Rohöl-Preisvergleich Billiger als ein Fässchen Chanel No. 5

Rohöl notiert auf einem Rekordhoch. Mehr als 55 Dollar je Barrel, das klingt zwar teuer - gemessen an einem Fass Starbucks-Kaffee oder einer Blechtonne Druckertinte ist die schwarze Schmiere jedoch ein echtes Schnäppchen. SPIEGEL ONLINE macht den Preisvergleich.


Hamburg - Ein Fass Nordsee-Rohöl kostet zurzeit rekordverdächtige 55 Dollar (41 Euro) - ein historischer Höchststand. Kein Grund zur Panik, meint Reinier Zwitserloot. "Ein Barrel Öl ist immer noch billiger als ein Barrel Bier", so der Chef des Öl- und Gasunternehmens Wintershall. Der Mann hat gut reden.

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Steigender Rohölpreis: Billiger als ein Barrel Latte Macchiato

Dennoch hat Zwitserloot nicht ganz Unrecht. Ein Barrel (159 Liter) des Hamburger Lokalbräu Astra kostet 187,58 Euro. Und etliche andere Flüssigkeiten, die fürs tägliche Leben benötigt werden, sind noch teurer - zehn Barrelpreise, etwa für Olivenöl oder Schampus, hat SPIEGEL ONLINE berechnet.

Der in den Nachrichten üblicherweise zitierte Rohölpreis bezieht sich auf einen Terminmarktkontrakt, der erst einige Monate später fällig wird. An der Londoner Ölbörse IPE kostete Brent gestern beispielsweise 55,84 Dollar - geliefert wird zu diesem Preis jedoch erst im Mai. Darüber hinaus existiert ein sogenannter Spotpreis für die Sofortlieferung.

Kritiker mögen einwenden, dass sich niemand an der IPE in London seinen Barrel Brent abholen kann. Dennis Nacken, Öl-Analyst bei Helaba Trust, weist jedoch darauf hin, dass es theoretisch möglich ist, auf die Ausführung des Kontraktes und damit die Lieferung gekaufter Barrels zu bestehen. "In der Regel passiert das aber nicht, es wird nur verrechnet."




Die zur Berechnung der alternativen Barrelpreise verwendeten Zahlen sind Einzelhandelspreise. Natürlich gibt es auch für Olivenöl oder Bordeaux-Rotwein Terminmarktpreise. Auch lässt sich bestimmt ein Rabatt heraushandeln, wenn man im Supermarkt mit 300 Flaschen olio extra vergine zur Kasse geht. Diese Faktoren wurden der Einfachheit halber nicht einbezogen. Dennoch zeigt die Rechnung: So teuer ist Brent gar nicht.

Thomas Hillenbrand



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