kurz vor Ihrem Ruhestand schon wissen, dass Sie wegen Ihrer mageren Rente auf staatliche Hilfen angewiesen sein werden, haben Sie in der Tat sehr wahrscheinlich einen schlechten Deal gemacht.

Für alle anderen Riesterer gilt der Rat: Informieren Sie sich, freuen Sie sich über einen guten Vertrag oder ärgern Sie sich über einen nicht so guten, aber kündigen Sie keinesfalls leichtfertig. Schlechte Verträge kann man nämlich im Zweifel ruhen lassen.

Die Anbieter sind gesetzlich verpflichtet, bis zur Rente mindestens das Geld wieder aufs Konto zu schaffen, das der Kunde und der Staat gemeinsam eingezahlt haben. Angesichts niedriger Zinsen und niedriger Inflation wird das am Ende nicht die schlimmste Rendite abwerfen. Etwaige Steuerersparnisse können Kunden ohnehin erst mal dankbar mitnehmen. Wer hingegen kündigt, schreibt die Verluste fest, die er vielleicht schon auf dem Konto hat. Und wer kündigt und keinen neuen Riester-Vertrag abschließt, muss sogar die Förderung zurückzahlen.

Um es klar zu sagen: Riestern lohnt sich für viele. Aber es ist ein echtes Ärgernis, dass viele Anbieter ihren Kunden bei der privaten Altersvorsorge mit Riester-Verträgen viel zu hohe Kosten berechnen.

Und auch der Staat macht uns das Riestern nicht gerade leicht. Denn Riester-Verträge haben gleich mehrere Haken.

Erstens: Eine private Rente lohnt sich nur für Menschen, die alt werden. Kunden haben kaum etwas von 154 Euro jährlicher Förderung, von bis zu 25 Jahren Kinderzulagen (185 Euro für ältere Kinder oder 300 Euro für Kinder, die ab 2008 geboren sind - pro Kind und Jahr) und von etwaigen Steuervorteilen, wenn sie mit Siebzig sterben. Die Rente ist also zuallererst eine Wette aufs eigene Alter.

Zweitens: Der Staat will im Alter etwas von seinen Geschenken zurückhaben - auf die Riester-Rente zahlen Sie Steuern. Bei knapper Rente praktisch keine, aber bei guter Rente einen ordentlichen Teil.

Drittens: Es gibt es einen Dschungel an unterschiedlichen Riester-Varianten, sodass Kunden die günstigen nur schwer von den ungünstigen Varianten unterscheiden können: klassische Riester-Rentenversicherungen, Riester-Fondspolicen, Riester-Fondssparpläne, Riester-Banksparpläne, Wohn-Riester, Riester-Bausparverträge - da wird einem schon von den vielen Namen schwindelig.

Und selbst wenn man sich erfolgreich für die richtige Sorte Vertrag entschieden hat: Es gibt in jeder Kategorie gute, aber auch schlechte Verträge. Kürzlich haben meine Kollegen von "Finanztip" ausgerechnet, dass das den Gegenwert eines Kleinwagens ausmachen kann. Die Riester-Verträge bei der Hannoverschen Leben für ein Ehepaar mit Kind bringen nach 25 Jahren 11.600 Euro mehr als die Verträge bei der so populären Allianz. Unsere darauf basierenden Empfehlungen finden Sie hier.

Mein Rat: Beschäftigen Sie sich dringend mit den Riester-Angeboten. Für junge Leute mit Zukunftsplänen bieten Riester-Fondsparpläne die besten Renditechancen. Wer von der eigenen Immobilie nicht bloß träumt, für den eignen sich Riester-Bausparverträge und Wohn-Riester-Verträge. Wer noch recht unentschlossen ist, dem nützt ein Riester-Banksparplan - es ist das flexibelste Produkt aus der Riester-Familie.

Vorsichtiger sollte man mit den zwei letzten Riester-Varianten sein: Die Riester-Rentenversicherung ist nur für Leute, die ganz sicher sind, solche Verträge bis zum Altersgeldbezug durchhalten zu können. Bei solchen Verträgen wird nämlich ein Großteil der Kosten gleich zu Anfang berechnet. Riester-Fondspolicen schließlich sind nur etwas für versierte Anleger.

Für die junge Konditorin gilt: Sollte sie eine Familie gründen und zwei Kinder bekommen, garantiert ihr das bis zur Rente deutlich mehr als 20.000 Euro Förderung. Mit ein bisschen eigener Anstrengung und einem guten Vertrag wird daraus das richtige Zubrot für den Ruhestand.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. typo3 error auf finanztip.de :-(
fallschirmjuergen 22.11.2014
typo3 error auf finanztip.de :-(
2. merkwürdig...
frank57 22.11.2014
da soll man riestern obwohl mittlerweile jedem bekannt sein sollte welches betrugsmodell das ist....maschmeyer und co wird es freuen.wer kann mit 30 schon sagen wie sein leben verlaufen wird?ob er irgendwann seinen job verliert und vielleicht in die grundsicherung rutscht....dann freut sich allein die versicherung!!!
3. Riester ist immer ein schlechtes Geschäft
axel.larator 22.11.2014
Bei der Riester-Rente ist der Sparer immer der Verlierer. Es ist staatlich geförderter Betrug. Unsere 20 jährige wird nach 45 Jahren in Rente gehen und die Kaufkraft ihres angesparten Reichtums beträgt dann nur noch ein Viertel des Geldes und dies ist schon wohlwollend geschätzt.
4. gewinner
frechwieoskar 22.11.2014
bei der riester rente sind die "berater". denn die verkäufer der riester rente bekommen ein stattliches zubrot. der riester-sparer, macht dagegen ein minus-geschäft. alle rechenbeispiele sind nur theoretisch, die praxis zeigt heute schon, das die riester rente so komplex aufgebaut ist, das die riester renten versicherungen jede menge schlupflöcher bietet, dem "kunden" sein geld vorzuenthalten.
5. Hinweis auf Werbung fehlt
Hans Bergma 22.11.2014
Zitat: "Wer schon ahnt, dass er mit Siebzig stirbt, ist mit jeder Art fester Rente schlecht bedient..."Allein schon diese Aussage disqualifiziert den Schreiberling, der ansonsten wieder nur Werbung für die Betrüger Riester & Co. macht.Als ob der Azubi einmal mit ca. 40% seines letzten Einkommens im Rentenalter je über die Armutsgrenze kommen würde.Was er dann ohnehin vom Staat dazubekommt, das spart er sich jetzt mühsam von seinem kargen Einkommen ab.
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