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Rücktritt von Jürgen Stark: EZB verliert ihren Chefvolkswirt

Schwerer Schlag für die Europäische Zentralbank: Mitten in der Euro-Krise verlässt Chefvolkswirt Jürgen Stark die Notenbank. Insidern zufolge könnte Staatssekretär Jörg Asmussen Nachfolger werden. Der Dax stürzte zeitweise um vier Prozent ab, der Euro fällt auf ein neues Sechsmonatstief.

Jürgen Stark: Zweiter Abgang eines hochrangigen EZB-Geldpolitikers in diesem Jahr Zur Großansicht
DPA

Jürgen Stark: Zweiter Abgang eines hochrangigen EZB-Geldpolitikers in diesem Jahr

Frankfurt am Main - Jürgen Stark ist einer der schärfsten Kritiker der derzeitigen Politik der Europäischen Zentralbank - nun schmeißt er seinen Posten als Chefvolkswirt der Notenbank hin. Die EZB teilte mit, Stark trete aus persönlichen Gründen zurück. Er werde im Amt bleiben, bis die Nachfolge geklärt sei. Dies solle bis Ende des Jahres der Fall sein.

Insidern zufolge gilt Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen als möglicher Kandidat. Auf jeden Fall solle der Posten erneut mit einem Deutschen besetzt werden, hieß es. Die Verhandlungen liefen noch.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet dankte Stark den Angaben zufolge "von ganzem Herzen für seinen jahrelangen herausragenden Beitrag für die europäische Einheit". Seit 2006 war Stark Chefvolkswirt der EZB. Zuvor hatte er zwischen 1995 und 1998 als Staatssekretär im Finanzministerium am EU-Stabilitätspakt mitgearbeitet. Anschließend war Stark in den Vorstand der Deutschen Bundesbank gewechselt.

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge soll der Grund für Starks Abgang ein Zerwürfnis wegen der umstrittenen Staatsanleihenkäufe der Zentralbank sein. Stark gehört zu den heftigsten Kritikern der Käufe, mit denen die EZB seit Mai 2010 Problemländer wie Griechenland stützt. Stark ist der zweite deutsche Notenbanker, der deshalb geht. Bereits im Februar hatte der damalige Bundesbank-Chef Axel Weber seinen Posten deshalb aufgegeben.

Dax rutscht fast vier Prozent ins Minus

Finanzexperten reagierten enttäuscht auf die Nachricht. "Wieder fällt in der EZB ein Kontraindikator weg", sagte Matthias Gloystein von der Bremer Landesbank. "Im Moment wird das am Markt so interpretiert, dass der Rücktritt die EZB schwächt."

Auch Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel warnt vor den Konsequenzen des Rücktritts: "Wenn die Vermutung stimmt, dass Stark wegen seiner kritischen Haltung zum Ankaufprogramm von Staatsanleihen zurückgetreten ist, zeigt das vor allem eines: Die geldpolitischen Puristen können sich im EZB-Rat offensichtlich nicht mehr durchsetzen."

Der Euro Chart zeigen fiel nach der Meldung auf ein neues Sechsmonatstief, zeitweise rutschte er um einen Cent auf 1,3726 Dollar ab. Auch der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen verlor massiv: Er fiel zeitweise um mehr als 3,8 Prozent auf 5203 Punkte.

Bei den Unternehmen verbuchten die Finanzwerte, die besonders sensibel auf alle Nachrichten rund um die Schuldenkrise reagieren, die größten Kursverluste. Dazu trug auch eine Studie von Goldman Sachs bei: Die Analysten senkten die Kursziele mehrerer Institute wie der Société Générale und betonten, sollte es bei griechischen Anleihen zu einem "Haircut", also einer Umschuldung kommen, seien Kapitalerhöhungen notwendig.

Der europäische Bankenindex rutschte um 3,7 Prozent ab. Acht der zehn größten Verlierer im EuroStoxx 50 Chart zeigen kamen aus der Finanzbranche. Schlusslicht bildete hier die Société Générale Chart zeigen mit einem Minus von 9,3 Prozent auf 17,77 Euro. Die Aktie der Deutschen Bank Chart zeigenverlor 3,5 Prozent auf 23,53 Euro, die Commerzbank Chart zeigen büßte 6,9 Prozent auf 1,70 Euro ein.

yes/Reuters/dpa

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insgesamt 153 Beiträge
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1. Wenn Herr Staro geht, kann ich als Bürger auch gehen?
Viva24 09.09.2011
Müssten dann aber aufpassen, dass der letzte das Licht ausmacht: Es sind aber schwache Manager, die bei schwerer See das Schiff verlassen möchten. Natürlich ist die Lage, wenn mein volkswirtschaftlcihes Gehirn noch arbeitet, aussichtlos, aber es geht weiter. Dann halt mit anderen Managern Politiker, auch ja dann auch noch mit neuer Währung!
2. das sinkende Schiff
materialist 09.09.2011
Zitat von sysopDie Europäische Zentralbank verliert offenbar mitten in der Euro-Krise ihren Chefvolkswirt: Jürgen Stark soll mehreren*Nachrichtenagenturen zufolge*die Notenbank verlassen. Grund ist demnach ein Zerwürfnis über die umstrittenen Käufe von Staatsanleihen hochverschuldeter Länder. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,785382,00.html
In der christlichen Seefahrt ist es halt üblich dass man sinkende Schiffe verlässt.
3. 1²³
cp³, 09.09.2011
Zitat von sysopDie Europäische Zentralbank verliert offenbar mitten in der Euro-Krise ihren Chefvolkswirt: Jürgen Stark soll mehreren*Nachrichtenagenturen zufolge*die Notenbank verlassen. Grund ist demnach ein Zerwürfnis über die umstrittenen Käufe von Staatsanleihen hochverschuldeter Länder. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,785382,00.html
Sein Problem - er war weitsichtiger und intelligenter als der Mainstream in der EZB - und somit u. a. gegen Eurobonds.
4. Kritiker raus
gustavscott 09.09.2011
Zitat von sysopDie Europäische Zentralbank verliert offenbar mitten in der Euro-Krise ihren Chefvolkswirt: Jürgen Stark soll mehreren*Nachrichtenagenturen zufolge*die Notenbank verlassen. Grund ist demnach ein Zerwürfnis über die umstrittenen Käufe von Staatsanleihen hochverschuldeter Länder. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,785382,00.html
Wer seine eigene Meinung sagt fliegt raus. Das müßte man in dieser Position eigentlich wissen.
5. -
auri sacra fames 09.09.2011
Zitat von sysopDie Europäische Zentralbank verliert offenbar mitten in der Euro-Krise ihren Chefvolkswirt: Jürgen Stark soll mehreren*Nachrichtenagenturen zufolge*die Notenbank verlassen. Grund ist demnach ein Zerwürfnis über die umstrittenen Käufe von Staatsanleihen hochverschuldeter Länder. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,785382,00.html
"Grund ist demnach": aus persönlichen Gründen (von der EZB) bestätigt. Ekel? Schlechte Gesellschaft für seine Kinder? Keine Lust auf weiteres Dauerlügen der Polit- und Bankenkamarilla? Notvorräte packen? Gold und Immobilien kaufen? Ich hab nur mal die wahrscheinlichsten Möglichkeiten erwähnt. ;-)
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.

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