Auswertung Verbraucherschützer kritisieren Kosten bei Riesterrente

Riestern ist fast immer zu teuer - zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Die Organisation hatte mehrere Riester-Produkte getestet.

Rentner in Berlin (Archivfoto)
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Rentner in Berlin (Archivfoto)


Verbraucherschützer kritisieren die Kosten bei der Riesterrente. Von wenigen Ausnahmen abgesehen würden Produkte angeboten, "die die Erwartungen der Politik an kosteneffiziente Angebote zur kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht erfüllen", kritisierte der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Dieser hatte 18 Produkte - klassische Rentenversicherungen und fondsgebundene Modelle - mit unterschiedlichen Laufzeiten getestet.

Das Ergebnis: Die Effektivkosten waren in den meisten Fällen höher als der Wert, der sich aus den Annahmen des Alterssicherungsberichts der Bundesregierung ergibt. "Im Extremfall sind die Kosten um das Fünffacher höher", hieß es in einer VZBV-Analyse. Günstiger waren je nach Laufzeit lediglich bis zu maximal zwei Angebote für das staatlich geförderte Zusatzplus im Alter. Die Verbraucherschützer werteten die Produktinformationsblätter verschiedener Anbieter aus.

Das Bundesarbeitsministerium wies darauf hin, dass es sich im Alterssicherungsbericht um modellhafte Berechnungen handele und nicht um Prognosen. Es gehe darum, "das Spektrum künftiger Veränderungen, die letztlich bei jedem Einzelfall individuell verschieden sind, auf wesentliche Erkenntnisse zu verdichten".

In dem Modell wird grundsätzlich von einer Verzinsung der eingezahlten Beiträge (Eigenbeiträge plus Zulagen) von vier Prozent ausgegangen. Als Verwaltungskosten werden zehn Prozent der eingezahlten Beiträge angesetzt. Daraus leiteten die Verbraucherschützer die Effektivkosten ab und verglichen sie mit den Angaben in den Produktinformationsblättern.

Die Stiftung Warentest gab jüngst nur zwei klassischen Riester-Rentenversicherungen beim Thema "Rentenzusagen und Kosten" die Note "gut". Einschließlich weiterer Kriterien wie Anlageerfolg oder Flexibilität kam keines der neun getesteten Produkte über ein "Befriedigend" hinaus. Dennoch könne sich Riestern lohnen. "Hier gibt es staatliche Zulagen und Steuerersparnisse, die alleine schon für eine gewisse Rendite sorgen", argumentierten die Tester.

asa/dpa



insgesamt 38 Beiträge
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SanchosPanza 03.01.2018
1. Typisch sozialstaatsdeutsch
Man erinnert sich, bis zu einer Klage vor dem EuGH sollte Riester nur bei einem Wohnsitz im Inland ausgeschüttet werden. Dieser damals geforderte Verzicht auf einen ausländischen Wohnsitzwechsel im Alter war für mich damals das Killerkriterium für das Riestern, neben der nur schwer verständlichen und kundenunfreundlichen Komplexität dieses Produkts. Wie sich jetzt zeigt, nutzen die Finanzdienstleister die staatlich geförderte, langjährige Kundenbindung auch zum unverschämten Melken ihrer Kunden. In den USA hatte ich einen steuerlich geförderten Sparplan. Voraussetzung war nur Fälligkeit erst mit dem Renteneintritt. Alles andere stand mir frei. So hätte das auch in Deutschland sein sollen, leider haben sich unsere Sozialstaatsbürokraten ein finanzindustriefreundliches, hochkompliziertes Monster ausgedacht. Ich spare jetzt fürs Alter mit breit gestreuten ETF, hohe Rendite und minimale Gebühren. So muß das sein.
Abel Frühstück 03.01.2018
2.
Ist zum Thema "Riestern" nicht schon alles längst gesagt? Die, die soviel verdienen, dass sie davon profitieren, können mit dem Geld auch was anderes machen, und für die, die es nötig hätten, ist es zu teuer und ineffektiv. Das System sichert natürlich Arbeitsplätze in der Versicherungswirtschaft. Das immerhin ist ein Effekt.
bs2509 03.01.2018
3. Ein "Geschenk" von Gerhard Schöder
an seine "Duz-Freund Maschmeyer" und Konsorten. "And the winner is . . . nicht der Kunde, sondern die Versicherungsgesellschaften. Und da wundert sich der "Mann aus Würselen", warum niemand mehr, der noch einigermaßen bei Trost ist und diesen doppelten Beschiss durchschaut hat, die SPD wählt.
C-Hochwald 03.01.2018
4. Man kann noch einiges dazu sagen
Zitat von Abel FrühstückIst zum Thema "Riestern" nicht schon alles längst gesagt? Die, die soviel verdienen, dass sie davon profitieren, können mit dem Geld auch was anderes machen, und für die, die es nötig hätten, ist es zu teuer und ineffektiv. Das System sichert natürlich Arbeitsplätze in der Versicherungswirtschaft. Das immerhin ist ein Effekt.
Außerdem ist der gesetzlich festgelegte Garantiezins seit 2007 im Sinkflug. Leider ist die Riesterrente ein Beweis dafür, daß die Gesetzgeber zu kurzfristig denken; in den meisten Fällen oft nur an möglichst positive Öffentlichkeitswirkung ihres Handeln, in der Hoffnung auf Wiederwahl. Mögliche Langzeiteffekte auf die Prozesse, welche durch die Gesetze in Gang gesetzt werden können, scheinen nicht berücksichtigt zu werden, in jedem Falle nicht bei der Riesterrente. Daher ist es mir auch Angst und Bange bei der Vorstellung, was auf uns Bürger evtl. zukommt, sollte sich die Politik in Richtung Bürger-Krankenversicherung begeben. Handwerkliches Geschick bei der Gesetzesbildung sehe ich leider nicht als besondere Kompetenz der Noch- und vielleicht Wieder Mitregierungspartei SPD, die ja auch Riester zu verantworten hat.
michionline 03.01.2018
5. Riester mit Kindern ist die beste Vorsorge
Wer Kinder hat und keinen Riestervertrag hat, verschenkt jedes Jahr hunderte von Euros. Gerade Kinder ab 2008 bringen pro Jahr 300 Euro Zulage.
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