Risikobeteiligung Goldman-Chef verlangt Reform von Managerbezahlung

Er verdiente fast 43 Millionen Dollar im vergangenen Jahr - und fordert jetzt eine grundlegende Reform der Managerbezahlung: Lloyd Blankfein, Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, sprach sich dafür aus, große Risiken künftig nicht mehr zu belohnen.


Washington - Die Bezahlung von Managern an der Wall Street sollte nach Ansicht von Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein grundlegend reformiert werden. Die Vergütung sollte langfristig orientiert sein und große Risiken nicht belohnen, sagte der Bankenvorstand am Dienstag (Ortszeit) auf einer Konferenz in Washington.

Goldman-Chef Blankfein: Je höher der Rang, desto mehr Aktien
AFP

Goldman-Chef Blankfein: Je höher der Rang, desto mehr Aktien

Blankfein gehört selbst zu den Großverdienern an der Wall Street und bekam im vergangenen Jahr fast 43 Millionen Dollar von seinem Unternehmen. Er sprach sich für Richtlinien aus, die bei der Bezahlung gelten sollten: Blankfein zufolge sollte der Anteil von Aktien in der Vergütung steigen, je höher ein Mitarbeiter in der Hierarchie aufsteigt. Nur einfache Angestellte sollten überwiegend bar bezahlt werden. Das sei eine Lehre aus der Finanzkrise.

In den USA gibt es derzeit eine hitzige Debatte über die Bezahlung von Managern. Auslöser waren Millionenzahlungen des Versicherers AIG an seine Mitarbeiter, obwohl der Konzern nur mit Staatsgeld überleben kann. Auch gegen Blankfeins Auftritt vor dem Council of Institutional Investors wurde demonstriert. Seine Rede wurde von Protesten unterbrochen. Auf einem Plakat forderten Demonstranten: "Wir wollen unsere Dollar zurück."

Blankfein gestand ein, dass das vergangene Jahr für seine Branche größtenteils demütigend gewesen sei. Es könnte noch Jahre dauern, bis das Vertrauen von Investoren wiederhergestellt sei, sagte er. Für den Vertrauensverlust seien auch Geschäftspraktiken verantwortlich, die im Nachhinein eigennützig und gierig erschienen. Die Branche habe sich zu sehr auf Ratingagenturen verlassen.

Blankfein sprach sich zudem dafür aus, künftig auch Hedgefonds und Investmentfonds "zu einem gewissen Grad" zu überwachen, die in einer Krise das ganze System gefährden könnten. Damit stellt er sich hinter Pläne der Regierung von US-Präsident Barack Obama, die für eine stärkere Überwachung im Kongress wirbt. Nach den Plänen müssten sich größere Fonds bei der Finanzaufsicht SEC registrieren. Sie müssten sich dann auch in ihre Bücher schauen lassen.

kaz/AP



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