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Rüstung: US-Waffenexporte steigen auf Rekordniveau

Der Handel mit Kriegsgerät ist ein lukratives Geschäft - allen voran für die amerikanischen Waffenhersteller. Die US-Exporte sind einem Zeitungsbericht zufolge seit 2005 drastisch gestiegen. Washington sieht darin eine Entwicklung zu einer sichereren Welt. Jetzt regt sich Widerstand.

Hamburg - Ob Panzer, Kampfflugzeuge oder Kriegsschiffe - die weltweite Nachfrage nach hochtechnischem Kriegsgerät aus den USA ist riesig - und wächst nach Angaben der "New York Times" weiter. In diesem Jahr hat das US-Verteidigungsministerium Verkäufen von hochentwickelten Waffensystemen ins Ausland im Wert vom 32 Milliarden Dollar zugestimmt. 2005 lag das Volumen noch bei zwölf Milliarden Dollar, berichtet die Zeitung unter Berufung auf das Pentagon.

Kampfjet aus US-Produktion: Rasanter Geschäftszuwachs seit drei Jahren
REUTERS

Kampfjet aus US-Produktion: Rasanter Geschäftszuwachs seit drei Jahren

Aber auch die ausländische Nachfrage nach weniger komplizierten Waffensystemen aus amerikanischer Herstellung und nach Wartung und Reparatur von Kriegsgerät ist demnach deutlich gestiegen, von 58 Milliarden Dollar vor drei Jahren auf jetzt schätzungsweise 96 Milliarden Dollar, schreibt das Blatt.

Die US-Rüstungskonzerne verzeichnen einen rasanten Geschäftszuwachs seit 2006, insbesondere bei Verkäufen in den Mittleren Osten, aber auch nach Nordafrika, Asien, Lateinamerika, Europa und sogar Kanada. Die Regierung von US-Präsident George W. Bush, die in den vergangenen Jahren Dutzende von milliardenschweren Waffendeals genehmigt hat, verfolgt mit diesen Geschäften das Ziel, militärische Allianzen zu festigen und Terrorismus zu bekämpfen.

"Es geht hier nicht um Waffenschmuggler, sondern darum, die Welt sicherer zu machen", zitiert die "New York Times" einen hochrangigen Vertreter der US-Luftwaffe aus dem Pentagon. Demnach spiegelt diese Entwicklung auch die Entwicklung im Irak und in Afghanistan wider. Die Bush-Regierung hat zuletzt erneut mehrere Geschäfte genehmigt - nach Angaben der Zeitung handele es sich hierbei womöglich um die langlebigste Hinterlassenschaft von Bush, da die Auslieferungen noch in vielen Jahren erfolgen würden.

Dem Bericht zufolge erhalten derzeit rund 60 Staaten finanzielle Hilfe von den USA, damit sie amerikanische Waffen kaufen können. Insgesamt gibt Washington 4,5 Milliarden Dollar für Militärhilfe aus, mehr als 80 Prozent davon gehen demnach an Israel und Ägypten. Kürzlich habe Washington aber auch Irak und Afghanistan unterstützt.

Seit Jahren sind die USA der größte Waffenlieferant der Welt. In den vergangenen Jahren haben amerikanische Rüstungshersteller viele Länder als Großkunden dazugewonnen, darunter Argentinien, Brasilien, Georgien, Indien, Irak, Marokko und Pakistan, wie aus Papieren des Pentagon hervorgeht. Der Wert der Waffenbestellungen aus diesen Ländern habe sich vervielfacht. Während beispielsweise Rumänien und Polen viele Jahre lang Kampfflugzeuge in Russland bestellten, ersetzen ihre alten Mig-17-Jets durch neue F-16-Maschinen vom US-Konzern Lockheed Martin.

Bei Rüstungskontrolleuren und bei einigen US-Parlamentariern regt sich nun Widerstand gegen die zunehmenden Waffenexporte. Die wachsende Militärhilfe sei zwar "ein schneller und einfacher Weg, Allianzen zu verfestigen", sagt William D. Hartung, Experte des Instituts New America Foundation. Aber inzwischen gerate die Entwicklung außer Kontrolle, zitiert ihn die "New York Times".

US-Außenpolitiker Howard L. Berman sagte der Zeitung, er unterstütze viele der Waffenverkäufe, beispielsweise jene, die dem Irak helfen würden, eine eigene Verteidigungsfähigkeit aufzubauen. Aber er befürchte auch, dass der rasante Anstieg der US-Waffenexporte auch "einige negative Effekte" haben könne. "Dies könnte sich zu einem Wettrennen entwickeln, das am Ende zu weniger Stabilität führt", sagte er.

Ein Ende des Booms bei den Rüstungsexporten ist jedoch nicht abzusehen. Die Vereinigten Arabischen Emirate denken derzeit Papieren des Pentagon zufolge über den Kauf eines amerikanischen Raketenabwehrsystems nach - im Wert von 16 Milliarden Dollar. Außerdem wollen die Emirate auch amerikanische Offensivwaffen kaufen, darunter 26 Kampfhubschrauber vom Typ Black Hawk und 900 panzerknackende Raketen.

Und Saudi-Arabien hat allein in diesem Jahr Kaufverträge mit US-Rüstungskonzernen im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar unterzeichnet - so viel wie seit 15 Jahren nicht mehr.

kaz

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