Elektronische Helfer: Roboter erobern deutsche Haushalte

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Staubsaugen, Rasenmähen und Regenrinnen reinigen - die neue Generation der Hausroboter kann fast alles. Die Sensoren und Motoren der elektronischen Helfer wurden ursprünglich für Drohnen und Mars-Expeditionen entwickelt. Jetzt sollen sie auch Senioren oder Kranke unterstützen.

Er heißt Packbot und er ist ein Held. Nach der Katastrophe von Fukushima war er der Erste, der in das beschädigte Atomkraftwerk fuhr, um dort aufzuräumen. Packbot ist 100 Zentimeter hoch und 90 Zentimeter lang und - ein Roboter. Er arbeitet überall dort, wo es für Menschen gefährlich ist. Er sucht zum Beispiel auf Kriegsschauplätzen nach Blindgängern und Minen. Mehr als 2000 Packbot-Zwillingsbrüder, jeder ausgestattet mit Kettenantrieb, Sensoren und Mini-Kamera, sind derzeit in Afghanistan und im Irak im Einsatz. Alle wurden von der Firma iRobot in Bedford im US-Bundesstaat Massachusetts hergestellt.

Zur Familie von Packbot gehören seit einigen Jahren auch Mitglieder, die in friedlichen Wohnstuben sauber machen. Sie rollen zwischen Couchgarnituren und Esstischen herum. Einer von ihnen ist Roomba - ein Staubsaugroboter, der weltweit bereits mehr als acht Millionen Mal verkauft wurde. Roomba ist zwar nur zehn Zentimeter hoch und hat einen Durchmesser von 35 Zentimetern, aber unter seiner Plastikverkleidung stecken die gleichen Sensoren und Kameras wie im Packbot. So erkennt das Gerät Wände, Schränke oder auch Vasen und weiß, an welcher Stelle er noch nicht gesaugt hat.

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Haushaltshilfe: Hier schrubbt der Roboter!

Obwohl es Hausroboter schon seit etwa fünf Jahren zu kaufen gibt, entwickelt sich der deutsche Markt erst jetzt rasant: Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat für 2012 ein Umsatzplus von 30 Prozent auf fast 23 Millionen Euro ermittelt. Mittlerweile halten sich hierzulande rund 300.000 Haushalte einen stummen Putzfreund. "Die Verkaufszahlen steigen jetzt kräftig", beobachtet auch Werner Scholz, Geschäftsführer der Hausgeräte-Fachverbände im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Er glaubt zwar, dass "Roboterstaubsauger den klassischen Staubsauger nicht ersetzen werden", sieht aber gute Chancen für die kleinen Helfer in Haushalten mit größeren Wohnflächen.

Für Marc Dinee, bei iRobot verantwortlich für den Verkauf und das Marketing von Haushaltsrobotern, ist ein Erfolgsrezept die Kommunikation zwischen den Forschungsteams seines Hauses. Dadurch profitiere auch die Hausgerätesparte "von den hohen Leistungsanforderungen des Militärs und deren Zulieferfirmen". In den vergangenen Jahrzehnten habe man als Entwicklungspartner des Militärs viel Know-how angesammelt.

Staatliche Gelder für Hausroboter

Die nächste Generation der Hausroboter wird auch mit staatlichen Geldern gefördert. So hat das US-Verteidigungsministerium iRobot gerade 650.000 US-Dollar für die Entwicklung des sogenannten Airarms überwiesen, einen aufblasbaren Greifarm. Deutschlands Hausfrauen- und männer haben auch etwas von der Technik der Amerikaner: Die jüngsten Roboter für Zuhause fallen nicht mehr Treppenstufen herunter, fahren nicht mehr gegen Stuhlbeine. Das haben ihre Vorgänger in den neunziger Jahren noch gemacht.

Hausroboter gibt es inzwischen fast überall und in allen Variationen zu kaufen. Neben Staubsaugrobotern wie Roomba 600 (rund 400 Euro) stehen in den Geschäften auch Nasswisch-, Regenrinnen- und Rasenmähroboter. US-Produzent iRobot hat nach eigenen Angaben weltweit einen Marktanteil von 70 Prozent. Neben ihm tummeln sich auf dem jungen Markt in Deutschland auch Unternehmen wie LG, Toshiba und Vileda.

Sebastian Klein von der Vertriebsfirma Klein Robotics in Hamburg ist der Ansicht, dass die Entwicklung erst am Anfang steht. In den kommenden fünf Jahren werde die Umsatzzahl auf mehr als eine Million steigen, schätzt er. "Hausroboter sind keine Spielerei mehr, sondern echte Helfer."

