Zum Tod von Rosalia Mera: Von der Arbeiterin zur Milliardärin

Von Angelika Stucke

Zara-Gründerin: Zum Tod Rosalia Meras Fotos
DPA

Mit elf verließ sie die Schule, mit 13 wurde sie Näherin - später wurde Rosalia Mera zur reichsten Frau Spaniens. Ihre Wurzeln hat die Mitgründerin der Modekette Zara nie vergessen.

Rosalia Mera war die reichste Frau Spaniens und eine der vermögendsten Frauen der Welt. Doch anders als viele Selfmade-Milliardäre blieb sie bis an ihr Lebensende bodenständig. In ihrem Herzen war sie immer ein Arbeitstier.

1944 wurde Mera, deren Reichtum auf bis zu 5,5 Milliarden Dollar geschätzt wird, in einem Arbeiterviertel in La Coruña geboren. Zu zwölft lebte die Familie auf 70 Quadratmetern. Mit elf Jahren musste die kleine Rosalia die Schule verlassen, mit 13 begann sie als Näherin in einem Modehaus zu arbeiten. Trotz der wirtschaftlichen Not habe sie wunderbare Erinnerungen an ihre Kindheit, versicherte sie stets.

In dem Modehaus "La Maja", in dem sie als einfache Näherin arbeitete, lernte sie ihren späteren Mann Amancio Ortega kennen, mit dem zusammen sie schon zu Beginn der sechziger Jahre den Grundstein für ein Textilimperium legte. 1962 war sie an der Gründung der Firma GOA beteiligt, aus der später die Modekette Zara und die Gruppe Inditex hervorgingen. Neben ihren Anteilen an Inditex hielt Rosalia Mera auch Anteile an dem Pharmakonzern Zeltia und der Hotelgruppe Room Mate Hoteles.

Am Mittwoch hatte Mera während eines Urlaubsaufenthalts mit ihrer Tochter Sandra auf der Insel Menorca einen Gehirnschlag mit starker Blutung erlitten. Sie wurde zunächst in ein Krankenhaus und später nach La Coruña gebracht, wo sie am Donnerstag starb.

"Wir alle sollten uns empören"

Zeitlebens glaubte Rosalia Mera an den Erfolg durch eigene Anstrengungen. Ihre Ehrlichkeit war legendär, auch wenn sie damit in ihren Kreisen oft aneckte. Sie protestierte gegen die von der konservativen spanischen Regierung geplante Verschärfung des Abtreibungsgesetzes und empfand große Sympathie für die vor zwei Jahren entstandene Protestbewegung der Empörten. "Wir alle sollten uns empören," sagte sie damals, hob aber immer wieder hervor, dass die Empörung in Worten und nie mit Gewalt zum Ausdruck gebracht werden sollte.

Die jüngsten Privatisierungsmaßnahmen der spanischen Regierung missfielen ihr. "Wenn wir bei der Gesundheit und bei der Erziehung sparen, tun wir uns selbst keinen Gefallen", sagte sie. Ihre Enkelkinder seien alle in öffentliche Schulen eingeschrieben, verriet sie dem spanischen Journalisten Iñaki Gabilondo erst kürzlich in einem Interview. "Da wo die Kinder sind, die etwas haben und die, die nichts haben." Immer stärker setzte sich Rosalia Mera auch mitten in der Krise für den Erhalt öffentlicher Einrichtungen ein.

Bedingt durch die Behinderung ihres Sohnes Marcos, gab sie ihrem Leben 1973 einen neuen Kurs. Galt ihr ganzes Interesse bis dahin der Textilbranche, verlagerte es sich seither zusehends in Richtung sozialer und medizinischer Themen. 1986 gründete sie die Stiftung Paideia, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen und sozialschwachen Kollektiven in ihrer Heimat Galizien, im Nordwesten Spaniens zu helfen. Für ihr Engagement erhielt sie mehrere private und öffentliche Auszeichnungen.

Interesse an Forschungen im Bereich künstlicher Befruchtung

1986 war auch das Jahr, in dem Rosalia Mera und Amancio Ortega sich trennten. Aus dem ersten Zara-Geschäft, das beide 1975 in La Coruña eröffnet hatten, war mittlerweile eine Kette geworden. Rosalia Mera behielt trotz der Trennung Kapitalanteile an Inditex und blieb sogar bis 2004 im Vorstand. Nebenbei begann sie aber eine eigene unternehmerische Karriere. Forschungen im Bereich künstlicher Befruchtung interessierten sie besonders.

2011 wurde Rosalia Mera mit dem Doktortitel h.c. der Internationalen Universität Menéndez Pelayo geehrt. Die Universität drückte heute in einer öffentlichen Mitteilung ihre Anteilnahme am Tod der Unternehmerin aus, nachdem von der spanischen Gewerkschaft CC.OO. eine etwas geschmacklose Äußerung auf Twitter gemacht worden war. Dort hieß es: Der erste Platz von Rosalia Mera auf der Reichenliste sei bereits neu belegt, aber auch diese Person werde früher oder später sterben.

Mera soll am Samstag nahe ihrer Heimat beigesetzt werden.

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insgesamt 5 Beiträge
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1.
helgedoc1 16.08.2013
Acetylsalicylsäure gegen Gehirnblutung? Das ist neu...
2.
carrington 17.08.2013
Der menschliche Körper braucht fett. Schauen Sie sich doch mal die USA an. Da sehen Sie, was fettarme Ernährung anrichtet.
3.
GSYBE 17.08.2013
20 Minuten Selbstreflexion über Pietät und Ethik hätten uns vor Ihrem Mist verschont.
4.
warp0 17.08.2013
Zitat von sysopDPAMit elf verließ sie die Schule, mit 13 wurde sie Näherin - später wurde Rosalía Mera zur reichsten Frau Spaniens. Ihre Wurzeln hat die Mitgründerin der Modekette Zara nie vergessen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/rosalia-mera-nachruf-auf-die-mitgruenderin-von-zara-a-917001.html
Selfmade-Unternehmer bleiben fast immer bodenständig. Nur die Zocker und Spekulanten aus der Finanzbranche heben ab. Ein weiteres Indiz, warum Finanz-Industrie keine Industrie, sondern pures Parasitentum ist: Die Investmentbanker haben nie gelernt, richtig zu arbeiten und Mehrwert zu produzieren und was das überhaupt bedeutet...
5. @mhwse
phthalo 17.08.2013
Ich bin immer wieder erstaunt über derartige Beiträge welche absolut keine Aussagekraft haben, das Thema nicht mal tangieren und zudem auf psychopathische Art jegliche Herzlichkeit zum Tode einer tollen Frau vermissen lassen.
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