Roman Herzog Lascher Aufseher

Nach einer erfolgreichen Laufbahn als Präsident des Bundesverfassungsgerichts und als Bundespräsident versucht sich Roman Herzog als Aufseher in einem Unternehmen der New Economy. Mit seiner dritten Karriere ist er auf dem besten Wege, seinen guten Ruf zu ruinieren.


Setzt seinen guten Ruf aufs Spiel: Bundespräsident a.D. Roman Herzog
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Setzt seinen guten Ruf aufs Spiel: Bundespräsident a.D. Roman Herzog

Hamburg - Wie das "Handelsblatt" berichtet, prüft die Staatsanwaltschaft gerade eine Anzeige gegen die Risikokapitalgesellschaft AAFortuna, in deren Aufsichtsrat Herzog Mitglied ist.

Wie das Düsseldorfer Wirtschaftsblatt berichtet, wirbt AAFortuna mit dem Slogan "Wir verbinden Innovation und Kapital" und hat damit bisher zehn Millionen Euro an Risikokapital eingesammelt. Die Hälfte davon seien in neun Firmen investiert worden, von denen einige allerdings nur über eine Recherche im Handelsregister zu finden seien.

Bei genauerem Hinsehen entpuppten sich die Investments der AAFortuna als wenig seriös. Die Firma EHS European Helikopter Services etwa würde als Spezialist für modernste Hubschrauberrettungseinsätze gepriesen, biete aber tatsächlich nur Rundflüge per Helikopter an und besitze überdies nicht einmal ein eigenes Fluggerät.

Auch die Vorzeigefirma C.Com, an der AAFortuna mit 43,5 Prozent beteiligt ist, hätte die Versprechen in den Werbebroschüren in keiner Weise erfüllt. Von den im Aktionärsbrief versprochenen 14 Millionen Mark Umsatz habe der Anbieter von Videotechnik für das Internet mit 162.000 Mark nur einen Bruchteil erreicht. Dem stünde ein Verlust von 2,7 Millionen Mark gegenüber. Hier ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits wegen Untreue. Es seien Geldabflüsse ohne erkennbare Gegenleistung festzustellen.

Ein neuer Kunde, der in Zukunft für Umsätze bei C.Com sorgen soll, könne auch nicht als Aushängeschild dienen: Es sei ein Anbieter von Pornoseiten im Internet.

Bundespräsident a.D. Herzog will sich zu den Ungereimtheiten und den laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht äußern. Unter Umständen aber wird er noch dazu gezwungen - als Zeuge bei den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen die Firma AAFortuna, die er beaufsichtigen sollte.



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