Inzwischen setzen die Firmen auch auf Hilfen für die Alten- und Krankenpflege. So hat das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart bereits mehrere Versionen des Haushaltsassistenten Care-O-bot entwickelt. Zurzeit wird er in einigen Heimen getestet. Care-O-bot kann mit einem Arm Becher greifen und diese den Heimbewohnern auf einem Tablett servieren. Und er "erkennt" Patienten. Seine Sensoren stammen nicht aus der Militärforschung, sondern aus der zivilen Industrie und wurden bisher in Computerfabriken eingesetzt.

Auch bei iRobot in den USA hat man die Gesundheitsbranche als Absatzmarkt im Auge. So hilft der mobile Roboter RP-Vita schon in amerikanischen Krankhäusern. Er wird via Internet vom Arzt gesteuert und rollt zur Diagnose bis ans Krankenbett. Per Videokonferenz können dann Spezialisten rund um den Globus in die Behandlung des Patienten einbezogen werden.

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Roboter die neuen Hausfrauen/männer: Wie teuer ist denn so eine Robi?
Oelteichscheich 06.04.2013
Zitat von sysopAPStaub saugen, Rasen mähen und Regenrinnen reinigen - die neue Generation der Hausroboter kann fast alles. Die Sensoren und Motoren der elektronischen Helfer wurden ursprünglich für Dronen und Mars-Expeditionen entwickelt. Jetzt sollen sie auch Senioren oder Kranke unterstützen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/robotik-roboter-erobern-haushalte-a-888178.html
Interessant, doch ich dachte diese Technik kommt aus Japan. Es gibt sogar kickende Roboter die Fußball spielen. Wie handwerklich und gärtnerisch begabt sind denn diese Maschinen denn noch? Jetzt weiß ich auch wieso es bald computergesteuerte Autos geben wird. Ja, wieso nicht, denn das passt alles ins 21. Jh.!
2. Wie teuer so ein Staubsaug-Roboter HIER ist,
wohlmein 06.04.2013
Zitat von OelteichscheichInteressant, doch ich dachte diese Technik kommt aus Japan. Es gibt sogar kickende Roboter die Fußball spielen. Wie handwerklich und gärtnerisch begabt sind denn diese Maschinen denn noch? Jetzt weiß ich auch wieso es bald computergesteuerte Autos geben wird. Ja, wieso nicht, denn das passt alles ins 21. Jh.!
steht im Text. grins.. Leider beantwortet der Artikel nicht die Frage, *ob man dem Staubsaug-Roboter das Schießen abtrainiert hat. Und falls nicht, wo man in D schuß-sichere Schuhe erhält - und was DIE kosten!* Diese Kosten müssen nämlich zum Einstandspreis hinzu addiert werden!!
3.
c++ 06.04.2013
Mein Reinigungsroboter wurde in den USA entwickelt und funktionieren gut. Deutsche Firmen hängen zurück. Ich denke, das ist ein gewaltiger Zukunftsmarkt. Hoffentlich verschlafen deutsche Firmen diese Entwicklung nicht. Die Tage der Putzfrau sind gezählt, ebenso wie die Tage der Kassiererin oder des Fahrkartenverkäufers.
4. Ich brauche einen Allround-Roboter den ich lieben kann.
Oelteichscheich 06.04.2013
Zitat von wohlmeinsteht im Text. grins.. Leider beantwortet der Artikel nicht die Frage, *ob man dem Staubsaug-Roboter das Schießen abtrainiert hat. Und falls nicht, wo man in D schuß-sichere Schuhe erhält - und was DIE kosten!* Diese Kosten müssen nämlich zum Einstandspreis hinzu addiert werden!!
Der Roboter würde nicht nur zum Staub saugen missbraucht, sondern kriegt seine Anerkennung und Zuwendung von mir. Ich würde ihn mit auf die Kirmes, in den Urlaub, in den Zoo nehmen, Hauptsache er löst beim Passieren der Sicherheitschecks bei Flughäfen nicht zu großes Interesse aus. Vielleicht verliebe ich mich ja in Multifunktional-Hightech"-Betty"? Sie ist dann Frau, Kind und Haustier in einem. Die Frage die sich dadurch zwangsläufig ergibt: Braucht es da noch Menschen bzw. menschliche Gärtner, Klempner etc.?
5. Motorisierungswahn .....
ekznamu 06.04.2013
Wer rastet der rostet. Wer schon schlecht bewegungsfähig ist, sollte sich tunlichst möglichst viel bewegen, auch wenn es mühsam ist. Sonst wird es nur noch schlimmer ! Diese Roboterzeugs soll uns nur suggerieren, das das in Vergangenheit dafür verbrannte Geld sinnvoll angelegt war. In Wirklichkeit sind diese klobigen Schrottgedängsel auf dem Stand von vor 20 Jahren.
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