Rohstoffmarkt Brasilianer finden gigantisches Ölfeld im Atlantik

Es ist der vielleicht größte Ölfund der letzten 30 Jahre: Brasilien hat vor seiner Küste ein gigantisches Rohstoff-Vorkommen entdeckt, 5000 Meter unter dem Meeresspiegel. An den Weltmärkten stieg der Ölpreis trotzdem auf einen neuen Rekord - Schuld war der kraftlose Dollar.


Rio de Janeiro - Haroldo Lima hatte seinen großen Tag: Mit vollem Elan verkündete der Präsident der brasilianischen Erdölagentur am Montag die Entdeckung des Erdölvorkommens "Carioca". Es handele sich wohl um den "größten Fund der Welt (im Ölsektor) der vergangenen 30 Jahre", schwärmte er.

Petrobras-Chef José Sergio Gabrielli (Archivbild): Aktienkurs springt in die Höhe
AFP

Petrobras-Chef José Sergio Gabrielli (Archivbild): Aktienkurs springt in die Höhe

Techniker betonten jedoch, man könne noch nicht sagen, ob die Förderung rentabel sein würde. Den ersten Angaben zufolge befindet sich das Feld in etwa 5000 Meter Tiefe unter Wasser und einer dicken Salzschicht.

Das Feld wird auf eine Kapazität von 33 Milliarden Barrel Erdöl geschätzt. Damit wäre es die drittgrößte genutzte Ölquelle überhaupt. Diese Informationen seien noch "inoffiziell", sagte Lima, sie stammten aber von der staatlichen Ölgesellschaft Petrobras – die auch Haupteigentümer des Feldes ist. Weitere 30 Prozent hält British Gas, 25 Prozent die spanische Repsol.

Erst im November hatte Brasilien die Entdeckung des riesigen Ölfeldes "Tupi" bekanntgegeben. Es liegt 250 Kilometer vor der Küste des Bundesstaates São Paulo ebenfalls in sehr tiefem Wasser, gehört zu 65 Prozent Petrobras und birgt Vorkommen von fünf bis acht Milliarden Barrel sowie Erdgas.

Ölpreis für die Sorte WTI über 112 Dollar

Allein diese Menge würde Brasiliens Ölreserven um die Hälfte erhöhen und dem Land die Aufnahme in die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ermöglichen. Die Produktion kann dort allerdings nach Expertenschätzung frühestens in vier oder fünf Jahren beginnen.

Zurzeit fördert Petrobras 1,9 Millionen Barrel Öl am Tag. Die geschätzten Reserven des Unternehmens liegen bei 13 Milliarden Barrel. Damit liegt Brasilien weltweit auf Rang 17 der Länder mit den größten bestätigten Ölreserven.

In einem Kommuniqué teilte Petrobras mit, die genaue Größe des Feldes könne erst nach weiteren Studien in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden. Auch Energieminister Edison Lobão sagte, man müsse die offizielle Bekanntgabe abwarten.

Die Aktien von Petrobras schossen am Montag an der Börse von São Paulo um 7,67 Prozent in die Höhe.

An den Rohstoffmärkten hat der Ölpreis zunächst einmal ein neues Rekordhoch erreicht. Ein Fass (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI zur Lieferung im Mai kostete zeitweise 112,45 Dollar, 69 Cent mehr als am Vortag. Das Fass Nordseeöl der Sorte Brent kostete 110,16 Dollar und damit 32 Cent mehr.

Rohstoffhändler verwiesen auf Lieferschwierigkeiten in Mexiko. Dort hatte schlechtes Wetter zu einer massiven Senkung der Ölexporte geführt. Auch machten die Händler die Dollarschwäche für den Preisauftrieb beim Öl verantwortlich. Der Greenback fiel in Fernost, weil Händler schlechte US-Unternehmensergebnisse befürchten.

itz/AFP/dpa/Reuters/AP

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