Riester-Renten-Flop "Alles noch viel schlimmer als befürchtet"

Die Riester-Rente erweist sich immer mehr als kompletter Fehlschlag. Selbst die wenigen Kunden, die Verträge abgeschlossen haben, verstehen sie meist nicht - und verschenken die Zulagen, die ihnen zustehen.


Werbung für Tchibo-Rente: Minimales Interesse, minimales Verständnis
DPA

Werbung für Tchibo-Rente: Minimales Interesse, minimales Verständnis

Hamburg/Berlin - Nachdem zuvor schon andere Anbieter über Probleme mit der staatlich geförderten Privatrente berichtet hatten, meldet sich nun die Versicherungsgruppe Volksfürsorge zu Wort. Nach ihrer Einschätzung ist die Riester-Rente in ihrer derzeitigen Form für die meisten Kunden praktisch nicht zu handhaben. Nur 46 Prozent ihrer Riester- Kunden hätten zum Jahresende einen Antrag auf Zulage gestellt, teilte der Vorstandsvorsitzende Joachim Lemppenau mit.

Von diesen 46 Prozent wiederum waren 84 Prozent falsch oder unvollständig ausgefüllt. Lemppenaus Resümee: "Es ist alles noch viel schlimmer als befürchtet." Die Riester-Rente müsse dringend entbürokratisiert werden.

Schon mehrfach war berichtet worden, dass die meisten Inhaber von Riester-Rente-Verträgen trotz ihres Anspruchs darauf keine staatliche Förderzulage beantragt haben. So berichtete die die ZDF-Sendung "WISO" im März, dass bisher fünf Millionen Verträge abgeschlossen worden seien. Indes seien gerade einmal 1,5 Millionen Zulagen gewährt worden.

Regierung und Opposition verhandeln über Reform

DER SPIEGEL
Auch der Präsident der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), Herbert Rische, hatte sich in die Debatte eingeschaltet. Er erinnerte Kunden daran, dass sie bis Ende 2004 einen Antrag gestellt haben müssten, wenn sie noch für 2002 die staatlichen Zulagen kassieren wollten. Sonst "verschenkt man bares Geld", sagte er. Bei einer Familie mit zwei Kindern mache der Zuschuss immerhin bis zu 168 Euro aus. Bis März seien bei der Zulagenstelle der BfA 1,53 Millionen Riester-Konten eingerichtet, aber erst 93 Millionen Euro an Zulagen ausgezahlt worden.

Die Nachfrage nach Riester-Fonds war auch im Jahr 2003 sehr schwach. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) hatte berichtet, im Gesamtjahr seien bei seinen Mitgliedsunternehmen lediglich 72.000 entsprechende neue Verträge abgeschlossen worden. Insgesamt wurden von BVI-Mitgliedern rund 285.000 Riester-Verträge verwaltet.

Regierungskoalition und Opposition loten auch vor diesem Hintergrund die Chancen auf einen gemeinsamen Gesetzentwurf zur Rentenbesteuerung. Im Finanzausschuss wurden am Mittwoch 26 Änderungsvorschläge aller Fraktionen erörtert. Es würden verschiedene Alternativen durchgerechnet, Entscheidungen seien noch nicht gefallen, verlautete nach der Sitzung in Berlin.

Dabei geht es unter anderem um die Versteuerung der Erträge aus Kapitallebensversicherungen. Auch bei Plänen für Betriebs- und Riester-Renten soll aber nachgebessert werden, so dass die viel geforderte Entbürokratisierung der Riester-Produkte erreicht wird.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.